Mahomet – Voltaire, Goethe

Intro
PDF mahomet_cover-0.jpg„Mahomet“, von Voltaire / Goethe;
Vervollständigte, illustrierte Ausgabe
zum Selberdrucken.

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Mahomet – von Voltaire

in der Übersetzung von Johann Wolfgang von Goethe

Vervollständigt und sprachlich behutsam modernisiert

Vorbemerkung

„Dem Staate bringt die Furchtsamkeit Verderben“


„Mahomet“ von Voltaire beschreibt eine fiktive Episode aus dem Leben des gleichnamigen Propheten: Die Geschichte der unglücklichen Sklavin Palmire, die sich lieber selbst tötet als im Harem des lüsternen und grausamen Tyrannen zu enden, nachdem dieser die Menschen umgebracht hat, die ihr am nächsten standen.

Die Tragödie beruht auf einem wahren Kern. So rekrutierte der bewaffnete Prophet, der sich sogar in seinem Werk damit brüstet, unbewaffnete Karawanen zu überfallen (Koran, Sure 8, Al-Anfal / Die Beute), einen Großteil seines Harems aus Beutezügen. Nach dem Massaker an über 800 männlichen Juden in Medina, das er selbst angeordnet und das in seiner Gegenwart verübt wurde, verteilte er die weibliche Beute großzügig an seine Krieger. Er selbst hielt sich an der Frau des Stammesfürsten schadlos (Ibn Ishaq – Das Leben des Propheten). Palmire steht damit stellvertretend für unzählige Frauen, die noch zu Lebzeiten des Propheten Sklavinnen der Muslime wurden.

Dass Voltaire über den historischen Mohammed recht gut informiert war, zeigt folgender Brief an Friedrich den Großen:

„Ich gebe zu, dass wir ihn hoch achten müssten, wenn er Gesetze des Friedens hinterlassen hätte. Doch dass ein Kamelhändler in seinem Nest Aufruhr entfacht, dass er seinen Mitbürgern Glauben machen will, dass er sich mit dem Erzengel Gabriel unterhielte; dass er sich damit brüstet, in den Himmel entrückt worden zu sein und dort einen Teil jenes unverdaulichen Buches empfangen zu haben, das bei jeder Seite den gesunden Menschenverstand erbeben lässt, dass er, um diesem Werke Respekt zu verschaffen, sein Vaterland mit Feuer und Eisen überzieht, dass er Väter erwürgt, Töchter fortschleift, dass er den Geschlagenen die freie Wahl zwischen Tod und seinem Glauben lässt: Das ist mit Sicherheit etwas, das kein Mensch entschuldigen kann, es sei denn, er ist als Türke [Synonym für Moslem] auf die Welt gekommen, es sei denn, der Aberglaube hat ihm jedes natürliche Licht erstickt.“


«… Mais qu’un marchand de Chameaux excite une sédition dans sa bourgade; qu’associé à quelques malheureux coracites il leur persuade qu’il s’entretient avec l’ange Gabriel, qu’il se vante d’avoir été ravy au ciel, et d’y avoir reçu une partie de ce livre inintelligible qui fait frémir le sens commun à chaque page; que pour faire respecter ce livre, il porte dans sa patrie le feu et la flamme; qu’il égorge les pères, qu’il ravisse les filles, qu’il donne aux vaincus le choix de sa Religion ou de la mort, c’est assurément ce que nul homme ne peut excuser, à moins qu’il ne soit né Turc, et que la superstition n’étouffe en luy toute lumière naturelle.»

Voltaire: Correspondance II. 1739–1748. Texte établi et annoté par Theodore Bestermann, [Paris] 1965 (Bibliothéque de la Pléiade), p 414–418.

Auch Mahomets Worte gegen Ende des fünften Aufzugs verdeutlichen dies: „Den Lohn des Aufruhrs gegen Gottgesandte, die Rache kennen, die der Himmel schickt …“ stimmt recht genau mit der Forderung aus der chronologisch sehr späten Sure 5, Vers 33 des Korans überein, wo es heißt:

Der Lohn derer, die gegen Allah und Seinen Gesandten Krieg führen und Verderben im Lande zu erregen trachten, soll sein, daß sie getötet oder gekreuzigt werden oder daß ihnen Hände und Füße wechselweise abgeschlagen werden …

Im Jahre 1741 wurde Mahomet in Lille aufgeführt, danach verboten, weil auch Kirche und König sich im Tyrannen und seiner doppelten Moral wiedererkannten. Zehn Jahre später wurde das Verbot wieder aufgehoben.
1802 übersetzte Goethe die Tragödie ins Deutsche und fand für die Gefahr, die vom Islam ausgeht, deutliche Worte:
„Dem Staate bringt die Furchtsamkeit Verderben“ lässt Goethe den weisen Sopir sagen, jenen Mann, der die einst freie Handelsstadt Mekka vor dem Usurpator schützen wollte und der, wie viele Gegner des Islams nach ihm, diesen Einsatz mit dem Leben bezahlte.
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Bild oben:
Miniature from Siyer-i Nebi, a Turkish religious biography of Mohammed completed in 1388 and later lavishly illustrated with 814 miniatures under the reign of Ottoman ruler Murad III, being completed in 1595.
Many of the miniatures depict Mohammed, and this particular one shows Ali bin Abu Taleb beheading Nasr bin al-Hareth in the presence of Mohammed and his companions.
Quelle: http://commons.wikimedia.org sowie Zombietime.com

Miniatur aus dem Epos Siyer-i Nebi, religiöse türkische Biographie des Mohammed (14.-16. Jhdt.).
Ali bin Abu Taleb enthauptet Nasr bin al-Hareth in Gegenwart von Mohammed und seinen Mitstreitern.
Siehe auch Mohammed in Bildern

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Personen der Handlung:

  • Mahomet
  • Sopir, Scherif von Mekka
  • Omar, Heerführer unter Mahomet
  • Séide, Mahomets Sklave
  • Palmire, Mahomets Sklavin
  • Phanor, Senator von Mekka
  • Bürger von Mekka
  • Musulmänner

Der Schauplatz ist in Mekka

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ERSTER AUFZUG

– ERSTER AUFTRITT –

Sopir. Phanor.

Sopir: Was? ich? vor falschen Wundern niederknien?
Dem Gaukelspiele des Betrügers opfern?
In Mekka den verehren, den ich einst verbannt?
Nein, straft, gerechte Götter! straft Sopiren,
Wenn ich, mit diesen freien, reinen Händen,
Dem Aufruhr schmeichle, den Betrug begrüße!
Phanor: Wir ehren deinen väterlichen Eifer,
Des heiligen Senats erhabner Scherif!
Doch dieser Eifer, dieser Widerstand
Reizt nur den Sieger, statt ihn zu ermüden.
Wenn du denselben Mahomet vor Zeiten,
Durch der Gesetze Kraft, darnieder hieltest,
Und eines Bürgerkrieges furchtbarn Brand,
In seinen ersten Funken, weise, tilgtest,
Da war er noch ein Bürger und erschien
Als Schwärmer, Ordnungsstörer, Aufruhrstifter;
Heut ist er Fürst, er triumphiert, er herrscht.
Aus Mekka musst’ er als Betrüger flüchten,
Medina nahm ihn als Propheten auf,
Ja, dreißig Nationen beten ihn
Und die Verbrechen an, die wir verwünschen.
Was sag’ ich! selbst in diesen Mauern schleicht
Das Gift des Wahnes. Ein verirrtes Volk,
Berauscht von trübem Feuereifer, gibt
Gewicht den falschen Wundern, breitet
Parteigeist aus und reget innern Sturm.
Man fürchtet und man wünscht sein Heer, man glaubt
Ein Schreckensgott begeistre, treibe, führe
Unwiderstehlich ihn von Sieg zu Sieg.
Zwar sind mit dir die echten Bürger eins;
Doch ihre Zahl ist kleiner als du denkst.
Wo schmeichelt sich die Heuchelei nicht ein?
Und Schwärmerei, die ihren Vorteil kennt?
Nach Neuerungen Lust, ein falscher Eifer, Furcht
Zerstören Mekkas aufgeregten Kreis,
Und dieses Volk, das du so lange Zeit beglückt,
Ruft seinen Vater an, und fordert Frieden.
Sopir: Mit dem Verräter Frieden! o du feiges Volk!
Von ihm erwarte nur der Knechtschaft Jammer.
Tragt feierlich ihn her, bedient ihn kniend,
Den Götzen, dessen Last euch bald erdrückt.
Doch ich bewahr’ ihm einen ew’gen Hass,
Mein tief verwundet Herz, nie kann es heilen.
Und er nährt gleiche Rache gegen mich.
Mein Weib und meine Kinder mordet’ er,
Bis in sein Lager trug ich Schwert und Tod,
Sein eigner Sohn fiel, Opfer meiner Wut.
Nein! nein! der Hass glüht ewig zwischen uns,
Und keine Zeit kann dieses Feuer löschen.
Phanor: Verbirg die Glut, sie brenne heimlich fort;
Dem Ganzen opfre deiner Seele Schmerzen.
Rächst du die Deinen? wenn er diese Stadt
Mit Feuer und mit Schwert verheerend, straft.
Verlorst du Sohn und Tochter, Gattin, Bruder;
Den Staat bedenke, der gehört dir an.
Sopir: Dem Staate bringt die Furchtsamkeit Verderben.
Phanor: Auch Starrsinn bringt ihn seinem Falle nah.
Sopir: So fallen wir! wenn’s sein muss.
Phanor: Diese Kühnheit
Setzt uns dem Schiffbruch aus, so nah dem Hafen.
Du siehst, der Himmel gab in deine Hand
Ein Mittel, den Tyrannen zu bezähmen.
Palmire, seines Lagers holder Zögling,
Die in den letzten Schlachten du geraubt,
Ist als ein Friedensengel uns erschienen,
Der seine Siegerwut besänft’gen soll.
Schon forderte sein Herold sie zurück.
Sopir: Und diese gäb’ ich dem Barbaren wieder?
Du wolltest, dass mit solchem edlen Schatz
Die Räuberhände sich bereicherten?
Wie? Da er uns mit Schwert und Trug bekämpft,
Soll Unschuld sich um seine Gunst bewerben?
Und Schönheit seine tolle Wut belohnen?
Mein graues Haar trifft der Verdacht wohl nicht,
Dass ich in ihr das holde Weib begehre;
Denn jugendliche Glut erregt nicht mehr
Mein traurig Herz, erdrückt von Zeit und Jammer.
Doch sei es, dass vom Alter selbst die Schönheit
Ein unwillkürlich stilles Opfer fordre!
Mag ich vielleicht, dem eigne Kinder fehlen,
In ihr das längst Verlorne wieder sehen!
Ich weiß nicht, welcher Hang zu ihr mich zieht,
Die Öde mancher Jahre wieder füllt.
Sei’s Schwäche, sei’s Vernunft, nicht ohne Schaudern
Säh’ ich sie in des Lügenkünstlers Hand.
O möchte sie sich meinen Wünschen fügen,
Und heimlich diesen Schutzort lieb gewinnen!
O dass ihr Herz, für meine Wohltat fühlbar,
Ihn, den ich hassen muss, verwünschen möchte!
Sie kommt, in diesen Hallen mich zu sprechen,
Im Angesicht der Götter dieses Hauses.
Sie kommt! Ihr Antlitz, edler Unschuld Bild,
Lässt alle Reinheit ihres Herzens sehen.
(Phanor ab.)

– ZWEITER AUFTRITT –

Sopir. Palmire.

