Das Verhängnisvolle eines „letzten Propheten“

25 Mai 2017 by

Vom Stillstand
gesellschaftlicher und rechtlicher
Entwicklung

Religionen sind nicht nur Glaubensgerüste für Metaphysisches oder Esoterisches, sie haben immer auch eine gesellschaftliche Funktion. Sie können das Zusammengehörigkeitsgefühl in sozialen Verbänden von der Familie über die Dorfgemeinschaft bis hin zum Staat stärken, sie setzen Regeln für das Zusammenleben — setzen also Recht — engen dabei jedoch die Freiheiten des einzelnen ein.

In einem freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat gibt es ebenfalls Gesetze, die Regeln für das Zusammenleben setzen. Dort werden jedoch auch Freiheitsrechte für jeden gewährleistet (garantiert), die Religionen nichtmal gewähren — von gewährleisten ganz zu schweigen.

In frühen Gesellschaften, die nicht über Organisationsstrukturen verfügten wie wir sie heute kennen, traten bisweilen einzelne Leute auf, die sich als Propheten ausgaben und damit eine gewisse Autorität entweder beanspruchten oder zuerkannt bekamen.

Vereinzelt gibt es dies zwar auch heutzutage noch, doch werden solche „Propheten“ nun meist schnell als Scharlatane entlarvt (siehe die Sekten-Checkliste) denen es vordringlich oder ausschließlich um persönliche Macht und um Geld geht; sie verschwinden in der Bedeutungslosigkeit, und ihre Anhängerschar verliert sich nach wenigen Jahren oder Jahrzehnten, löst sich auf.

Die Propheten konnten in frühen Gesellschaften z.B. Moral predigen, aus der sich gesellschaftliche Normen und Gesetze entwickelten, die auch nach Jahrhunderten oder Jahrtausenden noch Gültigkeit haben oder als Vorlage für spätere Gesetze dienten. Das „Auge für Auge“ (welches häufig leider als „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ fehlinterpretiert wird) ist ein bekanntes Beispiel hierfür, wendet es sich doch gegen die Todesstrafe und gegen Rache.

Allerdings entwickeln und verändern sich Gesellschaften, die wissenschaftlichen Erkenntnisse und technischen Geräte und sonstigen Grundlagen für das Zusammenleben von Menschen, entwickelt und verändert sich das Recht.

War es bis vor wenigen Jahrhunderten in Europa noch möglich, jemanden aufgrund bloßer Diffamierung — aufgrund konstruierter „Beweise“ — als „Hexe“ anzuklagen, zu verurteilen und auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen, so ist dies heute ausgeschlossen.

Ist es heute in manchen Ländern noch möglich, dass jemandem aufgrund eines „religiösen“ Gesetzes die Hand abgeschnitten wird (Koran Sure 5 Vers 38), dass Ehebrecher ausgepeitscht werden (Sure 24 Vers 2), oder dass Frauen gegenüber Männern nur eingschränkte bzw. verminderte Rechte haben (Sure 2 Vers 282, Sure 4 Vers 11, Sure 4 Vers 34) und dass Religionsfreiheit dort unter Androhung der Todesstrafe nicht gewährt wird, so hat sich dies andernorts — bisweilen nur sehr zögerlich — geändert.

__ * __

Vor ca. 1400 Jahren trat auf der Arabischen Halbinsel ein Mann auf, von dem behauptet wird, er sei „der letzte Prophet“, das „Siegel der Propheten“ und „der Gesandte Allahs“ gewesen.
Diesem wird nicht nur eine Macht zuerkannt die von anderen Menschen nicht übertroffen werden kann, ihm wird auch eine Rechtsetzungs- und Deutungshoheit zugebilligt, die endgültig sein soll.

Damit wäre jedoch jeglicher Weiterentwicklung ein unüberwindliches Hindernis in den Weg gestellt, an dem Gesellschaften und Staaten scheitern müssen. Denn die Welt um sie herum, die diesen „letzten Propheten“ nicht akzeptiert, entwickelt sich weiter, zieht weiter, beteiligt sich nicht am Stillstand.

Verlierer sind — entgegen dem, was der Koran den Gläubigen z.B. in Sure 23 Vers 1 und Vers 117, in Sure 28 Vers 67 und einigen weiteren an Erfolg verheißt (oder vorgaukelt) — jene, die an dem Glauben an ihren „letzten Propheten“ und „Gesandten Allahs“ unerbittlich festhalten, seine Macht, seine Rechtsetzungs- und seine Deutungshoheit nicht infrage zu stellen wagen. Sie tragen unfreiwillig dazu bei, dass jener Mann von der Arabischen Halbinsel vielleicht tatsächlich der „letzte Prophet“ gewesen sein wird, dass er als Scharlatan anerkannt und sein despotisches, rechtsreaktionäres System überwunden und durch einen freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat ersetzt wird, in dem nicht ein einzelner über das Schicksal ganzer Völker entscheidet, sondern in dem die Menschen ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen und Aufgaben aus Vernunft delegieren statt sich bevormunden oder entrechten zu lassen.

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Bild oben: Endlosschleife

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Frust, Selbsthass, Terrorismus

8 April 2017 by

Terror als Ausdruck von Hilflosigkeit

In den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren sind wir Zeugen geworden von Gewalttaten, die wir als Terrorismus bezeichnen. Als Urheber dieser Gewalttaten mussten wir häufig, wenngleich nicht immer, Menschen ausmachen, die in einem bestimmten Kreis verwurzelt scheinen, dort ihre Identität und ihre kulturelle Heimat sehen.

