Bevormundet

29 Januar 2016 by

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Bevormundung gehört vermutlich in den meisten Religionen zum Standardrepertoire der Machtausübung und des Machterhalts. Immanuel Kant hat dies in seiner „Aufklärung“ in einem wohl weniger beachteten Satz zum Ausdruck gebracht:

Daß der bei weitem größte Teil der Menschen […] den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.

So ist es denn nicht außergewöhnlich, dass es Leute gibt, die meinen, anderen Menschen religiös inspirierte bzw. legitimierte Vorgaben dahingehend machen zu müssen, was diese sich z.B. während eines Museumsbesuchs anschauen dürfen und was nicht.

Buste de femme - Musei Capitolini

Buste de femme – Musei Capitolini

Im Januar 2016 war der iranische Präsident Hassan Rouhani anlässlich eines Staatsbesuchs in der italienischen Hauptstadt Rom zu Gast. Die Medienberichterstattung darüber erging sich großenteils in einem Detail dieses Besuchs: jener Stipvisite im Kapitolinischen Museum, deren Ablauf entweder von iranischen oder von italienischen Offiziellen vorbereitet wurde (Medienberichte zu diesem Detail ließen Vermutungen bezüglich der Organisatoren zu).

Die Organisatoren des Besuchsprogramms hatten – möglicherweise ohne Wissen des iranischen Präsidenten – entschieden, dem Gast den Anblick mehrerer in diesem Museum zu besichtigenden Statuen vorzuenthalten.

Vénus de l'Esquilin - Musei Capitolini

Vénus de l’Esquilin – Musei Capitolini

Die umfangreiche Berichterstattung zu diesem Besuch lässt den Schluss zu, dass der Wunsch, derlei Statuen nicht sehen zu wollen, nicht von Rouhani kam, sondern man ihn mit religiöser Begründung dahingehend bevormundet hat, was er aufgrund seiner Religionszugehörigkeit nach Meinung der Organisatoren sehen darf und was nicht, was ihm zugemutet werden darf und was nicht — und er hat es sich gefallen lassen (müssen), konnte sich vermutlich aus diplomatischen, vielleicht auch aus innenpolitischen Gründen nicht dagegen wehren.

Aphrodite – Musei Capitolini

Aphrodite – Musei Capitolini

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Sollten die Gastgeber oder die Organisatoren geglaubt haben, Rouhani sei ein Idiot, der beim Anblick von etwas anderem als geometrischen Mustern, wie sie im islamischen Kulturkreis an und in Moscheen zu sehen sind, einer Nackten gar, die Selbstbeherrschung oder den Verstand verliert ?

Nasr-ol-Molk-Moschee - Deckenverzierungen

Nasr-ol-Molk-Moschee – Deckenverzierungen

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Anmerkung:

In den Leserkommentaren zur Berichterstattung über den Besuch des iranischen Präsidenten Rouhani in Rom im Januar 2016 war teils davon die Rede, dass die Verhüllung einiger Statuen im Kapitolinischen Museum in Rom ein Zeichen für die Islamisierung Europas sei.
Dieser Argumentation schließe ich mich nicht an — siehe oben.

Zudem liegt es an den Menschen, ob und inwieweit sie — ohne sich von Hass leiten zu lassen[*] oder in diesen abzugleiten — bereit sind, die Werte, Freiheiten und Rechtssicherheiten des freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaats gegen Bevormundung, Einschüchterung sowie gegen Wertvorstellungen und Rechtsnormen einzutauschen, die mit den Errungenschaften der Europäischen Aufklärung und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in erheblichem Umfang nicht vereinbar sind.

Freiheit ist ein Ideal, das sich aus Vernunft selbst trägt ohne Menschen einzuschüchtern oder zu bevormunden, und das den Machtverlust nicht fürchten muss[*] weil es nach Macht nicht strebt.

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[*] Hass sowie die Angst vor Machtverlust stehen der Freiheit entgegen; wer darin gefangen ist, ist nicht frei.

Bildnachweise:
wikimedia.org

bevormundet

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Ausformulierung

26 November 2015 by

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Ähnlichkeiten mit anderen Religionen oder Ideologien
sind kein Zufall

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Islam ist die Ausformulierung der Grundlagen für ein totalitäres System bis in kleinste Details.
Das Ergebnis zeigt sich überall dort, wo islamische Gesetze gelten / wo Islam Staatsreligion ist.