Sopir: Wie segn’ ich, edles Kind, das Glück des Kriegs,
Das dich, durch meinen Arm, zu uns geführt!
Nicht in Barbaren Hand bist du gefallen.
Ein jeder, so wie ich, ehrt dein Geschick,
Dein Alter, deiner Schönheit, deiner Jugend Reiz.
O sprich! und blieb mir, in dem Sturm der Zeit,
Bei meinem Volke, noch so viel Gewalt,
Um deine stillen Wünsche zu befried’gen;
So will ich meine letzten Tage segnen.
Palmire: Zwei Monden schon genieß’ ich deinen Schutz,
Erhabner Mann, und dulde mein Geschick,
Das du erleichterst und die Tränen stillest,
Die eine harte Prüfung mir entlockt.
Wohltät’ger Mann! Du öffnest mir den Mund;
Von dir erwart’ ich meines Lebens Glück.
Wie Mahomet begehrt, von meinen Banden mich
Befreit zu sehn, so wünsch’ ich’s auch. Entlass
Ein Mädchen, die des Krieges schwere Hand
Nicht fühlen sollte. Sei, nach dem Propheten,
Mein zweiter Vater, dem ich alles danke.
Sopir: Du sehnst dich nach den Fesseln Mahomets,
Dem Lärm des Lagers, nach der Wüste Schrecknis!
Ein wandelnd Vaterland, reizt es so sehr?
Palmire: Dort ist mein Herz, dort ist mein Vaterland;
Mein erst Gefühl hat Mahomet gebildet;
Von seinen Frauen ward ich auferzogen,
In ihrer Wohnung, einem Heiligtum,
Wo diese Schaar, verehret und geliebt
Von ihrem Herrn, in ruhigen Gebeten
Und still beschäftigt, sel’ge Zeiten lebt.
Der einz’ge Tag war mir ein Tag des Grauens,
An dem der Krieg in unsre Wohnung drang,
Und unsrer Helden Kraft nur kurze Zeit
Den Streichen eines raschen Feindes wich.
O Herr! verzeihe meinen Schmerzgefühlen!
Du hältst mich hier; doch ich bin immer dort.
Sopir: Wohl, ich versteh’! die Hoffnung nährest du,
Des stolzen Mannes Herz und Hand zu teilen.
Palmire: Herr, ich verehr ihn, ja ich glaube, bebend,
In Mahomet den Schreckensgott zu sehen.
Zu solchem Bunde strebt mein Herz nicht auf,
Aus solcher Niedrigkeit zu solchem Glanz.
Sopir: Wer du auch seist, ist denn wohl er geboren,
Dich als Gemahl, als Herr dich zu besitzen?
Das Blut, aus dem du stammst, scheint mir bestimmt,
Dem frechen Araber Gesetz zu geben,
Der über Könige sich nun erhebt.
Palmire: Ich weiß von keinem Stolze der Geburt,
Nicht Vaterland, nicht Eltern kannt’ ich je;
Mein Los von Jugend auf war Sklaverei.
Die Knechtschaft macht mich vielen andern gleich,
Und alles ist mir fremd, nur nicht mein Gott.
Sopir: Wie? dir ist alles fremd und dir gefällt
Ein solcher Zustand? Wie? du dienest einem Herrn
Und fühlst nach einem Vater keine Sehnsucht!
In meinem traurigen Palast allein
Und kinderlos, o fänd’ ich solche Stütze!
Und wenn ich dir ein heiteres Geschick
Bereitet, wollt’ ich in den letzten Stunden
Die Ungerechtigkeit des Meinigen vergessen.
Doch ach! verhasst bin ich, mein Vaterland
Und mein Gesetz dem eingenommnen Herzen.
Palmire: Wie kann ich dein sein, bin ich doch nicht mein!
Ungern, o güt’ger Mann, verlass ich dich;
Doch Mahomet, er ist und bleibt mein Vater.
Sopir: Ein Vater, solch ein trügrisch Ungeheuer!
Palmire: Welch unerhörte Reden gegen den,
Der, als Prophet auf Erden angebetet,
Vom Himmel uns die heil’ge Botschaft bringt!
Sopir: O wie verblendet sind die Sterblichen,
Wenn sie ein falscher Heuchelwahn betäubt!
Auch mich verlässt hier alles, ihm Altäre,
Dem Frevler, zu errichten, den ich einst
Sein Richter schonte, der, als Missetäter,
Von hier entfloh und Kronen sich erlog.
Palmire: Mich schaudert! Gott! Sollt’ ich in meinem Leben
So freche Reden hören! und von dir!
Die Dankbarkeit, die Neigung räumte schon
Gewalt auf dieses Herz dir ein. Von dir
Vernehm’ ich diese Läst’rung auf den Mann,
Der mich beschützt, mit Schrecken und mit Abscheu.
Sopir: Ach! in des Aberglaubens festen Banden
Verliert dein schönes Herz die Menschlichkeit.
Wie jede Knechtschaft, raubt auch diese dir
Den freien Blick, das Würdige zu schätzen.
Du jammerst mich, Palmire! deinen Irrtum,
Der dich umstrickt, bewein’ ich wider Willen.
Palmire: Und meine Bitte willst du nicht gestatten?
Sopir: Nein! dem Tyrannen, der dein Herz betrog,
Das, zart und biegsam, sich ihm öffnete,
Geb’ ich dich nicht zurück. Du bist ein Gut,
Durch das mir Mahomet verhasster wird.

– DRITTER AUFTRITT –

Die Vorigen. Phanor.

Sopir: Was bringst du Phanor?
Phanor: An dem Tor der Stadt,
Das gegen Moabs reiche Felder weist,
Ist Omar angelangt.
Sopir: Wie? Omar? dieser wilde,
Verwegne Mann, den auch der Irrtum fasste
Und an den Wagen des Tyrannen fesselte?
Als Bote kommt er des Verführers nun,
Den er zuerst, als guter Bürger, selbst
Verabscheut und bekämpft, und so, vor vielen,
Sich um sein Vaterland verdient gemacht.
Phanor: Er liebt es noch vielleicht; denn diesmal kommt er
Nicht schrecklich als ein Krieger; seine Hand
Trägt einen Ölzweig über seinem Schwert,
Und bietet uns ein Pfand des Friedens an.
Man spricht mit ihm, man tauschet Geiseln aus;
Er bringt Séiden mit. Den jungen Krieger,
Den Liebling des Propheten und des Heers.
Erfreulich schöne Hoffnung —
Palmire: Gott! welch ein Glück!
Séide kommt!
Phanor: Und Omar nahet schon.
Sopir: Ich muss ihn hören. Lebe wohl, Palmire!
(Palmire geht.)
Und Omar wagt’s vor meinen Blick zu treten!
Was kann er sagen! Götter meines Landes!
Dreitausend Jahre schützt ihr lsmaels
Großmüt’ge Kinder. Sonne! heil’ge Lichter!
Der Götter Bilder, deren Licht ihr bringt,
Blickt auf mich nieder, stärket meine Brust,
Die ich dem Unrecht stets entgegensetzte!

– VIERTER AUFTRITT –

Sopir. Omar. Phanor.

Sopir: Nun also kömmst du nach sechs Jahren wieder,
Betrittst dein Vaterland, das einst dein Arm
Verteidigte, das nun dein Herz verrät?
Noch sind von deinen Taten diese Mauern
Erfüllt, und du, Abtrünniger, erscheinst
Im heiligen Bezirk, verwegen, wo
Die Götter, die Gesetze herrschen, die du flohst.
Was bringst du, Werkzeug eines Räubers, der
Den Tod verdient? Was willst du?
Omar: Dir vergeben!
Der göttliche Prophet sieht deine Jahre,
Dein frühes Unglück mit Bedauern an.
Er ehret deinen Mut und reichet dir
Die Hand, die dich erdrücken könnte. Nimm
Den Frieden an, den er euch bieten mag!
Sopir: Und er, der Aufruhrstifter, der um Gnade
Zu flehen hätte, will uns Friede schenken!
Erlaubt ihr, große Götter, dass der Frevler
Uns Frieden geben oder nehmen könne?
Und du, der des Verräters Willen bringst,
Errötest nicht solch einem Herrn zu dienen?
Hast du ihn nicht gesehn, verworfen, arm,
Am letzten Platz der letzten Bürger kriechen?
Wie war er weit von solchem Ruhm entfernt,
Der sich um ihn gewaltsam nun verbreitet.
Omar: Nichtswürd’ge Hoheit fesselt deinen Sinn.
So wägst du das Verdienst? und schätzest Menschen
Nach dem Gewicht des Glücks in deiner Hand?
Und weißt du nicht, du schwacher, stolzer Mann,
Dass das Insekt, das sich im Halm verbarg,
So wie der Adler, der die Wolken teilt,
Dem Ewigen belebter Staub erscheine?
Die Sterblichen sind gleich! Nicht die Geburt,
Die Tugend nur macht allen Unterschied.
Doch Geister gibt’s, begünstiget vom Himmel,
Die durch sich selbst sind, alles sind, und nichts
Dem Ahnherrn schuldig, nichts der Welt. So ist
Der Mann, den ich zum Herren mir erwählte.
Er in der Welt allein verdient’s zu sein;
Und allen Sterblichen, die ihm gehorchen sollen,
Gab ich ein Beispiel, das mich ehren wird.
Sopir: Omar ich kenne dich. Du scheinest hier
Als Schwärmer dieses Wunderbild zu zeichnen;
Doch seh’ ich nur den klugen Redner durch.
Du glaubst umsonst, wie andre, mich zu täuschen;
Ihr betet an, wo ich verachten muss.
Verbanne jeden Trug! Mit weisem Blick
Sieh den Propheten an, den du verehrst.
Den Menschen sieh in Mahomet! Gesteh’!
Du hobst ihn, du, zu dieser Himmelshöhe.
Des Schwärmens, der Verstellung sei genug!
Lass mit Vernunft uns deinen Meister richten.
Wie zeigt er sich? Er treibt, ein roher Knecht,
Kamele vor sich her, betrügt durch Heucheldienst
Und Schwärmerei, ein Weib, das ihm vertraut.
So wird Fatime sein. Von Traum in Traum
Führt er ein leicht gewonnen Volk und macht Partei,
Erregt die Stadt. Man fängt ihn, führet ihn
Zu meinen Füßen. Vierzig Älteste
Verdammen, sie verbannen ihn, und so
Zu leicht bestraft, wächst nur sein kühner Unsinn.
Von Höhle flüchtet er zu Höhle mit Fatimen,
Und seine Jünger, zwischen Stadt und Wüste,
Verbannt, verfolgt, geächtet, eingekerkert,
Verbreiten ihre Wut als Götterlehre.
Medina wird von ihrem Gift entzündet.
Da standest du, du selbst, du standest auf,
Mit Weisheit diesem Übel abzuwehren.
Da warst du glücklich, brav, gerecht, und stelltest
Als freier Mann dich gegen Tyrannei.
Ist er Prophet, wie durftest du ihn strafen?
Ist er Betrüger, und du dienest ihm?
Omar: Ich wollt’ ihn strafen, als ich sie verkannte,
Die ersten Schritte dieses großen Mannes.
Doch nun erkenn’ ich’s, ja! er ist geboren,
Die Welt zu seinen Füßen zu verwandeln.
Sein Geist erleuchtete den meinen, und ich sah ihn
Zum unbegrenzten Laufe sich erheben.
Beredt und unerschüttert, immer wunderbar,
Sprach, handelt’, straft’, vergab er wie ein Gott.
Da schloss ich diesen ungeheuren Taten
Mein Leben an, und Thronen und Altäre
Erwarben wir; ich teile sie mit ihm.
Ich war, lass mich’s gestehn, so blind wie du.
Ermanne dich, Sopir, verlasse, schnell
Bekehrt, wie ich, den alten Eigensinn!
Hör auf, die Wut des falschen Eifers mir
Verworren eitel vorzurühmen. Dass
Du grausam unser Volk verfolgest, unsre Brüder
Mit Freuden quälst und lästerst unsern Gott.
Dem Helden fall zu Füßen, den du einst
Zu unterdrücken dachtest! Küsse diese Hand,
Die nun den Donner trägt. Ja, sieh mich an,
Der erste bin ich nach ihm auf der Erde.
Die Stelle, die dir bleibt, ist schön genug,
Und wert, dass du dem neuen Herren huldigst.
Sieh was wir waren! siehe was wir sind!
Für große Menschen ist das schwache Volk
Geboren. Glauben soll’s, bewundern und gehorchen.
Komm herrsche nun mit uns, erhebe dich,
Teil’ unsre Größe, der sich nichts entzieht,
Und schrecke so das Volk, das dich beherrschte.
Sopir: Nur Mahomet und dich, und deinesgleichen,
Wünsch’ ich durch meine Redlichkeit zu schrecken.
Du willst, der Scherif des Senates soll,
Abtrünnig, dem Betrüger huld’gen, den Verführer
Bestät’gen, den Rebellen krönen? Zwar
Ich leugne nicht, dass dieser kühne Geist
Viel Klugheit zeigt, und Kraft und hohen Mut;
Wie du erkenn’ ich deines Herrn Talente,
Und wär er tugendhaft, er wär ein Held.
Doch dieser Held ist grausam, ein Verräter;
So schuldig war noch niemals ein Tyrann.
Mir kündigst du die trügerische Huld
Vergebens an, der Rache tiefe Künste
Versteht er meisterlich; mir drohen sie.
Im Laufe dieses Krieges fiel sein Sohn
Durch meine Hand, ja dieser Arm erlegt’ ihn,
Und meine Stimme sprach des Vaters Bann.
Mein Hass ist unbezwinglich wie sein Zorn.
Will er nach Mekka, muss er mich verderben,
Und der Gerechte schont Verräterer nicht.
Omar: Dass Mahomet verzeihend schonen kann,
Sollst du erfahren. Folge seinem Beispiel!
Er trägt dir an, zu teilen. Deine Stämme
Vom Raub der überwundnen Kön’ge zu bereichern.
Um welchen Preis willst du den Frieden geben?
Um welchen Preis Palmiren? Uns’re Schätze
Sind dein.
Sopir: Und so glaubst du mich anzulocken?
Mir meine Schande zu verkaufen? Mir
Den Frieden abzumarkten; weil du Schätze
Zu bieten hast, die ihr mit Missetaten
Errangt! Palmiren will er wieder? Nein!
So viele Tugenden sind nicht geschaffen,
Ihm untertan zu sein, er soll sie nicht besitzen,
Der Trüger, der Tyrann, der die Gesetze
Zu stürzen kommt, die Sitten zu vergiften.
Omar: Du sprichst unbiegsam noch als hoher Richter,
Der von dem Tribunal den Schuld’gen schreckt.
Du willst ein Staatsmann sein; so denke, handle,
Wie’s einem Staatsmann ziemt. Betrachte mich
Als den Gesandten eines großen Manns
Und Königs!
Sopir: Wer hat ihn gekrönt?
Omar: Der Sieg!
Bedenke seine Macht und seinen Ruhm!
Man nennt ihn Überwinder, Held, Erobrer;
Doch heute will er Friedensstifter heißen.
Noch ist sein Heer von dieser Stadt entfernt;
Doch es umschließt euch bald, und diese Mauern,
Die mich gezeugt, soll ich belagern helfen.
O höre mich! Lass uns das Blut ersparen;
Er will dich sehn, er will dich sprechen!
Sopir: Wer?
Omar: Er wünscht es.
Sopir: Mahomet?
Omar: Er selbst!
Sopir: Verräter!
Herrscht’ ich allein in diesen heil’gen Mauern,
So würde Strafe statt der Antwort folgen.
Omar: Sopir, mich jammert deine falsche Tugend!
Doch da, wie du gestehst, ein abgewürdigter
Senat das schwache Reich mit dir zu teilen
Sich anmaßt; wohl! er soll mich hören.
Nicht alle Herzen, weiß ich, sind für dich.
Sopir: Ich folge dir, und zeigen wird sich bald,
Wen man zu hören hat. Gesetz und Götter
Und Vaterland verteidigt meine Stimme;
Erhebe dann die deine! Leihe sie
Dem Gotte der Verfolgung, dem Entsetzen
Des menschlichen Geschlechts, den ein Betrüger,
Die Waffen in der Hand, verkünden darf.
(Zu Phanor, nachdem Omar abgegangen.)
Und du! hilf den Verräter mir verdrängen.
Ihn dulden heißt ihn schonen, heißt es sein.
Komm’ lass uns seinen Plan vereiteln! seinen Stolz
Beschämen. Komm! und wenn ich nicht vermag,
Dem Richtplatz ihn zu weihen, steig’ ich willig
Ins Grab hinunter. Hört mich der Senat;
Befreit sind wir, die Welt ist’s vom Tyrannen.