Es ist eine kulturelle Heimat, deren Fundament seit langer Zeit, seit Jahrhunderten, in jeder Hinsicht — in Bereichen der Künste, der Wissenschaften, der Religion, der Sozialgefüge bis in Familien hinein, und der Politik — in sich erstarrt ist und die Menschen in einem Korsett aus (religiösen oder religiös inspirierten) Dogmen gefangen hält.

Mit der inneren Erstarrung ist diese Welt, ist diese kulturelle Heimat jener Menschen gegenüber Teilen der Außenwelt so weit ins Hintertreffen geraten, dass der Rückstand aus innerer Kraft und inneren Möglichkeiten kaum aufholbar scheint.

Die Menschen in diesem Kreis mögen die eigene kulturelle Rückständigkeit und das Gefangensein in ihrer „Heimat“ spüren, vermögen jedoch nicht in jedem Fall, sich und anderen dies einzugestehen. Aus Scham, aus einem verletzbaren Selbstwertgefühl, aus einem schon ab der frühen Kindheit erlebten perfiden sozialen Druck, die eigene Identität um jeden Preis zu wahren und sich jeder Veränderung zu widersetzen — selbst dann, wenn sie als notwendig erkannt wurde …
Hinzukommen mag ein Überlegenheitsgefühl gegenüber der Außenwelt, das sich auf Glaube, auf Imaginäres stützt, aus dem eine Hoffnung erwächst, die jedoch unerfüllt bleibt.

Der Frust, der daraus resultiert, sich aus diesem Korsett, aus dieser Gefangenschaft nicht befreien zu können, mündet bei manchen in Resignation. Bei anderen entlädt er sich in Gewalttaten, die sich vermeintlich gegen andere Menschen richten, tatsächlich aber Ausbruchsversuche aus einem Gefängnis sind, das zerstört werden soll und bei denen der eigene Tod bereitwillig inkauf genommen wird.

Es sind nicht unübliche Ausbruchsversuche, die sich da in einer Gewalt entladen, die sich gegen andere und insbesondere gegen die Urheber der Gewalt selbst richtet: Lieber gemeinsam untergehen als weiter in diesem kulturellen Gefängnis leben. Lieber einen Sündenbock mitbestrafen, als sich eigenes Scheitern einzugestehen.

Ist diese Gewaltanwendung obendrein religiös legitimiert, fällt es manch einem umso leichter, zu diesem Mittel zu greifen.

Wer z.B. fest davon überzeugt ist, im Kampf für seine Religion, für seinen Gott, töten zu müssen und getötet zu werden weil ihm dann ein imaginärer Ort im Jenseits — ein Trugbild — versprochen ist, wird in der Verblendung umso leichter zu diesem Mittel greifen. Dass er andere damit nicht überzeugen kann, schon gar nicht von seiner vermeintlichen Überlegenheit oder der Überlegenheit seiner Religion, realisiert er vielleicht nicht. Oder er reagiert — als Nachahmungstäter — mit Trotz.

Dass sich andere von der Gewalttat nicht beeindrucken lassen, kann bei Menschen aus dem selben Kreis dazu führen, dass sie sich in einen Hass auf die Außenwelt sowie in das eigene Überlegenheitsgefühl umso tiefer hineinsteigern.

Dass es für das eigene Weiterexistieren an jenem imaginären Ort im Jenseits keine Beweise gibt, ist unerheblich.
Es geht darum, einen Schlusspunkt zu setzen.

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Ich möchte mit diesem Text den Terror und seine Urheber nicht legitimieren oder verharmlosen, sondern eine Lösungsmöglichkeit aufzeigen. Einerseits Menschen zu Selbstreflexion veranlassen, um das Korsett, die Gefangenschaft und den daraus resultierenden Frust zu überwinden, andererseits davon abzusehen, Menschen allein wegen ihrer Herkunft oder Sozialisation zu Sündenböcken abzustempeln.

+ + +

Begleitend zu diesem Beitrag:
Den Tod genießen
— Warum ziehen junge Muslime in den Dschihad? —
Ein Gespräch mit dem Psychoanalytiker Fethi Benslama über das Lieben, das Töten und den Islamismus als antipolitische Utopie.

Rilke, siebte Duineser Elegie:
„Jede dumpfe Umkehr der Welt hat solche Enterbte / denen das Frühere nicht und noch nicht das Nächste gehört“.

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Zur Vertiefung:
Samuel Schirmbeck
Der islamische Kreuzzug
und der ratlose Westen

— Warum wir
eine selbstbewusste
Islamkritik brauchen —

Orell Füssli, Zürich
ISBN 978-3-280-05636-3

_________________________//_________________________

Wertschätzung, Unschuldsvermutung und Gerücht

2 April 2017 by

Wenn man andere von etwas überzeugen will

oder

Wie Kritik in eine Art Hexenjagd münden kann …

~ ~ ~

Eigene Wertschätzung

Die Werte und Vorzüge eines freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaats jemandem näherzubringen gelingt wahrscheinlich am ehesten, indem man diese Werte vorlebt, sie erklärt und erläutert.

Diese Werte braucht man dabei weder infrage zu stellen noch herunterzuspielen oder gar zur Disposition zu stellen oder zu verleugnen, sondern man kann zu ihnen stehen und sie ggf. auch gegen Angriffe oder Unterminierungsversuche aus Überzeugung und mit Sachargumenten verteidigen.

Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen oder Menschen mit einer anderen als der eigenen Meinung oder Weltanschauung pauschal mit Vorurteilen zu überziehen, gegen sie zu hetzen, sie zu beschimpfen und zu beleidigen, dabei vielleicht sogar die Unschuldsvermutung außer acht zu lassen oder zu negieren, dürfte hingegen kaum eine geeignete und überzeugende Methode sein.
Denn von was will man andere damit überzeugen?

Wer z.B. meint, vom Fehlverhalten einzelner Menschen einer bestimmten Gruppe oder Herkunft auf alle Menschen der gleichen Gruppe oder Herkunft schließen zu können und ihnen ebenfalls Fehlverhalten unterstellen zu müssen, der lässt die Unschuldsvermutung außer acht.

Das Gerücht

Unschuldsvermutung und Gerücht: „Sie haben erzählt, dass …“

Mit Sätzen wie

Eine Duisburger Rede,
3. August 2015

[…] abends um 20 Uhr ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt wurde. Und nachdem wir ja täglich von solchen Meldungen schockiert werden, kann man sich fast vorstellen, wer der Täter war. Es wurde, vor wenigen Tagen wurde jetzt einer aus einem Asylantenheim verhaftet […], und das ist das, was wir täglich in Deutschland erleben.

werden Menschen gewissermaßen in Sippenhaftung genommen und für Taten verantwortlich gemacht, die sie nicht begangen haben. Derlei gab es in Deutschland zuletzt während der Herrschaft der Nationalsozialisten von 1933 bis 1945, und danach teils noch in der DDR bis 1989.

Jemanden für etwas verantwortlich zu machen das er nicht getan hat, ist Ungerechtigkeit, erzeugt Wut und womöglich Hass, der sich später vielleicht ein Ventil sucht oder Trotzreaktionen provoziert.
Einen Vorteil hat davon niemand.

Gleiches Recht

In einem demokratischen Rechtsstaat gilt gleiches Recht für alle — auch für Minderheiten –, ungeachtet, was jemand glaubt oder nicht glaubt. In Deutschland ist dies z.B. aufgrund der Verfassung, u.a. des GG Art. 140 geregelt.
Wäre es anders, würden Menschen womöglich um die Wette glauben, um mehr Sonderrechte für sich einzuheimsen als der Nachbar.

Es braucht für einen demokratischen Rechtsstaat, der zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet ist, unseres Erachtens keinen Grund zu geben, seine Gesetze und seine Grundrechtsgarantien an Glaubensinhalte von Religionen oder sonstigen Weltanschauungen anzupassen. Im Gegenteil sind die Menschen in diesem Land gehalten, sich in ihrem Verhalten an der Verfassung und an den anderen geltenden Gesetzen zu orientieren.

~ ~ ~

_____

Den Beitrag habe ich von der Website von PI-München übernommen.
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wertschaetzung-unschuldsvermutung-geruecht

Grundannahme

2 Februar 2017 by

* * *

Grundannahme

Kritik an einer totalitären Ideologie und einem despotischen System sowie Kritik an der Todesstrafe[*] und an anderen Menschenrechtsverletzungen ist keine Phobie und ist kein Rassismus.

Es soll sachbezogene Kritik sein.

Diese Kritik soll nur in begründeten Ausnahmfällen personenbezogen sein ohne verletzend zu werden oder herabzuwürdigen.

Eine solche Kritik zu diffamieren entzieht der sachlichen Diskussion die Grundlage sowie den Gegenargumenten die Plausibilität.

+ + +

Zitat:

Wie wollen Sie mit Menschenrechtsverletzungen und mit Kritik an Menschenrechtsverletzungen umgehen?

_____
[*] vgl. Rache sowie Hass

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Interpretationsmöglichkeiten! — oder ein wenig Augenwischerei?

17 September 2016 by

_____ „Sehen Sie, das ist Islam.“ _____

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Ein paar einleitende kurze Worte zum Begriff „Interpretation“:

In dem Bild oben eine Gruppe Augen zu sehen, die einen anschauen oder anstarren, mag einer Sehgewohnheit, einer Täuschung oder einer Wunschvorstellung entsprechen, eine Interpretation ist es nicht, denn eine Auslegung, Übersetzung oder Erklärung seitens des Betrachters im Sinne des Begriffs „Interpretation“, oder auch eine Deutung, findet nicht statt.

In dem Bild die Schwanzfedern eines Pfaus wahrzunehmen, wäre ebenfalls keine Interpretation, sondern allenfalls eine Assoziation, oder einfach das Erkennen eines (bekannten) Musters.

* *

Frage [*]: Ist es zulässig, dass Frauen nur die Hälfte erben, wie es die Scharia vorsieht?

MR: Das sind Regelungen, die sich unmittelbar aus dem Koran ergeben. Bei deren Auslegung wird erläutert, dass die Männer mehr bekommen, weil nur sie eine Brautgabe finanzieren müssen und nur sie Familienunterhalt leisten. […] Ein Imam aus Bayern hat geschrieben, dass die islamische Lösung in Deutschland heißt: gleiche Erbteile. Sie sehen, was das islamische Recht an Interpretationsmöglichkeiten hergibt.