Diese islamischen Gesetze zielen nicht auf das Gewähren sowie die Gewährleistung individueller Rechte und Freiheiten, nicht auf das Einräumen von — auch geistigen — Freiräumen, sondern auf das Vorgeben und Vorschreiben von zur Norm erhobenen Denk- und Verhaltensweisen und Pflichten, auf die möglichst weitgehende Einengung und Begrenzung von persönlichen Freiräumen.
Daran scheitert die islamische Welt seit vielen Jahrhunderten.

Die Frustration über das Unvermögen, sich von dieser totalitären Ideologie zu befreien — was für Muslime schwierig ist, weil auf Apostasie im Islam die Todesstrafe steht (die manchmal als „Ehrenmord“ daherkommt und vollstreckt wird, also einem Racheakt [wegen „unislamischer Lebensweise“] gleichkommt) — kann ich nachvollziehen, ihre Folgen in Fällen von Gewalttaten aber weder gutheißen noch für gerechtfertigt erachten.

Eine eindeutige Aussage und ein Bekenntnis dazu, dass die weltlichen, von Menschen für Menschen gemachten Gesetze[*] der Staaten Europas und anderer Länder über jedem „göttlichen“ Gesetz, über dem Koran oder über sonstigen „heiligen“ Büchern sowie über den Worten des / der Propheten stehen, vermisse ich von mancher Seite.

Alles Distanzieren von Gewalt und Terror hinterlässt bei mir den Eindruck bloßer Lippenbekenntnisse. Denn womit ich nichts zu tun habe, worin ich in keiner Weise involviert war oder bin, was nicht meiner Weltanschauung entspricht und mit dieser nicht in Verbindung oder in Einklang gebracht werden kann, davon brauche ich mich nicht zu distanzieren.

Stattdessen kann man sich dafür einsetzen, dass am Islam genauso wie an jeder anderen Religion und Ideologie alles kritisiert und hinterfragt werden darf — ALLES.

allahu-asghar-akbar-3-230
Kritisieren und hinterfragen allerdings ohne in Hass zu verfallen oder sich in einen solchen hineinzusteigern, der die Wahrnehmung und das Urteilsvermögen beeinträchtigen und infolge dessen man leicht zu Fehlschlüssen und Fehlurteilen gelangen kann.

Hinterfragen und kritisieren muss nicht bedeuten, alles vollständig infrage zu stellen im Sinne von ‚für überholt zu erklären‘ oder ‚abschaffen zu wollen‘. Es steht aber für eine sachlich-inhaltliche Auseinandersetzung und für ein Vergleichen — an deren Ende man sehen wird, was die Menschen überzeugt ohne dass sie eingeschüchtert oder zu einer bestimmten Haltung erpresst werden, und was standhält.

Dort, wo ein Hinterfragen und Kritisieren tabu ist, möchte man etwas verbergen …
Das kann Misstrauen hervorrufen oder als ein Zeichen von Unduldsamkeit (Intoleranz) und Schwäche gedeutet werden.

Der freiheitliche, demokratische Rechtsstaat hingegen bezieht seine Stärke u.a. daraus, dass er dulden kann, wozu jede Diktatur zu schwach ist — Kontroversen. Aber auch aus dem sich selbst tragenden allgemeinen und gleichen Recht, das sich nicht auf das Unrecht einer Minderheit, aber auch nicht auf das mögliche nicht-allgemeine und nicht-gleiche oder auf ein die Minderheitenrechte missachtendes Recht (= Unrecht) der Mehrheit stützt.

Die europäischen Werte, das sind vermutlich nicht nur für mich, sondern für die absolute Mehrheit der Menschen in Europa die Werte des in der Renaissance aufgekommenen Humanismus und die der Europäischen Aufklärung sowie die daraus entstandenen Rechtsgrundsätze, die ihren Niederschlag u.a. im Grundrechtskatalog des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland (GG) gefunden haben.

Diese brauchen wir Europäer nach wie vor — auch wenn sie für uns inzwischen so selbstverständlich geworden zu sein scheinen, dass sich manch einer ihrer im Alltag kaum mehr bewusst ist, sie nicht täglich abgleicht mit dem, was in manchen anderen Ländern und Kulturkreisen an der Tagesordnung ist.