ZWEITER AUFZUG

– ERSTER AUFTRITT –

Séide. Palmire.

Palmire: Führt dich ein Gott in mein Gefängnis? soll
Mein Jammer enden? seh’ ich dich, Séide!
Séide: O süßer Anblick! Freude meines Lebens!
Palmire, meiner Schmerzen einz’ger Trost,
Wie viele Tränen hast du mich gekostet
Seit jenem Tag des Schreckens, da der Feind
Dich meinem blutgefärbten Arm entriss.
Vergebens widerstand ich seiner Macht,
Die in das Heiligste des Lagers drang;
Vergebens stürzt’ ich mich den Räubern nach,
Nur einen Augenblick errang ich dich.
Bald lag ich unter Toten hingestreckt
Am Saibar, verzweifelnd; mein Geschrei,
Das dich nicht mehr erreichte, rief den Tod.
Er hörte nicht. In welchen Abgrund stürzte,
Geliebteste Palmire, dein Verlust
Mein armes Herz. Mit jammervollen Sorgen
Bedacht’ ich die Gefahren um dich her.
Entbrannt von Wut irrt’ ich und schalt, verwegen,
Der Rache Zaudern. Stürzte mich im Geist
Auf diese Mauern. Ich beschleunigte
Den Tag des Bluts, des Mordes, und schon flammte,
Von meinen Händen angezündet, der Bezirk,
Der deinen Jammer eingekerkert hält.
Vergebens! Meine rege Phantasie
Verschwand in Finsternis. Ich war allein.
Nun aber handelt Mahomet. Wer darf
In seiner Pläne Göttertiefe spähen?
Er sendet Omar fort, nach Mekka, hör’ ich,
Um einen heil’gen Stillstand einzugehen;
Ich eil’ ihm nach, am Tor erreich ich ihn,
Man fordert Geiseln, und ich bin bereit.
Man nimmt mich an, man lässt mich ein, und hier
Bleib ich bei dir, gefangen oder tot.
Palmire: Du kommst mich von Verzweiflung zu erretten!
In dieser Stunde warf ich mich, bewegt,
Zu meines Räubers Füßen flehend hin.
O kenne, rief ich aus, mein ganzes Herz!
Mein Leben ist im Lager! Wie du mich von dort
Entführtest, sende mich zurück und gib
Das einz’ge Gut, das du geraubt, mir wieder!
Vergebens flossen meine Tränen, hart
Versagt er meine Bitten, mir verschwand
Des Tages Licht; mein Herz, beklemmt und kalt,
Von keiner Hoffnung mehr belebt, es schien
Auf ewig nun zu stocken; alles war
Für mich verloren — und Séide kommt.
Séide: Und wer kann deinen Tränen widerstehn?
Palmire: Sopir. Er schien gerührt von meinem Jammer;
Doch bald verhärtet und verstockt, erklärt’ er,
Es sei umsonst, er gebe mich nicht los. —
Séide: Du irrst, Barbar! dir drohet Mahomet
Und Omar; auch Séide darf sich nennen
Nach diesen großen Namen. Liebe,
Vertrauen, Hoffnung, Glaube, Mut befeuern
Den Jüngling, der nach Heldenruhm sich sehnte,
Und dem nun hier die schönste Palme winkt.
Wir brechen deine Ketten, trocknen deine Tränen!
Gott Mahomets! Beschützer unsrer Waffen!
Du, dessen heiliges Panier ich trug,
Der du Medinens Mauern niederrissest;
Auch Mekka stürze nieder, uns zu Füßen!
Omar ist in der Stadt! Geruhig sieht
Das Volk ihn an, nicht mit Entsetzen,
Wie Feinde feindlich den Besieger sehn.
Ihn sendet Mahomet zu großen Zwecken.
Palmire: Uns liebet Mahomet, befreiet mich,
Verbindet uns zwei Herzen, die ihm ganz
Gehören; aber ach! er ist entfernt,
Wir sind in Ketten.

– ZWEITER AUFTRITT –

Die Vorigen. Omar.

Omar: Nur getrost, es springen
Die Ketten bald entzwei. Der Himmel ist
Euch günstig. Mahomet ist nah.
Séide: Wer?
Palmire: Unser hoher Vater?
Omar: Zu dem Rat
Von Mekkas Ältesten sprach, eben jetzt,
Sein Geist durch meinen Mund:
„Der Freund des Gottes, der die Schlachten lenkt,
Der große Mann, der, einst bei euch geboren,
Nun Könige beherrschet und beschützt,
Den wollt ihr nicht als Bürger anerkennen?
Kommt er nun euch zu fesseln? zu verderben?
Er kommt euch zu beschützen! und noch mehr,
Er kommt euch zu belehren, und sein Reich
Allein in euren Herzen aufzurichten.“
So sprach ich, mancher Richter war bewegt,
Die Geister schwankten. Doch Sopir steht auf,
Er, der sich vor dem Himmelslichte fürchtet.
Das allen alten Wahn zerstreuen soll,
Beruft das Volk, für sich es zu bestimmen;
Es läuft zusammen und ich dringe zu.
Nun red’ ich auch und weiß die Bürger bald
Zu schrecken, bald zu überreden. Endlich
Erhalt ich einen Stillstand und das Tor
Für Mahomet ist offen, endlich naht er,
Nach fünfzehnjähriger Verbannung, seinem Herde.
Die Tapfersten umgeben ihn, er kommt
Mit Ali, Pharan, Ammon; alles Volk
Stürzt, ihn zu sehn, an seinen Weg. Die Blicke
Sind, wie der Bürger Sinn, verschieden. Dieser sieht
In ihm den Helden, dieser den Tyrannen.
Der eine flucht und droht, der andre stürzt
Zu seinen Füßen, küsst sie, betet an.
Wir rufen dem bewegten Volk entgegen
Die heil’gen Namen: Friede! Freiheit! Gott!
Und die Partei Sopirs, verzweifelnd, haucht
Der Raserei ohnmächt’ge Flammen aus.
Durch den Tumult, mit ruhig freier Stirn,
Tritt Mahomet heran, als Herrscher; doch er führt
Den Ölzweig, und der Stillstand ist geschlossen.
Groß ist der Augenblick. Hier kommt er selbst.

– DRITTER AUFTRITT –

Mahomet. Omar. Gefolge. Séide. Palmire.

Mahomet: Unüberwindliche Gefährten meiner Macht,
Mein edler Ali, Morat, Pharan, Ammon,
Begebt euch zu dem Volk zurück, belehrt’s
In meinem Namen, droht, versprecht. Die Wahrheit
Allein soll sie regieren, wie mein Gott.
Anbeten soll man ihn, man soll ihn fürchten.
Wie? Auch Séide hier?
Séide: Mein Vater! mein Gebieter!
Der Gott, der dich begeistert, trieb mich an.
Bereit für dich Unmögliches zu wagen,
Zu sterben, eilt’ ich vor, eh’ du befahlst.
Mahomet: Du hättest warten sollen! Mir zu dienen
Versteht nur der, der meinen Wink befolgt.
Gehorch’ ich meinem Gott, gehorchet mir!
Palmire: O Herr! vergib ihm, seiner Ungeduld!
Du ließest uns zusammen auferziehn;
Ein Geist belebt uns, Ein Gefühl durchdringt uns.
Ach! meine Tage waren trüb genug.
Entfernt von dir, von ihm, gefangen, schmachtend,
Eröffnet sich mein mattes Aug’ dem Licht,
Nach langer Zeit, zum Erstenmale wieder.
Ach! diesen Augenblick vergäll’ ihn nicht.
Mahomet: Genug, Palmire! Deines Herzens Tiefen
Durchschau ich. Bleibe still und unbesorgt.
Leb wohl! die Sorge für Altar und Thron
Hält mich nicht ab, dein Schicksal zu bedenken.
Ich bin für dich besorgt, wie für die Welt;
Drum warn’ ich dich vor einem Manne, vor Sopiren.
(Zu Séiden)
Du suchst meine Krieger auf.

– VIERTER AUFTRITT –

Mahomet. Omar.

Mahomet: Du, wackrer Omar, bleibest und vernimmst,
Was ich in meinem Sinn und Herzen wälze.
Soll ich die Stadt belagern? die vielleicht
Hartnäckig widersteht, und meinen Sieg
Im raschen Laufe hemmet, ja wohl gar
Die Bahn begrenzt, die ich durchlaufen kann.
Die Völker müssen keine Zeit gewinnen,
Von meiner Taten Glanz sich zu erholen.
Das Vorurteil beherrscht den Pöbel. Alt
Ist das Orakel, die gemeine Sage,
Die einen gottgesandten Mann der Welt
Versprechen. Überall soll ihn der Sieg
Erst krönen, und er soll nach Mekka dann
Mit einem Ölzweig kommen, wohlempfangen,
Den Krieg von dieser heil’gen Stätte wenden.
Lass uns der Erde Wahn getrost benutzen;
Ich fühle mich zu ihrem Herrn bestimmt.
Die Meinen dringen schon, mit neuem Eifer
Und Geisteskraft aufs unbeständ’ge Volk.
Du aber sage mir, wie fandest du
Palmiren und Séiden?
Omar: Immer gleich.
Von allen Kindern, welche Hammon dir
Erzogen, sie zu deinem Dienst, zu deinem
Gesetz genähret und gebildet, die
Vor deinem Gott sich beugen, dich als Vater
Verehren, keins von allen hat ein Herz
So bildsam, keines einen Geist
Zum Glauben so geneigt als dieses Paar.
Ergeben sind sie dir wie keine sind.
Mahomet: Und dennoch sind sie meine größten Feinde.
Sie lieben sich! das ist genug.
Omar: Und schiltst
Du ihre Zärtlichkeit?
Mahomet: O lerne mich,
Und meine Wut, und meine Schwachheit kennen!
Omar: Was sagst du?
Mahomet: Omar, dir ist nicht verborgen,
Wie eine Leidenschaft die übrigen,
Die in mir glühen, mit Gewalt beherrscht.
Von Sorge für die Welt belastet, rings umgeben
Vom Sturm des Krieges, der Parteien Woge,
Schwing ich das Rauchfass, führ ich Szepter, Waffen;
Mein Leben ist ein Streit, und mäßig, nüchtern,
Bezwing ich die Natur, mit Ernst und Strenge.
Verbannt ist der verräterische Trank,
Der Sterbliche zu heben scheint und schwächt.
Im glüh’nden Sand, auf rauhen Felsenflächen,
Trag ich, mit dir, der strengen Lüfte Pein,
Und keiner unsrer Krieger duldet besser
Der Heereszüge tausendfält’ge Not.
Für alles tröstet mich die Liebe. Sie allein,
Sie ist mein Lohn, der Arbeit einz’ger Zweck,
Der Götze dem ich räuchre, ja! mein Gott!
Und diese Leidenschaft, sie gleicht der Raserei
Der Ehrsucht, die mich über alles hebt.
Gesteh’ ichs! heimlich glüh’ ich für Palmiren! sie
Ist mir vor allen meinen Frauen wert.
Begreifst du nun die höchste Raserei
Der Eifersucht, wenn sich Palmire mir
Zu Füßen wirft, ihr ganzes Herz mir zeigt,
Das einem andern schon gehört? Entrüstet
Steh’ ich vor ihr, und fühle mich beschämt.
Omar: Und du bist nicht gerächt? [gerochen]
Mahomet: Hör’ erst alles.
Und lern’ ihn kennen, um ihn zu verwünschen.
Die beiden, meine Feinde, die Verbrecher, sind —
Sind Kinder des Tyrannen, den ich hasse!
Omar: Sopir?
Mahomet: Ist Vater dieser beiden! Hammon brachte
Vor fünfzehn Jahren sie in meine Hand.
An meinem Busen nährt’ ich diese Schlangen,
Und ihre Triebe feindeten mich an.
Sie glühten für einander, und ich fachte
Selbst Odem ihren Leidenschaften zu.
Vielleicht versammelt hier der Himmel alle
Verbrechen! Ja, ich will — er kommt, er blickt
Uns grimmig hassend an, und seinen Zorn
Verbirgt er nicht. Du gehst, bemerkest alles.
Mit meinen Tapfern soll sich Ali fest
Am Tore halten! Bringe mir Bericht,
Zu überlegen, ob mit meinen Streichen
Auf ihn ich zaudern oder eilen soll.

– FÜNFTER AUFTRITT –

Mohamet. Sopir.