Nun ist das, was der „Imam aus Bayern“ in den Worten des Interviewten geschrieben hat („die islamische Lösung in Deutschland heißt: gleiche Erbteile“), nicht, wie von ihm behauptet, eine Interpretation oder Interpretationsmöglichkeit — denn es wird mit diesen Worten nicht erklärt, auf welche islamische oder sonstige Rechtsgrundlage oder islamische Überlieferung sich die Aussage des Imams stützt; es wird nur eine unbegründete Aussage gemacht. Der Interviewer (Journalist) stellt allerdings auch nicht die Frage nach dem Warum, er hakt nicht nach.

MR: Ich sprach einmal mit dem Vorsitzenden eines marokkanischen Moscheevereins, dem in Berlin als Erstes aufgefallen war, dass die Busse der Berliner Verkehrsbetriebe die Schwelle beim Halten senken, damit Leute, die schlecht zu Fuß sind, leichter einsteigen können. Er sagte: Sehen Sie, das ist Islam. […] das war das Verständnis des Imams vom Islam, ein Verständnis, das ganz viele teilen. Diese Menschen müssen wir unterstützen …

Wenn das Islamverständnis des „Vorsitzenden eines marokkanischen Moscheevereins“ in diesen wenigen Worten zum Ausdruck kommt („Sehen Sie, das ist Islam.“), die sich auf helfen, großzügig sein, hilfreich sein beziehen, dann ist das einerseits zu begrüßen. Allerdings klammert er dabei sehr vieles aus, von dem man durchaus behaupten kann, dass es ebenfalls „Islam“ ist (siehe z.B. Kein Zwang im Glauben ? sowie Assoziationen oder Islam beleidigt).

Ob es einer Religion bedarf, die in sich voller Widersprüche ist, deren „heiliges Buch“ ein Sammelsurium voller Widersprüche ist, um anderen Menschen zu helfen, großzügig zu sein, hilfreich zu sein …, oder ob es mit einer den meisten Menschen vertrauten und innewohnenden, natürlichen Empathie getan ist, die nicht durch eine Ideologie überprägt (oder deformiert) ist, sei dahingestellt.

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Weiterführende / ergänzende Textbeiträge:

Im Gespräch: Wie verhindern wir Radikalisierung?
Mouhanad Khorchide: Die Männerbilder des Korans
Abdel-Hakim Ourghi: Keine Angst vor Kritik!
Ufuk Özbe: Strengt euch an!
[*] Textauszug aus „An die Hausordnung halten“ (Der Spiegel im Interview mit Mathias Rohe, Universität Erlangen-Nürnberg)

Bildnachweis: Wikipedia (Blauer Pfau)

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Zirkelschluss

1 September 2016 by

Ich möchte mit einer ganz kleinen und vielleicht ein wenig provokanten Geschichte beginnen:
(Es muss nicht immer Gott sein)

Ich schreibe ein Buch.

In das Buch schreibe ich hinein, dass alles, was in dem Buch geschrieben steht, das Wort von Göttin ist.

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«Göttin höchstselbst hat ein Fabelwesen beauftragt, diese Worte an mich zu überbringen, auf dass ich sie aufschreibe.» [*]

So behaupte ich es, und so schreibe ich es in das Buch hinein.

Dies nehme ich dann als Beweis dafür, dass alles, was in dem Buch geschrieben steht, das Wort von Göttin ist.

Und ich erkläre das Buch zu einem „heiligen“ Buch.

Zu guter Letzt lasse ich mir von ein paar Leuten aus meinem Bekanntenkreis bestätigen, dass es sich bei allem, was in dem Buch geschrieben steht, um das Wort von Göttin handelt und dass es deshalb ein heiliges Buch ist.

_____
[*] Ähnlichkeiten mit manch anderem „heiligen“ Buch sind kein Zufall.

* * *

Die Logik hinter dieser Vorgehensweise entspringt einem Zirkelschluss. Dabei wird der Beweis für die Existenz von etwas (hier „Göttin“) in der Behauptung der Existenz dieses Etwas gesehen bzw. ihm zuerkannt — was in sich logisch und schlüssig erscheinen mag, von außerhalb des Etwas / von außerhalb der Behauptung betrachtet einer Überprüfung jedoch nicht unbedingt standhält.

Siehe auch den Beitrag Nichtexistenz auf dieser Website.

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Anmerkung:

Gemäß der chronologisch ersten Sure des Korans (# 96 Al-’Alaq – Der Blutklumpen, Vers 1) hat der Gott des Islams, Allah, alles erschaffen (Read! In the Name of your Lord Who has created (all that exists).)* — also auch den Koran. Und gemäß diesem Koran-Vers sogar sich selbst. Denn der Koran geht davon aus, dass Allah existiert, bezeichnet ihn gar als Allmächtig, Allwissend, Allweise, als Herrn der Welten, …

Gemäß einer chronologisch recht späten Sure (# 2 Al-Baqarah – Die Kuh, Vers 2) gibt es daran keinen Zweifel (This is the Book (the Qur’ân), whereof there is no doubt, …).

Mit anderen Worten, behauptet und bestätigt der Koran in sich selbst / mit Bezug auf sich selbst, dass der Koran von Allah stammt und dass es daran keinen Zweifel gibt. Ein Zirkelschluss.

Beispiele:

Zirkulare, nonkausale Logik (Ursache und Wirkung sind eins)
1.: Im Koran steht geschrieben und ist nachzulesen, dass es Allah gibt (Herr der Welten, Allmächtig, …).
–> Allah gibt es, weil dies im Koran geschrieben steht [1] und man es dort nachlesen kann (impliziert, dass es Allah andernfalls nicht gibt).
2.: Man kann im Koran lesen, weil der Koran existiert.
–> Der Koran existiert, weil man im Koran lesen kann (impliziert, dass es den Koran andernfalls nicht gibt).