«Das Recht schützt die Religionsfreiheit,
die Religion muss das sie schützende Recht achten.»

Dieser Satz gilt für andere Rechte und Freiheiten in gleichem Maße.

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[*] Welche Rechte und Freiheiten gewährt und gewährleistet Islam – oder auch andere Religionen -, und welche Rechte und Freiheiten gewährt und gewährleistet im Vergleich dazu unsere Verfassung, das Grundgesetz ?
Inwieweit sehen Islam, aber auch andere Religionen, eine Gewaltenteilung vor, wie wir sie im modernen Verfassungsstaat kennen und mittels derer die Macht einzelner Personen und Institutionen eingeschränkt und deren möglicher Willkür Grenzen gesetzt werden ?

» Ergänzend [1]:
Deutschland muss religiöse Zumutungen ertragen.
Das gilt auch für Kränkungsfetischisten.

Von Horst Dreier (Staatsrechtler) in der SZ vom 27. November 2015

P.S.: Der Untertitel des Gastbeitrags von Horst Dreier in der SZ wurde gegenüber der Erstversion inzwischen abgeändert in „Zur Demokratie gehören Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit – inklusive Religionskritik. Das sollte so bleiben.

» Ergänzend [2]:
Terrorismus hat sehr wohl mit Religion zu tun
Von Alexander Grau im Cicero am 12. Dezember 2015

[…] Was in Europa und insbesondere hierzulande unter Religion verstanden wird, das ist Religion nach der Aufklärung, das ist die von außen gezähmte und zivilisierte Religion der Moderne, gebändigt und rationalisiert durch naturwissenschaftliche, historische und psychologische Religionskritik. Es ist eine Religion, die um ihre Relativität weiß, eine Religion, die verstanden hat (oder haben sollte), dass ihre zentralen Begriffe und Rituale Symbole sind, mit deren Hilfe Menschen Sinn konstruieren. […]

Ausformulierung_296

Eckhardt Kiwitt
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Assoziationen

14 November 2015 by

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Wenn man sich die – von dort lebenden Menschen jeweils so eingerichteten – Gegebenheiten in Ländern und Gesellschaften oder sonstigen Sozialgefügen heute vergewärtigt, in denen Islam Staatsreligion ist bzw. in denen islamische Gesetze gelten oder die vom Islam geprägt sind oder dominiert werden, so können einem – jenseits teils beschönigender, teils herabsetzender Beschreibungen – Assoziationen und Empfindungen in den Sinn kommen:

Befreiend — Bedrückend
Tolerant — Intolerant
Humorvoll — Humorlos
Behaglich — Unbehaglich
Zuversicht vermittelnd — Furchteinflößend
Friedfertig — Aggresiv
Lebensbejahend — Mörderisch
Konstruktiv — Destruktiv
Sozial — Unsozial
Philanthropisch — Misanthropisch
Menschenfreundlich — Menschenfeindlich
Friedfertigkeit unterstützend — Gewalttätigkeit fördernd
Pazifistisch — Bellizistisch
Aufrichtigkeit ausstrahlend — Misstrauen hervorrufend
Gelassen / Ausgeglichen — Neurotisch / Zwangsneurotisch

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Für eine eventuell gewünschte Änderung des Ansehens in der übrigen Welt sind in erster Linie die Menschen in ihren Ländern selbst verantwortlich. Eine solche Änderung herbeizuführen kann ein generationenlanger Prozess sein. Dieser erfordert ein Hinterfragen und Bewerten der Wirkungen von islamischen Gesetzen sowie von Islam als Staatsreligion auf Staat und Gesellschaft sowie auf den einzelnen Menschen. Dort, wo auf Apostasie die Todesstrafe steht, ist dies kein leichtes Unterfangen.

–» Zum Thema: Gastkommentar von Jasmin El Sonbati in der NZZ vom 19.11.2015

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Aus aktuellem Anlass:

Wer sich [insbesondere als Politiker] von solchen Ereignissen [Paris, 13. November 2015] irre machen und aus der Fassung bringen lässt, der gibt den Attentätern recht.
Ein Rückfall in kleinstaaterische Nationalismen und geschlossene Staatsgrenzen stärkt Europa nicht, sondern schwächt es, weil dann innerhalb Europas jeder gegen jeden … oder jeder für sich allein.
Sagen wir’s den Attentätern doch:
Ein Gott, der seine Macht auf Gewalt und Terror stützt, der ist nicht größer, also nicht «Allahu ‚akbar», sondern kleiner — «Allahu asghar».