Sopir: O welche Last zu meinen tiefen Schmerzen!
Empfangen soll ich hier den Feind der Welt.
Mahomet:
Da uns der Himmel hier zusammen bringt; so komm!
Sieh ohne Furcht mich an und ohn’ Erröten.
Sopir: Erröten sollt’ ich nur für dich, der nicht
Geruht, bis, mit Gewalt und List, er endlich
Sein Vaterland dem Abgrund zugeführt;
Für dich, der hier nur Missetaten sät,
Und mitten in dem Frieden Krieg erzeugt.
Dein Name schon zerrüttet uns’re Häuser,
Und Gatten, Eltern, Mütter, Kinder feinden
Sich, Weltverwirrer, deinetwegen an.
Der Stillstand ist für dich nur Mittel, uns
Zu untergraben; wo du schreitest, drängt
Der Bürgerkrieg sich deinem Pfade nach.
Du Inbegriff von Lügen und von Kühnheit!
Tyrann der Deinen! und du wolltest hier
Mir Friede geben und mir Gott verkünden?
Mahomet: Spräch’ ich mit einem andern als mit dir,
So sollte nur der Gott, der mich begeistert, reden.
Das Schwert, der Koran, in der blut’gen Hand,
Sollt’ einem jeden Schweigen auferlegen.
Wie Donnerschläge wirkte meine Stimme,
Und ihre Stirnen säh’ ich tief im Staub.
Doch dich behandl’ ich anders, und mit dir
Sprech ich als Mensch und ohne Hinterhalt.
Ich fühle mich so groß, dass ich dir nicht
Zu heucheln brauche. Wir sind hier allein!
Du sollst mich kennen lernen; höre mich.
Mich treibt die Ehrsucht, jeden Menschen treibt sie;
Doch niemals hat ein König, nie ein Priester,
Ein Feldherr, oder Bürger solchen Plan
Wie ich empfangen, oder ausgebildet.
Von mir geht eine rasche Wirkung aus,
Die auch den Meinen hohes Glück verspricht.
Wie manches Volk hat auf der Erde schon
Geglänzt an seiner Stelle, durch Gesetz,
Durch Künste, doch besonders durch den Krieg.
Nun endlich tritt Arabien hervor.
Ein edles Volk, in Wüsten, unbekannt,
Vergräbt es lange seinen hohen Wert.
Blick auf und sieh die neuen Siegestage
Herannahn! Sieh von Norden gegen Süden
Die Welt versunken, Persien in Blut,
Schwach Indien, in Sklaverei Ägypten
Erniedrigt, und der Glanz der Mauern Constantins
Verfinstert; sieh das Reich, dem Rom gebot,
Nach allen Seiten auseinander brechen,
Zerstückt den großen Körper! seine Glieder,
Zerstreut, und ohne Hoffnung, traurig zucken.
Auf diese Trümmern einer Welt lass uns
Arabien erheben. Neuen Gottesdienst
Bedürfen sie, bedürfen neue Hilfe,
Die tiefgesunknen, einen neuen Gott.
Einst gab Osiris den Ägyptern, einst
Den Asiaten Zoroaster, Moses
Den Juden, in Italien gab Numa
Halbwilden Völkern, unzulängliche
Gesetze; nun, nach tausend Jahren, komm’ ich,
Die gröberen Gebote zu verändern.
Ein edler Joch biet’ ich den Völkern an.
Die falschen Götter stürz’ ich, neuer Gottesdienst,
Die erste Stufe meiner Größe, lockt
Die Herzen an. Mit Unrecht tadelst du,
Dass ich mein Vaterland betrüge. Nein,
Ich raub’ ihm seines Götzendienstes Schwäche,
Und unter Einem König, Einem Gott,
Vereint es mein Gesetz. Wie es mir dient;
So soll es herrlich werden auf der Erde.
Sopir: Das sind nun deine Pläne! Kühn gedenkest du
In andere Gestalt, nach deinem Willen,
Die Welt zu modeln, willst, mit Mord und Schrecken,
Dem Menschen deine Denkart anbefehlen;
Und du, Verheerer, sprichst von Unterricht!
Ach! wenn ein Irrtum uns verführte, wenn
Ein Lügengeist im Dunkeln uns bezwang,
Mit welcher Schreckensfackel dringst du ein,
Uns zu erleuchten? Wer erteilte dir
Das Recht zu lehren, uns die Zukunft zu
Verkündigen? das Rauchfass zu ergreifen und
Das Reich dir anzumaßen?
Mahomet: Dieses Recht
Gibt sich der hohe Geist, der große Pläne
Zu fassen und beharrlich zu verfolgen
Verstehet, selbst, und fühlet sich geboren,
Das dunkle, das gemeine Menschenvolk zu leiten.
Sopir: Und jeder mutige Betrüger dürfte
Den Menschen eine Kette geben? Er
Hat zu betrügen Recht, wenn er mit Größe
Betrügt?
Mahomet: Wer sie und ihr Bedürfnis kennt
Und es befriedigt, der betrügt sie nicht.
Sie sehnen sich nach neuem Gottesdienst;
Der meine wird ihr Herz erheben. Das
Bedürfen sie. Was brachten deine Götter
Hervor? wann haben sie wohltätig sich gezeigt?
Entspringt der Lorbeer zu den Füßen ihres
Altares? Nein! dein niedrig dunkler Sinn
Entwürdiget die Menschen und entnervt sie,
Macht sie beschränkt und stumpf. Doch meine Lehre
Erhebt den Geist, entwickelt Kraft und Mut,
Macht unerschütterlich, und mein Gesetz
Erschafft sich Helden!
Sopir: Räuber magst du sagen!
Bei mir kann deine Lehre nicht gedeihn.
Rühm in Medina deines Truges dich,
Wo deine Meister unter deinen Fahnen,
Verführt, sich sammeln, wo sich deines Gleichen
Zu deinen Füßen werfen.
Mahomet: Seines Gleichen
Hat Mahomet schon lange nicht gesehen.
Bezwungen ist Medina, Mekka zittert;
Dein Sturz ist unvermeidlich. Nimm den Frieden an!
Sopir: Auf deinen Lippen schallt der Friede, doch
Dein Herz weiß nichts davon. Mich wirst du nicht
Betrügen.
Mahomet: Brauch’ ich das? der Schwache nur
Bedarf des Trugs, der Mächtige befiehlt.
Befehlen werd’ ich morgen das, warum
Ich heute dich ersuche. Morgen kann ich
Mein Joch auf deinem Nacken sehen, heute
Will Mahomet dein Freund sein.
Sopir: Freunde? wir?
Auf welch ein neues Blendwerk rechnest du?
Wo ist der Gott, der solch ein Wunder leistet?
Mahomet: Er ist nicht fern, ist mächtig! sein Gebot
Wird stets befolgt, er spricht zu dir, durch mich.
Sopir: Wer?
Mahomet: Die Notwendigkeit, dein Vorteil!
Sopir: Nein!
Eh’ uns ein solches Band vereinen soll,
Eh’ mag die Hölle sich dem Himmel paaren.
Der Vorteil ist dein Gott, der meine bleibt
Gerechtigkeit, und solche Feinde schließen
Kein sicher Bündnis. Welch ein Pfand vermagst du
Zur Sicherheit der unnatürlichen
Verbindung vorzuschlagen? Ist’s vielleicht
Dein Sohn, den dir mein Arm geraubt? Vielleicht
Willst du das Blut mir zeigen meiner Kinder,
Das du vergossest?
Mahomet: Deine Kinder! ja!
Vernimm denn ein Geheimnis, das allein
Ich auf der Welt bewahre! Du beweinest
So lange deine Kinder, und sie leben.
Sopir: Sie leben! sagst du? Himmel! Tag des Glücks!
Sie leben! und durch dich soll ich’s erfahren!
Mahomet: In meinem Lager, unter meinen Sklaven.
Sopir: Sie dienen dir? sie, meine Kinder, dir?
Mahomet: Wohltätig nährt’ ich sie und zog sie auf.
Sopir: Und du erstrecktest nicht den Hass auf sie?
Mahomet: An Kindern straf’ ich nicht der Väter Schuld.
Sopir: Vollende! sprich! enthüll ihr ganz Geschick!
Mahomet: Ihr Leben ist, ihr Tod in meiner Hand.
Du sprichst ein einzig Wort, und sie sind dein.
Sopir: Ich kann sie retten? Nenne mir den Preis!
O lass die Bande mich mit ihnen tauschen!
Willst du mein Blut, es fließet gern für sie.
Mahomet: Nein! komm vielmehr und tritt auf meine Seite.
Durch dein Gewicht befestige das Reich.
Verlasse deinen Tempel, übergib
Mir Mekka, sei gerührt von meinem Glauben,
Den Koran kündige den Völkern an,
Dien’ als Prophet, als treuer Eif’rer mir;
Frei ist dein Sohn, ich bin dein Eidam.
Sopir: Götter!
Zu welcher Prüfung habt ihr mich gespart?
Ja, ich bin Vater! Mahomet! ich fühle,
Nach fünfzehn Schmerzensjahren, ganz das Glück,
Das mich erwartete, wenn ich sie wieder
Vor mir erblickte, sie an dieses Herz
Noch einmal schlösse. Gerne wollt’ ich sterben,
Von ihren Armen einmal noch umfangen;
Doch wenn du forderst, dass ich meinen Gott,
Mein Vaterland an dich verrate, mich
In schnöder Heuchelei vor dir erniedrige;
So fordre lieber, dass ich die Geliebten
Mit eignen Händen opfre; meine Wahl
Wird keinen Augenblick im Zweifel schweben.
(Sopir geht ab.)
Mahomet: Geh, stolzer Bürger, eigensinn’ger Greis!
Du forderst selbst zur Grausamkeit mich auf,
Zur unbezwungnen Härte.

– SECHSTER AUFTRITT –

Mahomet. Omar.

Omar: Zeige sie,
Wenn wir nicht fallen sollen. Deiner Feinde
Geheimnisse sind mir verkauft, es steht
Die Hälfte des Senates gegen dich. Sie haben
Dich heimlich angeklagt und dich verdammt,
Und des Gerichtes heilge Scheu verbirgt
Den Meuchelmord, auf den man sinnet. Morgen,
Gleich wenn der Stillstand endet, soll Sopir
Und seine blut’ge Rache triumphieren.
Mahomet: Ereilen soll sie meine Rache! Fühlen
Soll dieses widerspenst’ge Volk die Wut
Des Manns, der zu verfolgen weiß. Sopir
Soll untergehn.
Omar: Wenn dieses starre Haupt
Zu deinen Füßen liegt, ist alles dein,
Die andern beugen sich; doch säume nicht!
Mahomet: Ich muss den Zorn in meiner Brust verhalten,
Die Hand verbergen, die den Streich vollbringt,
Von mir des Pöbels Auge klug hinweg
Nach einem andern lenken.
Omar: Achtest du
Den Pöbel?
Mahomet: Nein, doch muss er uns verehren.
Drum brauch’ ich einen Arm, der mir gehorcht;
Die Frucht sei unser und er trag’ die Schuld.
Omar: Der Arm ist schon gefunden! Niemand ist
Zu solcher Tat geschickter als Séide.
Mahomet: Du glaubst?
Omar: Er wohnt als Geisel bei Sopiren;
Er nahet sich ihm frei und findet leicht
Den Augenblick, die Rache zu vollbringen,
Und sein beschränkter Sinn macht ihn geschickt.
Die andern, die sich deiner Gunst erfreun,
Sind eifrig, aber klug. Erfahrung lehrte
Sie deinen Vorteil und den eignen kennen;
Auf bloßen Glauben wagte keiner leicht
Die Schreckenstat, die ihn verderben kann.
Ein einfaches Gemüt bedarfs, das mutig blind
In seine Sklaverei verliebt sei. Nur
Die Jugend ist die Zeit der vollen Täuschung.
Séide hegt die Glut des Aberglaubens
In seinem Busen; anzufachen ist
Sie leicht.
Mahomet: Séiden wählst du?
Omar: Ja, den schlag ich vor,
Des kühnen Feindes unbezähmten Sohn,
Der mit verbotnen Flammen dich verletzt.
Mahomet: Er sei verwünscht! Nenn ihn vor mir nicht mehr!
Die Asche meines Sohnes ruft um Rache.
Gefahr häuft auf Gefahr sich jede Stunde,
Und Leidenschaften wüten in der Brust;
Mich ziehet eine holde Schönheit an,
Ihr Vater ist mein unversöhnter Feind.
Abgründe liegen um mich her, ich schreite
Hindurch nach einem Thron! und ein Altar,
Dem neuen Gott errichtet, soll sogleich
Von unerhörten Opfern grässlich bluten.
Sopir muss untergehn, so auch sein Sohn!
Mein Vorteil wills, mein Hass und meine Liebe.
Sie reißen mich gewaltig mit sich hin.
Die Religion verlangt es, die wir bringen,
Und die Notwendigkeit, sie forderts mit Gewalt.

DRITTER AUFZUG

– ERSTER AUFTRITT –

Palmire. Séide.