Lineare, kausale Logik (Ursache und Wirkung sind verschieden)
1.: Man kann im Koran lesen, weil der Koran existiert.
–> Der Koran existiert, weil er verfasst wurde.
2.: Im Koran steht geschrieben und ist nachzulesen, dass es Allah gibt (Herr der Welten, Allmächtig, …).
–> Die Existenz von Allah ist nicht beweisbar, weil etwas, das keine Wechselwirkungen zeigt, von etwas, das nicht existiert, nicht unterschieden werden kann.

Zirkelschluss-Skizze

In seinem Bild Wasserfall aus dem Jahr 1961 hat der niederländische Grafiker M. C. Escher den Zirkelschluss auf anschauliche Weise dargestellt.

Anmerkung:
In Gesprächen mit sehr religiösen Menschen habe ich mehrfach erlebt, dass diese nicht verstehen, warum ein Zirkelschluss unlogisch ist.

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* King Fahd Complex for the printing of the holy Qur’an
[1] Einer solchen oder ähnlichen „Argumentation“ kann man hier und da begegnen.

Zirkelschluss

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Abrahamitisch ?

25 Juli 2016 by

Wir Menschen neigen dazu, für uns bzw. für den Sozialverband (Familie, Clan, Volk, Staat), in dem wir leben, zum Zweck des Zusammenhalts der Gruppe, aber auch der Identitätsstiftung sowie der Selbstvergewisserung Gründungs- und Schöpfungsmythen zu ersinnen. Manche dieser Gründungs- oder Schöpfungsmythen ähneln sich über Kontinentgrenzen hinweg oder gleichen sich sogar in einigen Details (siehe z.B. den Schöpfungsmythos der Maori in Neuseeland). Andere erzählen eine eher außergewöhnliche Geschichte.

Wahrscheinlich in der Gegend des derzeitigen Iraq wurde vor weit über zweitausend Jahren eine symbolische Figur erdacht, die uns heute unter dem Namen Abraham bekannt ist. Hinweise oder Belege für seine tatsächliche Existenz gibt es keine; seine Aufgabe war es, einem Volk, das aus dieser Gegend stammte, als Gründungsfigur, als Urvater zu dienen, auf den sich noch nachfolgende Generationen würden berufen können.

Um diesen Abraham herum wurde eine umfangreiche „biographische“ Geschichte gesponnen, mittels derer das damalige Sozial- und Machtgefüge einen stabilen konstituierenden Rahmen erhalten sollte.

Insbesondere für die Macht-Frage wurde eine Begebenheit erdacht, die prägend für die damalige Gegenwart wie auch für die Zukunft werden sollte: Die „Bindung“ oder Opferung Isaaks, Abrahams zweitgeborenem Sohn aus dessen Ehe mit Sara (Sarai). Seinen erstgeborenen Sohn Ismael hatte er mit der jungen Sklavin Hagar gezeugt.

In der Geschichte der Opferung Isaaks wird u.a. zum Ausdruck gebracht, dass dieser ein sehr großes Vertrauen in seinen Vater Abraham hat — also eine positive Grundhaltung. „Gott“ spielt in dieser Geschichte eine rationalisierende Rolle.

In einer Religion, die lange Zeit später teils aus Bruchstücken, teils aus Versatzstücken der jüdischen Religion sowie aus Hinzudichtungen zusammengesetzt wurde, wird der Zweitgeborene Isaak in den Erstgeborenen Ismael umgedeutet (verfälscht), und aus dem Vertrauen, das Isaak seinem Vater Abraham entgegenbringt, wird eine masochistisch anmutende Unterwerfungsgeste Ismaels, wenn dieser laut Koran (Sure 37, Verse 99-109) sagt: „O mein Vater, tu, wie dir befohlen wird; du sollst mich – so Allah will – unter den Geduldigen finden.“ [37:102]

Resümee:

Sogenannte „göttliche“ Gesetze werden bisweilen von selbsternannten Gurus oder Scharlatanen aus egoistischen bzw. egozentrischen Motiven heraus erfunden und erlassen und können exclusiv gelten (vgl. Das Islam-Prinzip, Kapitel 6, Zitat nach Zülfü Livaneli am Kapitelende). Das unterscheidet sie von den Gesetzen der Verfassungsstaaten, die zwar, wie die „göttlichen“ Gesetze, ebenfalls von Menschen erdacht und erlassen werden. Dies geschieht jedoch nicht aus egoistischen Motiven, sondern aus Gründen der Rechtssicherheit für die Bürger eines Landes, inclusive Minderheiten, weshalb in Verfassungsstaaten die Grundsätze allgemeinen und gleichen Rechts gelten.

Sowohl Bibel als auch Koran wurden von Menschen verfasst; nichts deutet darauf hin, dass irgendwelche Götter, Erzengel oder sonstige imaginäre Wesen daran beteiligt gewesen sind (es sei denn, man wollte z.B. im Koran, in Sure 2 Vers 2 den Beweis für den göttlichen Ursprung des Korans erkennen, also in einem Zirkelschluss), es gibt keine nachgewiesenen oder nachweisbaren Wechselwirkungen oder dergleichen, die sich nicht als bloße Gedankenspielereien oder Geschichtenerzählereien entlarven ließen (siehe u.a. den Beitrag Nichtexistenz).