Eckhardt Kiwitt, Freising — Leserkommentar

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Assoziationen_01

Eckhardt Kiwitt
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Trefflich

31 Juli 2015 by

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Trefflicher Buchtitel & Argumentation

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Die Heuchler, das sind in dieser Beschreibung von Stéphane Charbonnier* Leute, die einerseits eine totalitäre Ideologie und ein despotisches System verklären — und es mit Menschen gleichsetzen, die in diesem System leben (also die Gleichung „Ideologie = Menschen“ aufsetzen). Und Leute andererseits, die sich selbst paternalistisch — und damit den eigenen Rassismus nicht erkennend oder ihn unbeholfen und selbstbetrügerisch ausblendend — über jene Menschen erheben, sich teils zu Vormündern derer machen, die im Islam leben.

Die Rassisten, denen sie damit in die Hände spielen, sind demnach diejenigen, die eine „Kritik“ am Islam lediglich vorschieben oder gar vortäuschen, um ihre ablehnende Haltung und abwertende Meinung gegenüber anderen Menschen zum Ausdruck zu bringen — die Kritik am Islam also lediglich instrumentalisieren, um gegen andere Menschen z.B. wegen deren Religionszugehörigkeit, deren Weltanschauung oder wegen deren Herkunft hetzen zu können.
Ohne Hetze gegen andere Menschen kommt die Islam-„Kritik“ dieser Rassisten nicht aus.

Die Heuchler und die Rassisten ergänzen sich insofern auf ganz wundersame Weise.

Liebe Heuchler und Rassisten:

Die Wahrheit mag da draußen sein,
aber die Lügen sind in deinem Kopf.

The truth may be out there,
but the lies are inside your head.

(Terry Pratchett)

Danke an Stéphane Charbonnier und an den Übersetzer Werner Damson für dieses gedanklich, argumentativ und sprachlich sehr klare Buch !

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Vgl.
Der Islam braucht eine kritikfähige Renaissance
von Abdel-Hakim Ourghi

sowie
«Mohammed war ein Massenmörder und ein kranker Tyrann»
Ein Interview mit Hamed Abdel-Samad

aber auch
Phantasieren über Muhammad

* Stéphane Charbonnier – CHARB:
Brief an die Heuchler – und wie sie den Rassisten in die Hände spielen
Verlag Tropen (www.tropen.de)
:
Stéphane Charbonnier war Herausgeber und Zeichner der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo.

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Islam beleidigt

13 Juni 2015 by

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— Vom Beleidigt-werden und sich beleidigt fühlen —

Shahadah_Badawii
Beleidigt zu werden empfindet vermutlich niemand als angenehm. Man fühlt sich herabgesetzt, gekränkt, missachtet, … wer mag das schon. Es rührt an die Persönlichkeit, ans Selbstwertgefühl, das zu beachten man von seinen Mitmenschen in der gleichen Weise erwartet, wie man es bei diesen beachtet.
Sich beleidigt zu fühlen ist eine subjektive Empfindung, die möglicherweise uns Menschen vorbehalten ist. Denkbar ist immerhin, dass auch einige höhere Tiere dieses Gefühl kennen.

Bei leblosen Gegenständen schließen wir es aus, dass diese sich beleidigt fühlen könnten, ebenso bei Immateriellem wie Gedankengebäuden, Ideen, Abstraktionen, Ideologien, …
So ist denn die Beleidigung zumindest in Deutschland zwar eine Straftat, jedoch handelt es sich um ein sogenanntes Antragsdelikt (der Beleidigte muss also Anzeige erstatten), wovon nur in wenigen, gesetzlich formulierten Ausnahmefällen abgewichen werden kann.

Nicht zu verwechseln ist die Beleidigung mit der „Beschimpfung“[*], z.B. der Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen, was in Deutschland gemäß § 166 StGB zwar strafbewehrt, aber in der öffentlichen Debatte umstritten ist. Beschimpfen kann man alles und jeden; das Wissen um die Beschimpfung sowie eine Reaktion darauf ist seitens des Gegenstandes der Beschimpfung – anders als im Fall der Beleidigung – nicht erforderlich. Eine Beschimpfung kann im einfachsten Fall vielleicht eine bloße Unmutsbekundung sein.