Palmire: Verweile! sprich! Welch Opfer kann es sein?
Welch Blut? das, insgeheim die göttliche
Gerechtigkeit verlangt. Verlass mich nicht
In diesen ahnungsvollen Augenblicken.
Séide: Gott würdigt, Gott beruft mich! Diesen Arm
Hat er erwählt, ich soll ihm näher treten.
Ein heil’ger Eid, ein hoher, schreckensvoller,
Soll mich dem Unerforschlichen verbinden.
Mich führet Omar zu dem Heil’gen ein;
Ich schwöre Gott, für sein Gesetz zu sterben;
Mein zweiter Schwur, Palmire, bleibt für dich.
Palmire: Du gehst allein, warum? Was ruft man dich
Von mir hinweg? O, könnt’ ich mit dir gehen!
An deiner Seite fühlt’ ich keine Furcht.
Ich bin beängstet. Eben Omar wollte
Mich trösten, stärken; doch er schreckte mich.
Er sprach geheimnisvoll, sprach von Verrat,
Von Blut das fließen werde, von der Wut
Der Ältesten des Volks, von Meuterei
Sopirens. Wenn der Stillstand nun erlischt,
Was wird es werden? Flammen brennen schon,
Die Dolche sind bereit, sie sind gezuckt,
Sie werden treffen. Der Prophet hat es
Gesagt, er trüget nicht. Was wird aus uns?
Ich fürchte von Sopiren alles, alles für
Séiden.
Séide: Wär es möglich dass Sopir
Ein so verrätrisch Herz im Busen trüge!
Als Geisel trat ich heute vor ihm auf;
Mit Adel und mit Menschlichkeit empfing
Er mich so schön, im Innern fühlt’ ich mich,
Wie von geheimer Macht, zu ihm gezogen,
Und unsern Feind konnt ich in ihm nicht sehn.
Sein Name, seine hohe Gegenwart
Erfüllten mich mit Ehrfurcht, sie verdeckten
Dem unerfahrnen Jüngling seine Tücke
Und schlossen mir das Herz gewaltig auf.
Doch nein, dein Anblick wars, da ich dir wieder
Zum erstenmal begegnete, mein Glück
Von ganzer Seele fühlte, jeden Schmerz vergaß,
Und Furcht und Sorgen alle von mir wies,
Nichts kannte, sah, nichts hörte mehr als dich;
Da fühlt’ ich mich auch glücklich bei Sopiren.
Nun hass’ ich den Verführer desto mehr,
Und will der Stimme, die für ihn sich regt,
In meinem Herzen kein Gehör verleihn.
Palmire: Wie hat der Himmel unser Schicksal doch
In allem inniglich verbunden! uns
Zu Einem Willen väterlich vereint!
Auch ich, Geliebter, wär ich nicht die Deine
Und zöge mich unwiderstehlich nicht
Die Liebe zu dir hin, begeisterte
Mich Mahomets erhabne Lehre nicht,
Wie dich, wie gern würd’ ich Sopiren trauen!
Séide: Das ist Versuchung, die uns zu dem Manne
Zu reißen strebet. Lass uns widerstehn,
Des Gottes Stimme hören, dem wir dienen.
Ich gehe jenen großen Eid zu leisten.
Gott, der mich hört, wird uns begünstigen,
Und Mahomet, als Priester und als König,
Wird unsre reine Liebe segnend krönen;
Dich zu besitzen wag’ ich jeden Schritt.

– ZWEITER AUFTRITT –

Palmire: Er geht beherzt; doch kann ich meinen Geist
Von einer schwarzen Ahnung nicht befreien.
Die Sicherheit geliebt zu sein, das reine
Gefühl zu lieben, heitert mich nicht auf.
Der lang ersehnte Tag erscheinet mir
Ein Tag des Schreckens. Welchen Schwur verlangt
Man von Séiden? Es verwirrt mich! Alles
Erreget mir Verdacht. Sopiren fürcht’ ich
Und wenn ich mein Gebet zu Mahomet
Erhebe, flößt sein heil’ger Name mir
Ein Grauen ein, so sehr ich ihn verehre.
Befrei, o Gott! aus dieser Lage mich!
Mit Zittern dien’ ich dir, gehorche blind.
Mach dieser Angst ein Ende, diesen Tränen!

– DRITTER AUFTRITT –

Mahomet. Palmire.

Palmire: O Herr! dich sendet mir ein Gott zu Hilfe.
Séide —
Mahomet: (seinen Zorn verbergend)
Welch Entsetzen fasste dich?
Bin ich nicht hier? was fürchtet man für ihn?
Palmire: O Gott! soll ich noch mehr geängstet werden!
Welch unerhörtes Wunder! du bist selbst
Erschüttert? Mahomet ist auch bewegt?
Mahomet: Ich sollt’ es sein, und wär ich es um dich.
Wo ist die Scham? dass deine Jugend mir
Gewaltsam Flammen zeigen darf, die ich
Vielleicht missbillige. Und könntest du
Gefühle nähren die ich nicht gebot?
Dich warnte keine Stimme? kein geheimes,
Wohltät’ges Schrecken? Dich, die ich gebildet,
Muss ich so ganz verändert wieder finden!
Hast du dem Vater alle Dankbarkeit,
Dem heiligen Gesetze Treu und Ehrfurcht
Und deinem Herrn Gehorsam abgeschworen?
Palmire: (fällt nieder)
Was sagst du? Überrascht und zitternd liegt
Palmire dir zu Füßen. Schaudernd senk ich
Den Blick zum Boden. Ja, ich fühlte mich
Vernichten, hielte mich die Kraft
Unschuld’ger, reiner Liebe nicht empor.
Wie? hast du nicht mit günst’gen Blicken selbst,
An diesem Ort, auf uns herab gesehn?
Die Hoffnungen genähret und gebilligt?
Ach! dieses schöne Band, das Gott um uns
Geschlungen, fesselt uns noch mehr an dich.
Mahomet: Der Unbesonnene verscherzt sein Glück.
Verbrechen lauern auch der Unschuld auf.
Das Herz kann sich betrügen. Diese Liebe,
Du kannst mit Tränen sie, mit Blut bezahlen.
Palmire: Mein Blut? mit Freuden flöss es für Séiden.
Mahomet: Du liebst ihn so?
Palmire: Seit jenem Tag als Hammon
Uns deinen heil’gen Händen übergab,
Wuchs diese Neigung, still allmächtig, auf.
Wir liebten, wie wir lebten, von Natur.
So gingen Jahre hin, wir lernten endlich
Den süßen Namen unsers Glückes kennen,
Und nannten Liebe nun, was wir empfanden.
Wir dankten Gott; denn es ist doch sein Werk.
Du sagst es ja, die guten Triebe kommen
Von ihm allein, und was in unsrer Brust
Er gutes schafft, ist ewig, wie er selbst.
Sein Wille wechselt nie. Nein! er verwirft
Die Liebe nicht, die aus ihm selbst entsprang.
Was Unschuld war, wird immer Unschuld sein,
Kann nicht Verbrechen werden.
Mahomet: Ja, es kanns!
Drum zittre! Bald erfährst du ein Geheimnis!
Erwart’ es, und erwarte was ich dir
Zu wünschen und zu meiden anbefehle.
Mir glaubst du, mir allein.
Palmire: Und wem als dir?
An deinen Lehren und Befehlen hält
Der Ehrfurcht heilige Gewohnheit mich.
Mahomet: Bei Ehrfurcht ist nicht immer Dankbarkeit.
Palmire: Ich fühle beide. Könnten sie verlöschen;
So strafe mich Séidens Hand vor dir.
Mahomet: (Mit verhaltnem Zorn)
Séidens!
Palmire: Blicke mich nicht zornig an!
Mein Herz ist schwer gebeugt, du wirst es brechen.
Mahomet: (gefasst und gelind)
Ermanne dich und nähere dich mir!
Ich habe nun dein Herz genug geprüft,
Du kannst auf meinen Beistand dich verlassen.
Vertrauen ford’re ich und du gibst es gern,
Und dein Gehorsam gründet dein Geschick.
Sorgt’ ich für dich, gehörst du mir; so lerne
Das, was ich dir bestimmte, zu verdienen.
Und was ein göttlicher Befehl Séiden auch
Gebieten kann, darin bestärk ihn, lass
Zur Stimme seiner Pflicht die deine sich gesellen.
Er halte seinen Schwur! dies ist der Weg,
Dich zu verdienen.
Palmire: Zweifle nicht, mein Vater!
Was er versprach, erfüllt er. Wie für mich
Steh ich für ihn. Séide betet dich
Mit vollem Herzen an, wie er mich liebt.
Du bist ihm König, Vater, einz’ger Schutz.
Ich weiß, ich fühl es! und ich schwör es, hier
Zu deinen Füßen, bei der Liebe, die
Ich für ihn hege. Und ich eile nun
Zu deinem Dienst ihn treulich anzufeuern.

– VIERTER AUFTRITT –

Mahomet: Sie macht mich zum Vertrauten ihrer Liebe!
Mit Offenheit beschämt sie meine Wut,
Mit Kindersinn schwenkt sie den Dolch auf mich!
Verruchte Brut! Verhasst Geschlecht! Du bist
Zu meiner Qual geboren; Vater, Kinder,
Eins wie das andre! doch ihr sollt, zusammen,
Des Hasses, wie der Liebe Wut und Macht
An diesem Schreckenstage grimmig fühlen.

– FÜNFTER AUFTRITT –

Mahomet. Omar.

Omar: Die Zeit ist da! Bemächt’ge dich Palmirens,
Besetze Mekka und Sopiren strafe.
Sein Tod allein bezwingt dir unsre Bürger,
Doch alles ist verloren, kommst du nicht
Der feindlichen Gesinnung dieses Manns zuvor.
Erwartest du des Stillstands Ende hier;
So bist du gleich gefangen, bist ermordet.
Entfernst du dich aus Mekka, wird die Frucht
Von diesem ersten großen Schritt verschwinden.
Drum rasch! Séide harrt, er denkt, vertieft
Und trüb, dem Schwure nach und was du ihm
Für einen Auftrag geben werdest, den
Er zu vollbringen schon entschlossen ist.
Er kann Sopiren sehn, ihm nahen. Hier
In diesen Hallen ist der schwache Mann
Gewohnt, zu Nacht, den Göttern seines Wahns,
Mit nicht’gen Weihrauchswolken, seiner Wünsche
Starrsinn’ge Torheit zu empfehlen. Da
Mag ihn Séide suchen, und, berauscht,
Vom Eifer deiner Lehre hingerissen,
Dem Gott ihn opfern, der durch dich befiehlt.
Mahomet: Er opf’re ihn, wenn es sein muss.
Zu Verbrechen ist er geboren! Er verübe sie,
Und unter ihren Lasten sink er nieder.
Gerächt [Gerochen] muss ich, sicher muss ich sein.
Die Glut der Leidenschaft und mein Gesetz,
Die strengen Schlüsse der Notwendigkeit
Befehlens. Aber hoffst du, dass sein Herz
So vielen Glaubens Mut und Eifer hege?
Omar: Er ist geschaffen, diesen Dienst zu tun,
Und zu der Tat wird ihn Palmire treiben.
In Lieb’ und Schwärmerei schwebt seine Jugend
Und seine Schwäche kehret sich in Wut.
Mahomet: Hast du mit Schwüren seinen Geist gebunden?
Omar: Der heiligen Gebräuche finstre Schrecken,
Verschlossne Pforten, ungewisses Licht,
Ein dumpfer Schwur, der ew’ge Strafen droht,
Umfingen seinen Sinn. Zum Vatermord
Druckt’ ich den schärfsten Stahl in seine Hand,
Und unter heil’gem Namen facht’ ich, wild,
Die Flamme des Parteigeists in ihm auf.
Er kommt.

– SECHSTER AUFTRITT –

Mahomet. Séide. Omar.

Mahomet: O Sohn des Höchsten, der dich ruft!
Vernimm in meinen Worten seinen Willen.
Du bist bestimmt, des heil’gen, einz’gen Dienstes
Verachtung, bist bestimmt Gott selbst zu rächen.
Séide: Als König, Hohenpriester, als Propheten,
Als Herrn der Nationen, den der Himmel
Ausdrücklich anerkennt, verehr ich dich.
Mein ganzes Wesen, Herr! beherrschest du;
Erleuchte nur, mit einem Wort, den dunklen
Gelehr’gen Sinn! Gott rächen soll ein Mensch?
Mahomet: Durch deine schwachen Hände will der Herr
Die Schar unheiliger Verächter schrecken.
Séide: So wird der Gott, des Ebenbild du bist,
Zu rühmlich großen Taten mich berufen?
Mahomet: Gehorche, wenn er spricht! Das sei dein Ruhm.
Befolge blind die göttlichen Befehle!
Bet’ an und triff! Der Herr der Heere waffnet,
Der Todesengel leitet deinen Arm.
Séide: So sprich! und welche Feinde sollen nieder?
Welch ein Tyrann soll fallen, welches Blut soll fließen?
Mahomet: Des Mörders Blut, den Mahomet verflucht,
Der uns verfolgte, der uns noch verfolgt,
Der meinen Gott bestritt, der meine Jünger
Ermordete. Das Blut Sopirs.
Séide: Sopirs!
Den sollte diese Hand? —
Mahomet: Verweg’ner, halt!
Wer überlegt der lästert. Fern von mir
Vermess’ner Sterblichen beschränkter Zweifel,
Die eignen Augen, eignem Urteil traun!
Zum Glauben ist der schwache Mensch berufen,
Ein schweigender Gehorsam ist sein Ruhm.
Verkennst du wer ich bin? Verkennst du, wo
Des Himmels Stimme dir verkündigt wird?
Wir sind in Mekka. Wenn sein Volk bisher
Abgöttern sich im Wahn dahingegeben,
So bleibt doch dieser Boden, diese Stadt
Das Vaterland der Völker Orients.
Warum soll dieser Tempel alle Welt
Versammelt sehn? Warum soll ich von hier
Ein neu Gesetz verkündigen? warum
Bin ich als König, Hoherpriester
Hierhergesandt? warum ist Mekka heilig?
Erfahr es! Abraham ist hier geboren!
In diesem Raume ruhet sein Gebein.
War es nicht Abraham, der seinen Sohn,
Den einz’gen, am Altar, das ew’ge Wort
Anbetend, fesselte; für seinen Gott,
Die Stimme der Natur erstickend, selbst
Das Messer nach dem vielgeliebten Busen zuckte?
Wenn dieser Gott dich nun zur Rache ruft,
Wenn ich die Strafe seines Feinds verlange,
Wenn er dich wählt, so darfst du zweifelnd schwanken?
Hinweg du Götzendiener! Nimmer warst du wert,
Ein Muselmann zu sein! Such einen andern Herrn!
Schon war der Preis bereit, Palmire dein;
Dem Himmel trotzest du, verachtest sie.
Du wirst ihm, Schwacher, Feiger, nicht entfliehen!
Die Streiche fallen auf dich selbst zurück.
Verbirg dich, krieche, diene meinen Feinden!
Séide: Ich höre Gottes Stimme, du befiehlst,
Und ich gehorche.
Mahomet: Ja, gehorche! Triff!
Mit eines Ungerechten Blut bespritzt
Gehst du ins ew’ge Leben herrlich ein.
(zu Omar)
Folg ihm von fern und halte stets auf ihn
Und seinen Gang dein Auge wachend offen.