Die Bibel wird im Islam als „verfälscht“ bezeichnet.
Eine Textsammlung (Bibel, Tanach) als „verfälscht“ zu bezeichnen, die etliche Jahrhunderte, teils weit über tausend Jahre vor dem angeblichen Original (Koran) entstanden ist (vgl. Islam in drei Sätzen), das wirkliche Original also als Fälschung hinzustellen und die Fälschung als Original, ist eine gewagte These; man kann auch von Chuzpe — Anmaßung — sprechen (vgl. Der kleine Erpressungsversuch *), oder von Kaltschnäuzigkeit.

Islam ist, im Gegensatz zu Judentum und Christentum, m.E. keine abrahamitische Religion, da im Islam u.a. dieser Grundgedanke des Abrahamitischen — (siehe die Gegenüberstellung Isaak und Ismael; vgl. aber auch z.B. die praktische Ausführung des Beschneidungsrituals [siehe » Angst, Punkt 5]: im Judentum bei Säuglingen ohne Erinnerungsvermögen, im Islam bei Kindern, die dies mit Bewusstsein und als Demütigung erleben) — zum Zwecke der Etablierung und Verhärtung oder Verkrustung innerfamiliärer und gesellschaftlicher männlicher Macht, und der „Vorbild“funktion demonstrativer Unterwerfung – ähnlich einem masochistischen Verhalten – soweit verändert worden ist, dass ich darin eine Pervertierung sehe.

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Weiterführende Texte:
Tanach (Wikipedia)
Abraham (Wikipedia)
Opferung Isaaks (Wikipedia)
Opferung Isaaks, Rezeption im Islam (Wikipedia)
Necla Kelek: Die verlorenen Söhne
Islaminstitut: Warum Muslime die Bibel für verfälscht halten

Bildnachweis:
Rembrandt: „Der Engel verhindert die Opferung Isaaks“ (Wikipedia)

Abrahamitisch

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Nichtexistenz

8 Juli 2016 by

Hier und da ist man mit einer Methode der Argumentation konfrontiert, bei der man zunächst keine passende Antwort findet: ich nenne sie Entrationalisierung. Es wird ein Argument vorgetragen, zu dem einem einfach nichts einfallen will, weil dem Argument etwas zu fehlen scheint: Logik bzw. Nachvollziehbarkeit. Das (eigene) Denken ist blockiert.

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Die Aufforderung zum Beweis der Nichtexistenz — von was auch immer — kann einen in eine solche Lage bringen.

Das Nichtexistente

Das Nichtexistierende

Die Existenz von etwas zu beweisen, erscheint uns ein leichtes Unterfangen zu sein: Dieses Etwas kann man sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen, oder mittels Messinstrumenten erfassen. Das ist allerdings nicht bei allem der Fall: Schwarze Löcher zum Beispiel können wir mittels unserer Sinnesorgane so einfach nicht nachweisen — dies gelingt jedoch indirekt.

Der Äther galt Wissenschaftlern eine geraume Zeit lang als ein geheimnisvoller Stoff, der das Weltall ausfüllt und in dem sich z.B. Lichtwellen ausbreiten und deren Träger er sein sollte. Ein Nachweis des Äthers ist nie gelungen; heute wissen wir, dass es ihn nicht gibt.

Wegen des angenommenen Alters des Universums sowie aufgrund der Ausbreitungsgeschwindigkeit elektromagnetischer Wellen (Licht) im Vakuum können wir von der Erde aus einen Bereich des Universums überblicken, der einen Radius von 13,798 Milliarden Lichtjahren hat; wegen des Rundumblicks befinden wir uns selbstverständlich immer genau im Mittelpunkt dieser gedachten Kugel.
Was jenseits dieser Sphäre ist, wissen wir nicht, da wir von dort keine Signale bekommen.

Universum -- sichtbare Teile und Mittelpunkt

Universum — von der Erde aus sichtbarer Teil und Mittelpunkt

Alles, was existiert und dessen Existenz wir nachweisen können, verbindet eine Gemeinsamkeit: Der Einfachheit halber nenne ich es Interaktion, Wechselwirkung oder auch nur Wirkung.
Alles, was existiert, interagiert auf irgendeine Weise mit seiner näheren oder weiteren Umgebung; aufgrund dieser Interaktionen können wir es nachweisen — es existiert für uns.

Etwas, das zwar existiert, aber mit seiner Umgebung nicht interagiert oder dessen Interaktionen wir nicht beobachten oder nachweisen können, können wir von etwas, das nicht existiert, nicht unterscheiden — es existiert für uns nicht.

Etwas, das nicht existiert, interagiert ohnehin nicht.

Götterbilder -- Götzenbilder

Götterbilder — Götzenbilder

Göttinnen und Göttern wird nachgesagt, dass sie mit uns Menschen auf mancherlei Weise interagieren. Diese Interaktionen sind jedoch nur Gedanken oder Empfindungen in unseren Gehirnen, Muster elektrischer und chemischer Aktivitäten. Göttinnen und Götter spielen dabei eine vergleichbare Rolle wie seinerzeit der Äther bei der Ausbreitung des Lichts (siehe oben). Da nützt es auch nichts, dass wir uns ein Bild von „Gott“ machen, und sei es nur ein gedankliches …

Das Bild von etwas ist nicht identisch mit diesem Etwas.