In anderen Kulturkreisen werden derlei Sachverhalte — zumindest offiziell — teils ganz anders gesehen und bewertet (mglw. wird zwischen „Beschimpfung“ und „Beleidigung“ dort nicht unterschieden). So erscheint es zum Beispiel möglich, ein bloßes Ideengebäude zu beleidigen, ohne dass das Ideengebäude imstande wäre, dies zu empfinden. Vermutlich ist es für den Straftatbestand der Beleidigung des Ideengebäudes dort hinreichend, wenn z.B. ein offizieller Vertreter des Staates, der sich mit dem Ideengebäude identifiziert oder darin den Grundpfeiler staatlicher und vielleicht auch individueller Macht sieht, durch Kritik an dem Ideengebäude provoziert fühlt und der Kritik nichts Adäquates entgegenzusetzen vermag, außerstande ist, sich sachlich und argumentativ mit ihr auseinanderzusetzen — sich selbst oder „den Staat“ durch die Kritik aber womöglich existenziell gefährdet sieht.

Raif-Badawi_cut[…] dass Liberalismus grundsätzlich gegen alle Religionen sei, vor allem gegen den Islam. Man sprach über den Liberalismus, als sei er seinerseits eine Religion. Und genau hier liegt das Problem des oberflächlichen Verständnisses von Liberalismus im kollektiven Gedächtnis unserer Gesellschaft, die in einer Kultur des einspurigen Denkens erzogen wurde und lebt. […] Ein französischer Schriftsteller beschrieb das Konzept des Liberalismus einmal folgendermaßen:

«Trotz seiner vielfältigen Bedeutungen, und trotz späterer Entwicklungen, die unsere Wahrnehmung von ihm nachhaltig beeinflusst haben mögen, lässt sich der Liberalismus auf folgende Schlüsselidee herunterbrechen: Die Menschheit hat das Erwachsenenalter erreicht und kann sich nun allein um ihre Angelegenheiten kümmern, ohne fremde Vormundschaft. Ein politisches System mit einem liberalen Ansatz steht der Fähigkeit des Menschen, Fortschritt durch Dialog und Korrigieren seiner Fehler zu erlangen, optimistisch gegenüber. …»

[…] Der heilige Koran ist ein großartiges Buch für die reine Anbetung des Herrn. Also sind menschengemachte Gesetze gesellschaftlich unentbehrlich. …

[…] Die größten Polemiker gegen den Liberalismus sind Islamisten und eine Handvoll westlicher Rechtsextremisten und europäische Reaktionäre …
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Raif Badawi: «1000 Peitschenhiebe — weil ich sage, was ich denke»; Kapitel „Ist Liberalismus eine Religion?“, Seite 33

Derlei Worte — z.B. der Ruf nach Freiheits- und Menschenrechten, nach Rechtsstaatlichkeit — können reichen, um ein Ideengebäude, z.B. eine Religion, zu „beleidigen“, von der teils gebetsmühlenartig behauptet wird, sie sei eine „friedliche und tolerante“ Religion (freilich ohne darzulegen, worin die Friedfertigkeit und Toleranz zum Ausdruck kommt).

Mit „Beleidigung“ ist in diesem Fall vermutlich gemeint, dass der totale Machtanspruch, für den diese Religion die ideologische Grundlage liefert, infrage gestellt wird.
Über (den) Islam und dessen innere Verfasstheit sowie über seine Stärke legt es ein beredtes Zeugnis ab.

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[*] Im schweizerischen Strafgesetzbuch wird die Beleidigung zwar als „Beschimpfung“ bezeichnet, es handelt sich rechtlich jedoch um das, was in Deutschland, und auch in Österreich, die „Beleidigung“ ist.
Beleidigung ist nicht nur mittels Beschimpfung (z.B. Verwendung von „Kraftausdrücken“) möglich, sondern z.B. auch mittels Lob. Dieses braucht nur in einem spöttischen Tonfall oder in einem von Spott begleiteten Kontext vorgetragen zu werden. Im Wikipedia-Artikel zur Beleidigung (beim Stichwort „Tatbestand“) heißt es:
«Zu beachten ist dabei, dass nicht nur die Verwendung bekannter Fäkalbegriffe eine Beleidigung darstellen kann, sondern prinzipiell jede Äußerung, die geeignet ist, die Ehre eines Menschen zu verletzen.»
Lob ist nach meinem Verständnis das Gegenteil von Beschimpfung, kann aber – siehe „Spott“ – dennoch sehr beleidigend sein.