– SIEBENTER AUFTRITT –

Séide.

Séide: Den Greis zu morden, dessen Geisel ich,
Ja, dessen Gast ich bin, der, schwach und wehrlos,
Von seiner Jahre Last gebändigt, schwankt!
Genug! So fällt ein armes Opferlamm
Auch am Altar. Sein Blut gefällt dem Himmel.
Hat Gott mich nicht zum Priester dieser Tat
Erlesen? Schwur ich nicht? — Sie soll geschehn.
Kommt mir zu Hilfe! Männer, deren Arm
Mit hoher Kraft Tyrannen niederschlug!
Mein Eifer schließt an eure Wut sich an;
Beschleunigt meiner Hände heil’gen Mord!
Komm, Engel Mahomets! Vertilger, komm!
Mit wilder Grausamkeit durchdringe mich! —
Was muss ich sehn? Hier tritt er selbst heran?

– ACHTER AUFTRITT –

Sopir. Séide.

Sopir: Verwirrt, Séide, dich mein Auge? Sieh
Mich mit Vertrauen an; denn ich verdien’s.
Blick in mein Herz, es ist für dich besorgt,
Du bist, als Geisel, in bedenklicher,
Gefahrenvoller Zeit mir übergeben;
Du rührst mich, und nur wider Willen zähl ich
Dich unter meine Feinde. Wenn der Stillstand
Den Drang der raschen Kriegeswut gehemmt,
So kann der Schein des Friedens bald verschwinden.
Mehr sag ich nicht. Doch wider Willen bebt
Mein Herz bei der Gefahr, die dich umgibt.
Geliebter Fremdling! Eines bitt’ ich nur:
In diesen Stürmen, die uns drohn, verlass
Mein Haus nicht! Hier allein ist Sicherheit.
Hier steh’ ich für dein Leben, mir ist’s wert.
Versprich mir’s!
Séide: Harte Pflicht. O! Gott im Himmel!
Sopir, und hast du keinen andern Zweck
Als mich zu schützen? Über meine Tage
Zu wachen? Musst’ ich so ihn kennen lernen,
Jetzt da sein Blut von mir gefordert wird.
O! Mahomet! verzeihe diese Regung!
Sopir: Erstaunst du, dass ich einen Feind bedaure?
Doch ich bin Mensch, und das ist mir genug,
Unglückliche zu lieben, zu beschützen,
An deren Unschuld meine Neigung glaubt.
Vertilget, große Götter, von der Erde
Den Mann, der Menschenblut mit Lust vergießt!
Séide: Wie greift dies Wort an mein zerrüttet Herz!
Die Tugend kennt auch meines Gottes Feind?
Sopir: Du kennst sie wenig, weil du staunst. Mein Sohn,
In welchem tiefen Irrtum wandelst du?
Betäubte so die Lehre des Tyrannen
Den guten, den natürlich reinen Sinn,
Dass nur dir Musulmänner tugendhaft
Und alle Menschen dir Verbrecher scheinen?
So missgebildet hat zur Grausamkeit
Der Wahn dich schon, dass, ohne mich zu kennen,
Du mir, als einem Sohn des Greuels, fluchtest?
Verzeihen kann ich solchen Irrtum dir,
Er ist nicht dein, er ist dir aufgezwungen;
Doch hebe selbst den freien Blick empor
Und sprich: ist das ein Gott, der Hass gebietet?
Séide: Wie fühl ich mich mit einemmal verändert!
Von diesem Schreckensgott hinweggezogen,
Zu dir, zu dir, den ich nicht hassen kann.
Sopir: Je mehr ich mit ihm rede, desto mehr
Wird er mir lieb und wert. Sein zartes Alter,
Die Offenheit, sein Schmerz und seine Zweifel —
Sie stimmen mich zum herzlichsten Gefühl.
Wie! ist es möglich, dass mich ein Soldat,
Des Ungeheuers Sklave, der sich selbst
Mit Abscheu von mir wendet, mich gewinnen,
Mein Herz gewaltig zu sich reißen kann?
Wer bist du? welches Blut hat dich gezeugt?
Séide: Von meinen Eltern weiß ich nichts zu sagen.
Nur meinen Herren kenn ich, dem bisher
Ich treu gedient und den ich zu verraten
Beginne, seit ich dir mein Ohr geliehn.
Sopir: Du kanntest deinen Vater nicht?
Séide: Das Lager
War meine Wiege, und mein Vaterland
Das Heiligtum, das Mahomet erleuchtet.
Man bringt ihm jährlich Kinder, zum Tribut,
Und er war mir vor allen andern gnädig,
Und so verpflichtete mein Herz sich ihm.
Sopir: Ich lobe dich und deine Dankbarkeit,
Sie ist ein schön Gesetz für edle Herzen;
Doch Mahomet verdiente nicht das Glück
Dir und Palmiren wohl zu tun. Du schauderst,
Du bebst und wendest deinen Blick von mir?
Ist es ein Vorwurf, der dein Herz zerreißt?
Séide: Wer ist an diesem Tage frei von Schuld?
Sopir: Erkennst du sie; so hast du sie gebüßt.
Ich rette dich, es fließt nur schuld’ges Blut.
Séide: Und sollte sein’s von diesen Händen tropfen?
O Schwur! Palmire! Gott! Es ist zu viel!
Sopir: Komm ohne Zaudern. Nur in meinen Armen
Ist Sicherheit. Komm, dass ich dich verberge;
Denn alles hängt an diesem Augenblick.

– NEUNTER AUFTRITT –

Die Vorigen. Omar.

Omar: Wohin? dich fordert Mahomet zu sich.
Séide: Wo bin ich? Himmel! was soll ich beginnen?
Das Wetter schlägt auf beiden Seiten ein.
Wohin mich flüchten, diese Qual zu enden?
Wohin?
Omar: Zu dem erwählten Manne Gottes.
Séide: Ja, meinen blut’gen Vorsatz abzuschwören!

– ZEHNTER AUFTRITT –

Sopir: Er eilt, ich lass ihn gehn? Befiehlt als Herr
Schon Mahomet in unsern Mauern?
Ist dieser Jüngling nicht als Geisel mein?
Ich lass ihn gehn? Doch nein, er flieht vor mir,
Er geht verzweifelt, schaudervoll getroffen;
Ihm folgt mein Herz mit sorgenvollem Zug.
Welch eine Schuld kann diese Jugend martern?
Welch ein Gefühl für ihn durchzittert mich?
In diesen rätselhaften Augenblicken
Bin ich für sein Geschick mehr als für mich,
Als für der Vaterstadt Gefahr besorgt.
Wo find ich ihn? wo soll ich Ruhe finden?

– ELFTER AUFTRITT –

Sopir. Phanor.

Sopir: Was bringst du Phanor?
Phanor: Diese Tafel gab
Ein Araber mir insgeheim.
Sopir: Was ist’s? —
Wie? Hammon! Götter! trügt das Auge mich?
Ist’s möglich, wollt ihr meinen Jammer enden?
Er will mich sprechen, Hammon, dessen Arm
Im harten Kampf die Kinder mir entriss?
Sie leben, sagt er; unter Mahomets
Gesetzen leben sie. So ist es wahr!
Was ich für List des frechen Feindes hielt,
Die mich zu schnödem Abfall locken sollte?
Der Hoffnung darf ich mich ergeben! Welch
Ein Lichtstrahl blicket durch die Nacht mich an!
Weiß doch Palmire nicht woher sie stammt!
Séide weiß es nicht und mein Gefühl
Riss mich zu beiden allgewaltig hin.
Sie! meine Kinder! Hoffnung trüge nicht!
In meinem Elend schmeichl’ ich mir zu viel.
Soll ich der tiefen süßen Rührung glauben?
Und künden diese Tränen mir sie an.
Wo eil’ ich hin? wo kann ich sie umfangen?
Was hält mein Fuß mich an dem Boden fest?
Vom Alter und vom Unglück glaubt’ ich mich
Gekühlt, dass nichts mich überraschen könne;
Nun überrascht mich ein unendlich Glück.
Nur heimlich kann mich Hammon sehen. Bring
Ihn diese Nacht, durch diese Hallen her.
Am Fuße des Altars, wo meine Tränen,
Wo ungestümer Jammer vor den Göttern
Sich ausgoss, bis sie endlich sich erweichten,
Da geb er meine Kinder mir zurück.
Ja, gebt mir, Götter! meine Kinder wieder!
Und dieses junge Paar, das mich bisher
Bedeutungsvoll gerührt, ist es nicht mein,
So wächst mein Reichtum an. Auch diese gebt
Der Tugend, der Natur, der Wahrheit wieder
Und so sind denn die beiden Paare mein.

VIERTER AUFZUG

– ERSTER AUFTRITT –

Mahomet. Omar.

Omar: Ja, das Geheimnis, das dich retten, rächen,
Den Deinigen den Sieg erleichtern soll,
Der Tod Sopirens durch Séidens Hand —
Es schwebet nah am Rande der Entdeckung.
Séide, voll Verwirrung, unentschlossen,
Hat es dem alten Hammon anvertraut.
Mahomet: Und weigert sich das Urteil zu vollziehn?
Omar: Nein! Es geschah vorher, eh du zuletzt,
Mit Feuerworten, seinen Mut beseelt
Und den Besitz Palmirens ihm, aufs Neue,
Ein Bild des Paradieses, dargestellt.
Er wird gehorchen.
Mahomet: Aber Hammon?
Omar: Er
Schien mir bestürzt, er schien ein tiefes Mitleid
Mit Vater und mit Sohn zu fühlen. Seine
So lang’ erprobte Treue schien zu wanken,
Und diesen Mann, der deinem Willen ganz
Ergeben war, sah ich mit Zweifeln kämpfen.
Ach! rief er aus: ich hoffte, Mahomet
Sei nun gesinnt, die Kinder ihrem Vater,
Als Pfänder des Vertrages, zu erstatten.
Mahomet:
Ich kenn’ ihn, schwach ist Hammon, und der Schwache
Wird leicht Verräter. Omar lass ihn fühlen,
Dass er Geheimnis und Gefahren teilt,
Und dass, in Augenblicken der Entscheidung,
Mir ungestraft sich niemand widersetzt.
Entfernt er sich von seiner Pflicht; so sei
Ein läst’ger Zeuge gleich hinweggeräumt.
Omar: Das Unvermeidliche soll rasch geschehn.
Mahomet: So sei’s! In einer Stunde mag man uns
Zum Richtplatz führen, wenn Sopir nicht fällt.
Er falle! Mehr bedarfs nicht! Das erschreckte Volk
Wird meinen Gott, der sich für mich erklärt,
Der mich verteidigte, verehren. Dieses ist
Der erste Schritt. Doch haftest du dafür,
Dass auch Séide gleich, wenn ihm das Blut
Des Vaters von den Händen niedertrieft,
Den Tod in seinen Eingeweiden fühle.
Ist ihm der Gift bereitet?
Omar: Schon gegeben!
Mahomet: Nun eile, blick umher! Und wache, handle!
(Omar ab.)
So bleibe der geheimnisvolle Knoten
Der schwarzen Taten dieses Augenblicks
Im Tod verborgen und vom Grab bedeckt.
Palmirens Vater falle! neben ihm
Ihr Bruder, ihr Geliebter; doch sie selbst,
Unwissend, werfe sich, in dieser Nacht
Des Schreckens, der Gefahr, in meinen Arm.
Willkommen, Finsternis! willkommen Blut!
Der Leichen, der Lebend’gen starre Blässe!
Aus dieser nächt’gen Stille soll das Ächzen
Der Sterbenden ertönen, dann Gemurmel
Des aufgeregten Volks die Halle füllen.
Und das Geräusch vermehrt sich, das Geschrei!
Nach Waffen ruft der eine, still ergreift
Der andre schon die Flucht. Man ruft den Namen
Sopirens aus, man jammert, fordert Rache.
Doch meine Krieger, die Partei des Volks,
Die mich verehrt, sie dringen an, mein Name,
Des Sieges Losung, tönt, und nieder gleich
Gestreckt sind meine Feinde, gleich verjagt —
Und zwischen den Gefahren bebend sucht
Palmire Schutz bei ihrem einz’gen Herrn.
Sie sieht mich bei dem Schein der Fackeln kommen,
Der Schwerter Blinken hält sie nicht zurück.
Kein Blut, kein Leichnam hemmet ihren Fuß,
Und über ihren eignen Vater fliegt sie weg;
Und, aufgeregt von Schrecken, Furcht und Hoffnung,
Versunken im Gefühl, an meiner Brust
Gerettet sich zu sehen, halb im Traum,
Am Rande der Vernichtung, lernet sie
Der Liebe Glück in meinen Armen kennen.
(Ab.)