MagrittePipe-c

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Bildnachweis oben:
Die Erschaffung Adams — Ausschnitt aus dem Deckenfresko des Malers Michelangelo Buonarroti in der Sixtinischen Kapelle, Rom. Wikipedia

Bildnachweis unten:
Dies ist keine Pfeife (Ceci n’est pas une pipe), René Magritte (1898–1967). Wikipedia

Nichtexistenz

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Bevormundet

29 Januar 2016 by

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Bevormundung gehört vermutlich in den meisten Religionen zum Standardrepertoire der Machtausübung und des Machterhalts. Immanuel Kant hat dies in seiner „Aufklärung“ in einem wohl weniger beachteten Satz zum Ausdruck gebracht:

Daß der bei weitem größte Teil der Menschen […] den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.

So ist es denn nicht außergewöhnlich, dass es Leute gibt, die meinen, anderen Menschen religiös inspirierte bzw. legitimierte Vorgaben dahingehend machen zu müssen, was diese sich z.B. während eines Museumsbesuchs anschauen dürfen und was nicht.

Buste de femme - Musei Capitolini

Buste de femme – Musei Capitolini

Im Januar 2016 war der iranische Präsident Hassan Rouhani anlässlich eines Staatsbesuchs in der italienischen Hauptstadt Rom zu Gast. Die Medienberichterstattung darüber erging sich großenteils in einem Detail dieses Besuchs: jener Stipvisite im Kapitolinischen Museum, deren Ablauf entweder von iranischen oder von italienischen Offiziellen vorbereitet wurde (Medienberichte zu diesem Detail ließen Vermutungen bezüglich der Organisatoren zu).

Die Organisatoren des Besuchsprogramms hatten – möglicherweise ohne Wissen des iranischen Präsidenten – entschieden, dem Gast den Anblick mehrerer in diesem Museum zu besichtigenden Statuen vorzuenthalten.

Vénus de l'Esquilin - Musei Capitolini

Vénus de l’Esquilin – Musei Capitolini

Die umfangreiche Berichterstattung zu diesem Besuch lässt den Schluss zu, dass der Wunsch, derlei Statuen nicht sehen zu wollen, nicht von Rouhani kam, sondern man ihn mit religiöser Begründung dahingehend bevormundet hat, was er aufgrund seiner Religionszugehörigkeit nach Meinung der Organisatoren sehen darf und was nicht, was ihm zugemutet werden darf und was nicht — und er hat es sich gefallen lassen (müssen), konnte sich vermutlich aus diplomatischen, vielleicht auch aus innenpolitischen Gründen nicht dagegen wehren.

Aphrodite – Musei Capitolini

Aphrodite – Musei Capitolini

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Sollten die Gastgeber oder die Organisatoren geglaubt haben, Rouhani sei ein Idiot, der beim Anblick von etwas anderem als geometrischen Mustern, wie sie im islamischen Kulturkreis an und in Moscheen zu sehen sind, einer Nackten gar, die Selbstbeherrschung oder den Verstand verliert ?

Nasr-ol-Molk-Moschee - Deckenverzierungen

Nasr-ol-Molk-Moschee – Deckenverzierungen

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Anmerkung:

In den Leserkommentaren zur Berichterstattung über den Besuch des iranischen Präsidenten Rouhani in Rom im Januar 2016 war teils davon die Rede, dass die Verhüllung einiger Statuen im Kapitolinischen Museum in Rom ein Zeichen für die Islamisierung Europas sei.
Dieser Argumentation schließe ich mich nicht an — siehe oben.

Zudem liegt es an den Menschen, ob und inwieweit sie — ohne sich von Hass leiten zu lassen[*] oder in diesen abzugleiten — bereit sind, die Werte, Freiheiten und Rechtssicherheiten des freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaats gegen Bevormundung, Einschüchterung sowie gegen Wertvorstellungen und Rechtsnormen einzutauschen, die mit den Errungenschaften der Europäischen Aufklärung und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in erheblichem Umfang nicht vereinbar sind.

Freiheit ist ein Ideal, das sich aus Vernunft selbst trägt ohne Menschen einzuschüchtern oder zu bevormunden, und das den Machtverlust nicht fürchten muss[*] weil es nach Macht nicht strebt.

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[*] Hass sowie die Angst vor Machtverlust stehen der Freiheit entgegen; wer darin gefangen ist, ist nicht frei.

Bildnachweise:
wikimedia.org

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Ausformulierung

26 November 2015 by

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Ähnlichkeiten mit anderen Religionen oder Ideologien
sind kein Zufall

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Islam ist die Ausformulierung der Grundlagen für ein totalitäres System bis in kleinste Details.
Das Ergebnis zeigt sich überall dort, wo islamische Gesetze gelten / wo Islam Staatsreligion ist.

Diese islamischen Gesetze zielen nicht auf das Gewähren sowie die Gewährleistung individueller Rechte und Freiheiten, nicht auf das Einräumen von — auch geistigen — Freiräumen, sondern auf das Vorgeben und Vorschreiben von zur Norm erhobenen Denk- und Verhaltensweisen und Pflichten, auf die möglichst weitgehende Einengung und Begrenzung von persönlichen Freiräumen.
Daran scheitert die islamische Welt seit vielen Jahrhunderten.

Die Frustration über das Unvermögen, sich von dieser totalitären Ideologie zu befreien — was für Muslime schwierig ist, weil auf Apostasie im Islam die Todesstrafe steht (die manchmal als „Ehrenmord“ daherkommt und vollstreckt wird, also einem Racheakt [wegen „unislamischer Lebensweise“] gleichkommt) — kann ich nachvollziehen, ihre Folgen in Fällen von Gewalttaten aber weder gutheißen noch für gerechtfertigt erachten.