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islam-beleidigt

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Herausforderung

8 Januar 2015 by

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Intro

Zwei Aspekte von „Herausforderung“

1.:
Eine Religion oder sonstige Ideologie, die ihre Macht daraus schöpft, Menschen so zu prägen, dass sie sich mit einem übermächtigen „Vorbild“ völlig oder weitgehend identifizieren, dass sie also keine oder nur eine schwache eigenständige Persönlichkeit entwickeln, Menschen mithin so zu formen, dass sie den Herausforderungen durch Kritik, insbesondere Kritik am übermächtigen „Vorbild“, kaum oder gar nicht gewachsen sind, diese gar als existenzielle Bedrohung empfinden — eine solche Religion / Ideologie ist keine gute Grundlage für ein die Würde der Menschen achtendes Gemeinwesen.

Kaaba-stone+CaF

Siehe Mohammed in Bildern sowie Image Problem

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2.:
Das Bekenntnis zum freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaat beinhaltet immer auch das Bekenntnis zu dem Recht, Karikaturen zeichnen und veröffentlichen zu dürfen.

Dieses Recht in Abrede stellen zu wollen darf als Herausforderung (Provokation) empfunden werden.

.

P.S.:
Eine Religion kann man nicht beleidigen, und der Islam-Begründer ist schon lange tot; den kann man also ebenfalls nicht beleidigen.

Eine Religion / Ideologie, die Angst und Schrecken verbreitet, verdient keinen Respekt, sondern Verachtung.

Betrachte die Gegebenheiten in Gesellschaften, in denen islamische Gesetze gelten, Länder, in denen Islam Staatsreligion ist — wofür man Menschen, die aus diesem ideologischen Gefängnis nicht auszubrechen vermögen, nicht in Sippenhaftung nehmen kann und darf; (siehe oben).

Aufrichtigkeit im Umgang auch mit den unangenehmen Aspekten des Islams (des Islams !) ist womöglich hilfreicher als ein ums andere Mal die These vom friedlichen und toleranten Islam herunterzubeten oder zu behaupten, dass «der Islam jede Gewalt anprangert».

Die unangenehmen Aspekte des Islams gilt es zu überwinden. Dies kann am ehesten gelingen, wenn man sie klar benennt und beschreibt statt sie totzuschweigen oder zu leugnen.

Mir geht es dabei nicht um Kulturkampf. Sehr wohl aber um das, was uns als Ergebnis der Europäischen Aufklärung erhaltenswert sein sollte.
Das wurde von den Menschen einst gegen die Macht „der Religionen“ bzw. ihrer Stellvertreter errungen.

Gesellschaften und Staaten mögen ihre Werte und Gesetze hochhalten, das ist legitim.
Anderen diese Gesetze und Werte aufzwingen zu wollen, und sei es mittels Terror, ist es nicht.

Die Grenzen des Rechts auf freie Meinungsäußerung mit Waffengewalt zu ziehen ist in freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaaten keine allgemein anerkannte Methode.

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Der kleine Erpressungsversuch *

7 September 2014 by

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Man hört es noch manchmal, dieses Satzpaar:

Wenn jemand einen Menschen tötet, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.

Das klingt moralisch sehr anspruchsvoll, und diejenigen, die diese Sätze zitieren, wissen zu sagen, dass es so im Koran geschrieben steht.
In diesem Buch gibt es das Kapitel „Der Tisch“ (Al-Ma’idah), ein allgemeiner Begriff, den man nicht leicht in irgendeinen Zusammenhang mit o.a. Zitat bringt.

Mohammed führt Hamza und die Muslime gegen Banu Qaynuqa’.

Mohammed führt Hamza und die Muslime gegen Banu Qaynuqa’.