– ZWEITER AUFTRITT –

Séide.

Séide: So muss ich denn die fürchterliche Pflicht
Erfüllen! Hier und bald! Es soll geschehn.
Ich wusste meinem Herrn nichts zu erwidern,
Ein heil’ger Schauer überfiel mein Herz;
Doch überredet war es nicht. Noch jetzt
Zuckt mir durch alle Glieder bald ein Krampf,
Bald presst er mir das Herz und bald das Haupt.
Die Kniee wanken und die Hände sinken,
Ich kann nicht vorwärts, nicht zurück. Doch bald
Fühl ich ein neues Feuer mir im Busen,
Fühl ich das Blut in raschem Puls belebt.
Der Himmel hat geboten, ich gehorche.
Welch ein Gehorsam! und was kostet er!

– DRITTER AUFTRITT –

Palmire. Séide.

Séide: Palmire, wagst du’s? welch unsel’ger Trieb
Kann dich an diesen Ort des Todes führen?
Palmire: Die Furcht, die Liebe leiten mich hierher.
Mit heißen Tränen lass mich deine Hände,
Geweiht zu einem heil’gen Morde, baden!
Welch schrecklich Opfer fordert Mahomet,
Und du willst ihm, willst seinem Gott gehorchen?
Séide: Du, deren rein Gefühl, du, deren Liebe
Mich ganz beherrscht, o! sprich mir mächtig zu!
Entscheide die verworrne Wut, erleuchte
Den trüben Geist, und leite meine Hand,
Statt eines Gottes, den ich nicht begreife.
Warum erwählt man mich? Ist unser Gott
Denn nur ein Gott der Schrecken? sein Prophet,
Zeigt er uns nur den Unerbittlichen?
Palmire: Wer darf zu fragen, wer zu untersuchen
Sich unterstehen? Mahomet durchschaut
Die Tiefen unsers Herzens, unsre Seufzer
Vernimmt er alle, kennet meine Tränen.
An Gottes Statt wird er verehrt von allen,
Das weiß ich. Zweifeln schon ist Lästerung.
Und dieser Gott, den er so stolz verkündet,
Er ist der wahre, denn der Sieg beweist’s.
Séide: Er ist es, denn Palmire glaubt an ihn.
Doch mein verwirrter Geist begreift noch nicht,
Wie dieser gute Gott, der Menschen Vater,
Zum Meuchelmorde mich bestimmen kann.
Ich weiß, mein Zweifel schon ist ein Verbrechen;
Das Opfer fällt, den Priester rührt es nicht,
Und so verdammt des Himmels Wort Sopiren;
Mir ruft es zu: Erfülle das Gesetz!
Vor Mahomet verstummt’ ich, fühlte mich
Geehrt des Himmels Winke zu erfüllen;
Ich eilte, das Gericht schon zu vollziehn.
Ach! welch ein andrer Gott hielt mich zurück?
Als ich den unglückseligen Sopir
Erblickte, fühlt’ ich meiner Überzeugung
Gewalt verschwinden, und vergebens rief
Die Pflicht zum Mord mich auf. Gelinde kräftig
Sprach an mein innres Herz die Menschlichkeit.
Dann aber griff mit Eifer und mit Milde
Mich Mahomet und meine Schwachheit an.
Mit welcher Größe, welchem Ernste, riss
Er aus dem weichlichen Gefühl mich auf.
So stand ich da, gehärtet und gestählt.
Wie göttlich-schrecklich ist Religion!
Da schien mein erster Eifer mich zu treiben:
Doch trägt die Ungewissheit mich zurück,
Von herber Wut, zum Mitleid und Verschonen.
So dränget das Gefühl mich hin und her,
Mich schreckt der Meineid, wie die Grausamkeit.
Ich fühle mich zum Mörder nicht geschaffen;
Doch Gott hat es geboten; ich versprachs,
Und ich verzweifle nun, dass ichs getan.
Im Sturme siehst du mich umhergetrieben;
Die hohe Woge trägt mich zum Entschluss,
Sie reißt mich wieder weg. O könntest du
Im ungestümen Meer den Anker werfen!
Wie fest sind unsre Herzen nicht vereint;
Doch ohne dieses Opfer kann das Band,
So drohte Mahomet, uns nicht umschlingen.
Um diesen Preis nur ist Palmiren mein.
Palmire: Ich bin zum Preise dieser Tat gesetzt?
Séide: Der Himmel hat’s und Mahomet beschlossen.
Palmire: Soll solcher Grausamkeit die Liebe dienen?
Séide: Dem Mörder nur bestimmt dich Mahomet.
Palmire: Wir Unglücksel’gen!
Séide: Doch der Himmel wills.
Religion und Liebe, beiden dien’ ich.
Palmire: Ach!
Séide: Kennst du nicht den Fluch, der unaufhaltsam
Des Ungehorsams freche Weigrung trifft?
Palmire: Wenn seine Rache Gott in deine Hand
Gegeben, wenn er Blut von dir verlangt?
Séide: Um dein zu sein, was soll ich?
Palmire: Gott! ich schaudre!
Séide: Du hast’s gesagt, sein Urteil ist gesprochen.
Palmire: Ich? wie?
Séide: Ja, du entscheidest.
Palmire: Welches Wort
War so zu deuten? welcher Wink?
Séide: So ist’s!
Der Himmel gab ein Zeichen mir durch dich,
Und dies Orakel bleibe mein Gesetz.
Die Stunde naht. Sopir wird bald erscheinen;
Hier betet er die falschen Götter an,
Die wir verfluchen. Geh, Palmire!
Palmire: Nein.
Ich kann dich nicht verlassen.
Séide: Bleibe nicht!
Nicht in der Nähe dieser Schreckenstat.
Der Augenblick ist greulich. Fliehe! Hier,
Durch dieser Hallen säulenreiche Gänge,
Kommst du zur Wohnung des Propheten hin.
Dort bleib in Sicherheit.
Palmire: Der alte Mann
Soll sterben?
Séide: Soll! das Opfer ist bestimmt!
Am Staube fest soll meine Hand ihn halten,
Drei Stiche sollen seine Brust durchbohren,
Und umgestürzt, von seinem Blut bespritzt,
Soll der Altar verbannter Götter liegen.
Palmire: Durch deine Hand! im Staube! blutig! Gott!
Hier ist er. Weh uns!
(Der Grund des Theaters öffnet sich,
man sieht einen Altar.)

– VIERTER AUFTRITT –

Sopir. Séide. Palmire.

Sopir: (knieend) Götter meines Landes!
So lange herrschet ihr und sollt ihr nun
Vor dieser Sekte neuem Frevel fliehen?
Zum letztenmal ruft meine schwache Stimme,
Um euretwillen, euch inbrünstig an,
Verteidigt euch und uns! doch ist’s beschlossen,
Dass euer Antlitz von uns weichen soll,
Dass in dem Kampfe, der sich bald erneut,
Gerechte fallen, Frevler siegen sollen,
Wenn ihr des größten Bösewichts verschont —
Séide: Du hörst, er lästert!
Sopir: Gönnet mir den Tod!
Doch gebt in dieser letzten Stunde noch
Mir meine Kinder wieder! Lasst entzückt
In ihren holden Armen mich verscheiden,
Lasst die gebrochnen Augen sie mir schließen!
Ach, wenn ich einer leisen Ahnung traue;
So sind sie nah! O zeigt mir meine Kinder.
Palmire: Was sagt er? Seine Kinder?
Sopir: Heil’ge Götter!
Für Freuden stürb ich über ihrer Brust.
O lasst sie unter euren Augen wandeln,
Wie ich gesinnt; doch glücklicher als ich.
Séide: (entfernt sich)
Zu seinen falschen Göttern rennt er.
Palmire: Halt!
Was willst du tun?
Séide: Ihn strafen.
Palmire: Ach! verweile!
Séide: Dem Himmel dien’ ich, und verdiene dich.
Geweiht ist dieser Stahl dem wahren Gott.
Nun soll sein Feind durch diese Schärfe fallen.
Hinan! – Und siehst du nicht die Ströme Blut,
Die mir den Weg zum Opferplatze zeigen?
Palmire: Was sagst du?
Séide: Ja, so find ich diesen Weg.
Er geht dahin! Ich kann mich nicht verirren.
Nur fort.
Palmire: Ein Grausen schlingt sich um uns her.
Séide: Es drängt mich hin. Die volle Zeit ist da.
Das Zeichen winkt, es bebt Altar und Halle.
Palmire: Der Himmel spricht, was kann sein Wille sein?
Séide: Treibt er mich an? Will er zurück mich drängen?
Ich höre des Propheten Stimme wieder
In meinem Ohre schallen! Meine Schwäche
Verweist er mir, verweist mir meine Feigheit.
Palmire: Nun?
Séide: Wende deine Stimme himmelwärts.
Ich treffe.
(Er geht hinter den Altar.)
Palmire: Augenblick des Todes! Mich
Umgibt sein Schauer. Still ist alles! Still.
Doch ach! Was ruft so laut in meinem Herzen?
Warum bewegt sich heftiger das Blut?
Es ist noch Zeit, soll ich die Tat verhindern?
Verwegne! Wenn der Himmel einen Mord
Gebieten kann, hast du dich ins Gericht
Zu drängen? anzuklagen? zu entscheiden?
Gehorche! Sonst war der Gehorsam dir
So leicht, und nun woher das Widerstreben?
Ach! Weiß ein Herz was recht ist oder nicht?
Es ist getan! ein Schrei durchdringt mein Ohr.
Séide!
Séide: (kommt zurück)
Ruft mich jemand? Welcher Weg
Führt mich hinaus? Palmire find ich nicht!
Verlassen kann sie mich?
Palmire: Verkennst du sie,
Die für dich lebt?
Séide: Wo sind wir?
Palmire: Das Gebot,
Das traurige Versprechen, ist’s erfüllt?
Séide: Was sagst du?
Palmire: Fiel Sopir?
Séide: Sopir!
Palmire: O Gott,
Der du dies Blut verlangtest, stärke nun
Den schwerbeladnen Geist! Komm, lass uns fliehn!
Séide: Ich kann nicht! meine Kniee sinken ein.
(Er setzt sich)
Ach wollte Gott, dass auch das Leben schwände!
Palmire: Palmire lebt, du wolltest sie verlassen?
Séide: Palmire, rufst du mir? Ich kehr ins Leben
Für dich zurück. Wo bist du?
Palmire: Hier, mein Freund!
Séide: O deine Hände! sie allein vermögen
Vom Rande der Vernichtung mich zu reißen.
Du lebst, ich fühle dich, und ich bin dein.
Palmire: Was ist geschehn?
Séide: (steht auf) Sie ist geschehn die Tat.
Ich habe nichts verbrochen, ich gehorchte.
Mit Wut ergriff ich ihn, der Schwache fiel,
Ich traf, ich zuckte schon den zweiten Streich;
Ein jämmerlicher Schrei zerriss mein Ohr,
Vom Staub herauf gebot die edelste
Gestalt mir Ehrfurcht, seine Züge schienen
Verklärt, es schien ein Heil’ger zu verscheiden.
Die Lampe warf ihr bleiches Licht auf ihn,
Und düster floss das Blut aus seiner Wunde.
Palmire: Komm, lass uns flüchten, komm zu Mahomet!
Er schützt uns gegen alle. Zaudre nicht!
Wir schweben in der tödlichsten Gefahr.
Séide: Das Blut versöhnt die Gottheit, sagen sie,
Gewiss versöhnt das Blut der Menschen Grimm.
Ich fühlte mich erweicht, als ich es sah,
Im raschen Strom, das weiße Kleid durchirren.
Ich wandte mich, er rief mir. Welche Stimme!
Séide, rief er, du Geliebter? mich?
Unglücklicher! Er sank, ich seh ihn liegen,
Er zuckt, er stirbt. O! dass ich neben ihm,
Von diesem Dolch getroffen, sterbend läge!
Palmire: Man kommt! Ich zittre für dein Leben! Flieh,
Wenn du mich liebst!
Séide: Die Liebe nenne nicht.
Sie riss mich zu der Schaudertat hinab.
Die Liebe darfst du nennen? sprachst du nicht
Das Todesurteil dieses Mannes aus?
Du hießest es vollstrecken, ich gehorchte
Nicht Mahomet, dem Himmel nicht, nur dir.
Palmire: Mit welchem Vorwurf kränkest du mein Herz!
Verschone mich, die nur für dich besorgt ist.
Die so verwirrt wie du, verloren, schwankt.
(Sopir erhebt sich, hinter dem Altar
und erscheint an denselben gelehnt.)

Séide: Erscheinet mir ein Geist? Erhebet mir
Sopir sich aus dem Grabe?
Palmire: Ach! er ist’s!
Der unglücksel’ge Mann. Im Todeskampf
Schleppt er sich mühsam gegen uns heran.
Séide: Du willst zu ihm?
Palmire: Ich muss, ich seh ihn schwanken,
Ich muss ihn unterstützen. Reue treibt
Mich weg von diesem Anblick, Mitleid zieht,
Ach! und ein mächtiger Gefühl mich hin.
Sopir: (tritt hervor, von ihr unterstützt)
Ich danke dir für diesen letzten Dienst.
Wie freut mich noch dein Anblick! o Palmire!
(Er setzt sich.)
Und du Undankbarer ermordest mich?
Nun weinst du? Schmilzt die Wut in Mitleid auf?