Eine eindeutige Aussage und ein Bekenntnis dazu, dass die weltlichen, von Menschen für Menschen gemachten Gesetze[*] der Staaten Europas und anderer Länder über jedem „göttlichen“ Gesetz, über dem Koran oder über sonstigen „heiligen“ Büchern sowie über den Worten des / der Propheten stehen, vermisse ich von mancher Seite.

Alles Distanzieren von Gewalt und Terror hinterlässt bei mir den Eindruck bloßer Lippenbekenntnisse. Denn womit ich nichts zu tun habe, worin ich in keiner Weise involviert war oder bin, was nicht meiner Weltanschauung entspricht und mit dieser nicht in Verbindung oder in Einklang gebracht werden kann, davon brauche ich mich nicht zu distanzieren.

Stattdessen kann man sich dafür einsetzen, dass am Islam genauso wie an jeder anderen Religion und Ideologie alles kritisiert und hinterfragt werden darf — ALLES.

Allahu asghar ? Allahu 'akbar

Allahu asghar ? Allahu ´akbar


Kritisieren und hinterfragen allerdings ohne in Hass zu verfallen oder sich in einen solchen hineinzusteigern, der die Wahrnehmung und das Urteilsvermögen beeinträchtigen und infolge dessen man leicht zu Fehlschlüssen und Fehlurteilen gelangen kann.

Hinterfragen und kritisieren muss nicht bedeuten, alles vollständig infrage zu stellen im Sinne von ‚für überholt zu erklären‘ oder ‚abschaffen zu wollen‘. Es steht aber für eine sachlich-inhaltliche Auseinandersetzung und für ein Vergleichen — an deren Ende man sehen wird, was die Menschen überzeugt ohne dass sie eingeschüchtert oder zu einer bestimmten Haltung erpresst werden, und was standhält.

Dort, wo ein Hinterfragen und Kritisieren tabu ist, möchte man etwas verbergen …
Das kann Misstrauen hervorrufen oder als ein Zeichen von Unduldsamkeit (Intoleranz) und Schwäche gedeutet werden.

Der freiheitliche, demokratische Rechtsstaat hingegen bezieht seine Stärke u.a. daraus, dass er dulden kann, wozu jede Diktatur zu schwach ist — Kontroversen. Aber auch aus dem sich selbst tragenden allgemeinen und gleichen Recht, das sich nicht auf das Unrecht einer Minderheit, aber auch nicht auf das mögliche nicht-allgemeine und nicht-gleiche oder auf ein die Minderheitenrechte missachtendes Recht (= Unrecht) der Mehrheit stützt.

Die europäischen Werte, das sind vermutlich nicht nur für mich, sondern für die absolute Mehrheit der Menschen in Europa die Werte des in der Renaissance aufgekommenen Humanismus und die der Europäischen Aufklärung sowie die daraus entstandenen Rechtsgrundsätze, die ihren Niederschlag u.a. im Grundrechtskatalog des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland (GG) gefunden haben.

Diese brauchen wir Europäer nach wie vor — auch wenn sie für uns inzwischen so selbstverständlich geworden zu sein scheinen, dass sich manch einer ihrer im Alltag kaum mehr bewusst ist, sie nicht täglich abgleicht mit dem, was in manchen anderen Ländern und Kulturkreisen an der Tagesordnung ist.

«Das Recht schützt die Religionsfreiheit,
die Religion muss das sie schützende Recht achten.»

Dieser Satz gilt für andere Rechte und Freiheiten in gleichem Maße.

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[*] Welche Rechte und Freiheiten gewährt und gewährleistet Islam – oder auch andere Religionen -, und welche Rechte und Freiheiten gewährt und gewährleistet im Vergleich dazu unsere Verfassung, das Grundgesetz ?
Inwieweit sehen Islam, aber auch andere Religionen, eine Gewaltenteilung vor, wie wir sie im modernen Verfassungsstaat kennen und mittels derer die Macht einzelner Personen und Institutionen eingeschränkt und deren möglicher Willkür Grenzen gesetzt werden ?

» Ergänzend [1]:
Deutschland muss religiöse Zumutungen ertragen.
Das gilt auch für Kränkungsfetischisten.

Von Horst Dreier (Staatsrechtler) in der SZ vom 27. November 2015

P.S.: Der Untertitel des Gastbeitrags von Horst Dreier in der SZ wurde gegenüber der Erstversion inzwischen abgeändert in „Zur Demokratie gehören Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit – inklusive Religionskritik. Das sollte so bleiben.

» Ergänzend [2]:
Terrorismus hat sehr wohl mit Religion zu tun
Von Alexander Grau im Cicero am 12. Dezember 2015

[…] Was in Europa und insbesondere hierzulande unter Religion verstanden wird, das ist Religion nach der Aufklärung, das ist die von außen gezähmte und zivilisierte Religion der Moderne, gebändigt und rationalisiert durch naturwissenschaftliche, historische und psychologische Religionskritik. Es ist eine Religion, die um ihre Relativität weiß, eine Religion, die verstanden hat (oder haben sollte), dass ihre zentralen Begriffe und Rituale Symbole sind, mit deren Hilfe Menschen Sinn konstruieren. […]

Ausformulierung_296

Eckhardt Kiwitt
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