Die ersten Absätze des Kapitels lesen sich wie ein Sammelsurium aus Verhaltensregeln zum alltäglichen Leben:
Reinheitsgebote, Essensvorschriften, Umgangsformen, Freiheitsrechte wie «Alle guten Dinge sind euch erlaubt» (Vers 4) und dergleichen mehr; aber auch einem kleinen Erpressungsversuch*, der zur Geldzahlung – zwecks Sündenvergebung und Paradiesversprechen – auffordert (Vers 12), was manch einem vielleicht gar zu plump erscheint, um sich darauf einzulassen, und dann dagegen rebelliert.

Insgesamt erwecken die Sätze den Eindruck einer letzten Rede oder Abschiedsrede an einen kleinen Kreis an einem Tisch sitzender enger Freunde oder Gefolgsleute von jemandem, der ahnt, dass es mit ihm zu Ende geht. Gegen Ende des Kapitels (Vers 112 ff) ist von diesem Möbelstück in einem anderen Zusammenhang die Rede.

Einige der Sätze könnten aus dem Alten Testament stammen [1], nehmen sie doch Bezug zu den „Kindern Israels“. So auch besagter Satz, der gern zitiert wird, um einen hohen moralischen Anspruch des Korans bzw. des Islams zu etablieren.

Tatsächlich beginnt o.a. Satz mit den Worten „Deshalb haben wir den Kindern Israels verordnet, dass …“, was beim Zitieren allerdings gern weggelassen wird. Denn diese Eingangsworte belegen, an wen [2] die Ermahnung gerichtet ist — und an wen nicht, wofür man heute lebende Menschen egal welcher Herkunft oder welcher Weltanschauung nicht verantwortlich machen kann, da sie den Text nicht verfasst haben.

Pikant liest sich der unmittelbar darauf folgende Vers, durch den das vorangegangene Gebot – allerdings nur scheinbar – aufgehoben wird, ist dort doch von Töten, von Kreuzigen sowie vom Abschlagen der Hände und Füße und von Vertreibung die Rede.

Danach geht es weiter mit dem oben bereits erwähnten, stellenweise in antijüdische Hetze ausartenden Sammelsurium, welches den Eindruck erwecken kann, den schon Voltaire bei der Lektüre des Korans hatte und in die Worte fasste, dass es sich um ein Buch handle, das „bei jeder Seite den gesunden Menschenverstand erbeben lässt“.

Abschließend die beiden vollständigen Verse aus dem Koran, Sure 5, die im Zusammenhang mit dem Erpessungsversuch aus Vers 12 (siehe oben) sowie einigen historischen Hintergründen in einem ganz anderen Licht erscheinen:

Deshalb haben Wir den Kindern Israels verordnet, daß, wenn jemand einen Menschen tötet, ohne daß dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne daß ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. Und Unsere Gesandten kamen mit deutlichen Zeichen zu ihnen; dennoch, selbst danach begingen viele von ihnen Ausschreitungen im Land. [5:32]

Der Lohn derer, die gegen Allah und Seinen Gesandten Krieg führen und Verderben im Lande zu erregen trachten, soll sein, daß sie getötet oder gekreuzigt werden oder daß ihnen Hände und Füße wechselweise abgeschlagen werden oder daß sie aus dem Lande vertrieben werden. Das wird für sie eine Schmach in dieser Welt sein, und im Jenseits wird ihnen eine schwere Strafe zuteil. [5:33]

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[1] Quellenangabe: http://www.regina-berlinghof.de/faz77-Koran+Mischna.htm

In der mündlich überlieferten Bibelauslegung, die im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in der „Mischna“ schriftlich niedergelegt wurde, findet sich im Kapitel Sanhedrin folgende Stelle:

„Denn jeder, der eine Seele Israels tötet, der gelte nach der Schrift wie einer, der eine ganze Welt getötet hat. Und jeder, der das Leben einer Seele Israels rettet, der gelte nach der Schrift wie einer, der eine ganze Welt gerettet hat.“

Mit dem Gewicht dieser Sätze sollten Zeugen im Strafprozeß eindringlich zur Wahrheit angehalten werden.

[2] Artikel zum Verständnis historischer Zusammenhänge, die im Koran nicht aufgezeigt werden.

* Die große Erpressung im Islam ist die Androhung der Todesstrafe bei Apostasie — siehe Das Islam-Prinzip, Kapitel 3, 6. Todesstrafe bei Abfall vom Glauben (bei Apostasie), sowie das Stichwort „Ehrenmord“ in Marginalien & Zitate

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Kein Zwang im Glauben ?

5 September 2014 by

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„Es gibt keinen Zwang im Glauben“ ist ein gern zitierter Satz, um die vermeintliche Toleranz des Islams in Glaubensfragen darzustellen oder zu untermauern. Auf eine genaue Quellenangabe wird dabei oft verzichtet, und auch der Zusammenhang des Satzes wird meist nicht näher erläutert.
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In einer anderen Übersetzung lautet dieser Satz „Es soll kein Zwang sein im Glauben“ (Ahmadiyya, PDF-Seite 47, dort Vers 257).
„Es soll nicht“ bedeutet allerdings längst nicht „es darf nicht“ oder „es gibt nicht“.

Obendrein wird beim gedanklichen wie auch beim lautlichen Sprechen des Satzes die Betonung intuitiv eher auf die Wörter «kein Zwang» gelegt:
„Es gibt keinen Zwang im Glauben“.

Wenn man jedoch die Betonung auf das Wort «im» legt, assoziiert man mit dem Satz evtl. etwas ganz anderes:
„Es gibt keinen Zwang im Glauben“.
Außerhalb des Glaubens aber womöglich durchaus.

Sofern man in diesem Glauben, in dieser Religion lebt, damit aufgewachsen ist und nie Vergleiche angestellt hat, oder sich freiwillig dort hineinbegeben hat, dann empfindet man manches vermutlich gar nicht als Zwang — was von einem Außenstehenden jedoch ganz anders, vielleicht sogar gegenteilig wahrgenommen oder empfunden wird.

In der Wikipedia gibt es zu diesem Koran-Vers (Sure 2:256) einen ausführlichen Artikel, in dem mehrere Beispiele aufgeführt sind, wie dieser Satz im historischen Kontext zu verstehen sei.

Den Zwang außerhalb bzw. jenseits des Glaubens kennen z.B. Apostaten des Islams – denn auf Apostasie (Abfall vom Glauben, arab. Ridda) steht nach islamischem Recht auch heutzutage die Todesstrafe, wie sie in mehreren Ländern, in denen Islam Staatsreligion ist bzw. in denen islamische Gesetze gelten, an Glaubensabtrünnigen vollstreckt wird.

Die Absicht, mit diesem einen Satz aus Sure 2 Vers 256 des Korans eine Toleranz des Islams allgemein oder in Glaubensfragen herzuleiten oder zu belegen, gerät angesichts der drohenden Todesstrafe für Apostaten gemäß islamischem Recht zu blankem Hohn.

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Der Grund

27 August 2014 by

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Start-Zitate_01

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Jeder soll glauben, wozu er lustig ist.

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Sobald Menschen anfangen,
ihre außerhalb rationaler Erkenntnis befindlichen Glaubenssätze
absolut zu setzen und auch noch mit Strafnormen zu versehen,
wird es gefährlich.

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Ungeklärtes Verhältnis zur Gewalt ?

2 August 2014 by

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Bisweilen wird gesagt, der Islam habe ein „ungeklärtes Verhältnis zur Gewalt“.

Nun ist es allerdings so, dass in sehr vielen Koranversen zu Gewalttätigkeiten aufgerufen wird – und zwar nicht narrativ (erzählend), sondern imperativ (unmissverständlich fordernd) -, und dass sowohl die grundlegende Schrift aller Islame, der Koran, wie auch islamische Gesetze – auch in der Tradition des Islam-Begründers Mohammed – diese Gewalt legitimieren.

Gewalt und Gewalttätigkeiten sind manifestierende und bestimmende, integrale Bestandteile des Islams.

Damit ist das Verhältnis des Islams zur Gewalt geklärt:
Islam ohne Gewalt wäre – ganz bildlich – wie ein Luftballon ohne Luft.

Allenfalls stellt sich die Frage, ob es gerechtfertigt sein kann, jene Koranverse und islamischen Gesetze, in denen zu Gewalttätigkeiten aufgerufen bzw. Gewalttätigkeit gefordert oder Gewalt legitimiert wird, heutzutage für unislamisch zu erklären.

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Ungeklärtes-Verhältnis-zur-Gewalt_01

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