– FÜNFTER AUFTRITT –

Die Vorigen. Phanor.

Phanor: (nachdem er, pantomimisch, sich mit
dem Geschehenen bekannt gemacht)

Ihr Götter! sollt’ ich solchen Jammer sehen!
Sopir: Kommt Hammon etwa? Phanor, seh’ ich dich?
Dies ist mein Mörder.
(Phanors Gefährten gehen
voll Entsetzen ab.)

Phanor: Schreckliches Geheimnis!
Verruchte Tat! Es ist dein Vater!
Séide: Wer?
Palmire: Sopir?
Séide: Mein Vater?
Sopir: Götter!
Phanor: Hammon stirbt,
Er sieht mich, ruft mich. Eile, ruft er aus,
Eil’ einen Vatermord zu hindern! Halt ihn auf
Séidens Arm; den blutbegier’gen Stahl
Entreiße seiner Hand. Ich bin gestraft.
Zu schrecklichen Geheimnissen, Verrat
Und Kinderraub, missbraucht mich Mahomet,
Und nun bestraft mich er, der mich verführte.
Von seinen Händen sterb’ ich! sterbe gern,
Wenn mir Sopir verzeiht und in Séiden
Palmirens Bruder, seinen Sohn erkennt.
Palmire: Mein Bruder! O mein Vater!
Sopir: Kinder! meine Kinder!
O! meine Götter! Ihr betrogt mich nicht,
Als ihr für sie in meinem Herzen spracht,
Mich zu erleuchten. Unglücksel’ger Jüngling,
Wer konnte dir den Vatermord gebieten?
Séide: (zu seinen Füßen)
Gehorsam, Pflichten, Liebe meines Volks,
Religion und Dankbarkeit, das Höchste,
Was Menschen nur ehrwürdig scheinen kann,
Hat mich zu dieser Greueltat geleitet.
O dass zu deinen Füßen ich verginge!
Palmire: Er klagt sich an, ich bin die Schuldige,
Verzweifelnd und beschämt muss ich’s gestehn.
O welch ein Wunsch riss uns im Wahn dahin!
Wie schrecklich war der Lohn des Vatermords!
Séide: Des Himmels Rache ruf’ auf uns hernieder,
Verfluche deine Mörder!
Sopir: Meine Kinder
Umarm’ ich. Welche hohe Gunst vermischt
Mit diesem allertiefsten Elend das Geschick!
Ich segn’ es! da ich sterbe, lebt doch ihr,
O meine Kinder! die zu spät ich wieder
Gefunden, dich Séide, dich Palmire!
Bei allen heil’gen Kräften der Natur,
Bei diesem väterlichen Blut beschwör’ ich euch.
Erhaltet euch, indem ihr Rache fordert.
Der Morgen kommt, der Stillstand wird erlöschen.
Da sollte sich mein Plan entfalten, da
Der siegende Verbrecher unterliegen.
Nicht alles ist verloren, wenn dein Arm
Zu einer großen Tat sich kühn erhebt.
Das Volk versammelt sich bewaffnet hier.
Mein Blut sei ihre Losung; führe sie,
Und des Verräters letzter Tag ist da;
Wir harren kurze Zeit.
Séide: Ich eile gleich!
Das Ungeheuer falle; doch auch ich.
Gerächt [Gerochen] sollst du sein, und ich gestraft.

– SECHSTER AUFTRITT –

Die Vorigen. Omar. Gefolge.

Omar: Ist das Gerücht, das sich verbreitet, wahr?
Séiden haltet, steht Sopiren bei!
In Ketten diesen Mörder! Mahomet
Ist des Gesetzes kräftiger Vollbringer.
Sopir: Der Missetat Vollendung soll ich sehn!
Séide: Mich strafen! Mahomet?
Palmire: Du darfst, Tyrann!
Mit diesem Munde, der den Mord befahl?
Omar: Nichts ist befohlen worden.
Séide: Ich verdiene,
Leichtgläubig wie ich war, den herben Lohn.
Omar: Gehorcht, Soldaten!
Palmire: Darfst du wohl? Verräter!
Omar: Palmire wird, wenn sie Séiden liebt,
Gehorchen. Mahomet beschützet sie,
Und hält den Blitz, der eben treffen soll,
Vielleicht zurück, doch nur um ihretwillen.
Zu ihrem König folgt sie willig mir.
Palmire: So vielem Jammer war ich aufgespart!
(Man führt Palmiren und Séiden ab.)
Sopir: Man führt sie weg? o! unglücksel’ger Vater!
Mit diesem Faden reißt dein Leben ab.
Phanor: Schon wird es Tag, das Volk versammelt sich,
Man kommt, dich zu umgeben, edler Greis!
Sopir: Sie wären meine Kinder!
Phanor: Zweifle nicht.

FÜNFTER AUFZUG

– ERSTER AUFTRITT –

Mahomet. Omar.

Omar: Gelungen ist der Plan, Sopir verscheidet,
Der ungewisse Bürger starrt und schwankt.
Die Deinigen, erstaunt, verehren selbst
Das Wunder, das zu unsrer Hilfe kommt,
Und zeigen Gottes Finger der erregten,
Geteilten Stadt und dämpfen ihre Wut.
Wir selbst beklagen laut Sopirens Tod,
Versprechen Rache, preisen deine Größe,
Gerecht und gütig rufen wir dich aus.
Man hört uns an, man beugt sich deinem Namen,
Und wenn der Aufruhr sich noch regen möchte,
So sind es Wellen, die das Ufer schlagen,
Wenn heitrer Himmel schon von oben glänzt.
Mahomet: Ein ew’ges Schweigen sei der Flut geboten! —
Und meine Völker nahen sie der Stadt?
Omar: Die ganze Nacht bewegt sich schon das Heer,
Durch einen Umweg, diesen Mauern zu.
Mahomet: Zur Überredung füge sich die Macht.
Séide weiß nicht wen er mordete?
Omar: Wer könnt’ es ihm verraten? Schon begräbt
Mit Hammon dies Geheimnis ew’ge Nacht.
Séide folgt ihm, schon begann sein Tod.
Und vor der Missetat ging Strafe her.
Indem er zum Altar das Opfer schleppte,
Indem er seines Vaters Blut vergoss,
Durchirrte schon ein schleichend Gift die Glieder;
Nicht lange wird er im Gefängnis atmen.
Palmiren aber lass ich hier bewachen.
Der Irrtum führt sie bald in deinen Arm.
Séiden zu befreien ist ihr Wunsch.
Ich hab ihr diese Hoffnung nicht geraubt.
Noch geht sie schweigend und verhüllt in sich,
Doch ihr gelehrig Herz, dich anzubeten
Gewohnt, es wird in deiner Gegenwart,
An deiner Brust, zur Freude sich beleben.
Du bist zum Gipfel deines Glücks gelangt,
Gesetze gibst du deinem Vaterlande,
Bist ihm Prophet und König, und regierst
Vom väterlichen Boden aus die Welt.
Das Innre deines Hauses, deines Herzens
Soll die Geliebte schmücken und erfreun.
Hier kommt sie, leblos, zitternd; sprich ihr zu!
Mahomet: Versammle meine Treuen um mich her!

– ZWEITER AUFTRITT –

Mahomet. Palmire.

Palmire: Wo bin ich? großer Gott!
Mahomet: Erhole dich!
Des Volkes, dein Geschick, hab ich gewogen.
Sieh die Begebenheit, die dich erschreckt,
Als ein Geheimnis zwischen mir und Gott an.
Befreit auf ewig von Gefangenschaft
Und Sklaverei, erhebe dein Gemüt.
Du siehst dich hier gerächt [gerochen], frei und glücklich.
Beweine nicht Séiden! Überlass
Des menschlichen Geschickes Sorge mir!
Denk an dein eignes Glück; du bist mir wert,
Und Mahomet nahm dich zur Tochter auf;
Zu einer höhern Stufe kann er dich
Erheben. Solchen Rang verdiene dir.
Blick auf zum Gipfel alles Erdenglücks,
Das Übrige lass der Vergessenheit.
Beim Anblick jener Größe, die dich lockt,
Geziemen sich die niedern Wünsche nicht.
Zu mir gewendet, ruh auf mir dein Herz!
Wie mir die Welt vertraut, vertraue mir.
Palmire: Was hör ich! Von Gesetzen, Wohltat, Liebe,
Wagst du zu reden, blutiger Betrüger!
Auf ewig sei mein Herz dir abgeschworen,
Dir Henker meines Hauses. Dieses Letzte
Ging meinem Jammer, deiner Wut noch ab.
Das ist er also, Gott! der heilige
Prophet, der König, dem ich mich ergab?
Der Gott, den ich verehrte? Ungeheuer!
Durch Wut und grimm’ge Ränke weihtest du
Zwei reine Herzen einem Vatermord!
Verführen willst du meine Jugend, willst
Um mich, mit meinem Blut besudelt, werben?
Doch traue nicht auf deine Sicherheit,
Der Schleier ist zerrissen, Rache naht.
Vernimmst du das Geschrei, den Sturm der Menge,
Die meines Vaters Geist gewaltig treibt!
Man waffnet sich, man eilet mir zu Hilfe,
Und mich, und jeden Preis, entreißt man dir.
Dich selbst, die Deinen seh ich hingestreckt,
Und über euren Leichen atm’ ich wieder.
O! lasst ihn nicht entkommen! Güt’ge Götter!
Auf! Mekka! Auf! Medina! Asien,
Bewaffne dich, die Wut, die Heuchelei
Zu strafen. Alle Welt, beschämt, zerbreche
Die Fesseln, die sie allzuschändlich trug,
Und deine Lehre, die der Wahn gegründet,
Müss’ Abscheu allen künft’gen Zeiten sein.
Die Hölle, die du jedem grimmig drohtest,
Der zweifelnd mit sich selbst zu Rate ging,
Die Hölle, dieser Ort der Wut, des Jammers,
Für dich bereitet, schlinge dich hinab.
Solch einer Wohltat dankt ein solch Gefühl,
So sind mein Dienst, mein Schwur und meine Wünsche.
Mahomet: Was auch entdeckt sei, was du träumst und was
Du glauben magst zu sein; ich bin dein Herr!
Und wenn sich meine Güte —

– DRITTER AUFTRITT –

Die Vorigen. Omar. Ali. Gefolge.

Omar: Alles weiß man.
Verrat an dir war Hammons letzter Hauch.
Das Volk erfährt es, bricht den Kerker auf.
Man waffnet, man erregt sich. Rasend stürzt
In ungeheurem Strom es brüllend her.
Sie tragen ihres Führers blut’gen Leib,
Séide geht voran. Mit heißen Tränen
Ruft er zur Rache sie des Vatermords.
Ein jeder will den blut’gen Leichnam sehen,
Und aus der Neugier strömet neue Wut.
Séide klagt sich an: Mein ist die Tat!
Und schmerzlich angefacht, entbrannt von Rache,
Scheint er nur noch zu leben wider dich.
Schon flucht man deinem Gott, man flucht den Deinen,
Und dein Gesetz verwünscht man. Jene selbst,
Die, schon gewonnen, deinem Volk die Tore
Eröffnen sollten, wieder abgerissen,
Sind gegen dich gewendet und entbrannt.
Nur Tod und Rache tönt von allen Seiten.
Palmire: Gerechter Himmel, lass die Unschuld siegen!
Triff den Verbrecher!
Mahomet: (zu den Seinigen)
Was befürchtet ihr?
Omar: Die Wenigen, die mit dir in der Stadt
Sich finden, sammeln sich sogleich um dich.
Wir werden an dir halten, mit dir fallen.
Mahomet: Ich bin genug euch zu verteidigen;
Erkennet welchem König ihr gehört!

– VIERTER AUFTRITT –

Mahomet. Omar. Gefolge an der einen, Séide und das Volk an der andern Seite, Palmire in der Mitte.

Séide: (einen Dolch in der Hand,
schon durch den Gift geschwächt)

Bewohner Mekkas, rächet meinen Vater!
Den mörderischen Heuchler strecket nieder!
Mahomet: Bewohner Mekkas, euch zu retten kam ich;
Erkennet euern König, euern Herrn.
Séide: Hört nicht das Ungeheuer! Folget mir! –
Ihr Götter! welche Wolke deckt mich zu.
Auf ihn! — Wie wird mir? Gott! —
Mahomet: Ich überwinde.
Palmire: Mein Bruder!
Séide: Nicht gesäumt! — Ich schwanke! Weh!
Vermag nicht — Welcher Gott hat mich gelähmt!
Mahomet: Vor mir ergreif es jeden Frevler so.
Ungläub’ge, die ein falscher Eifer treibt,
Mich zu verfluchen und Sopir zu rächen.
Der Arm, der Könige bezwingen konnte,
Hat, eure Zweifel zu bestrafen, Kraft;
Doch überlass ich’s Gott, der mir sein Wort
Und seinen Donner anvertraut, er schone
Die Irrenden, doch den Verbrecher straf’ er.
Er richte zwischen mir und diesem Mörder.
Den Schuld’gen von uns beiden streck’ er nieder!
Palmire: Mein Bruder! Wie? er hat so viel Gewalt,
Der Lügner, auf sie alle? Wie sie stehn!
Erstaunt, erstarrt, vor seiner Stimme bebend,
Als käm ein Gott, Gesetze zu verkünden.
Und auch Séide, du?
Séide: Ich bin gestraft!
Die Tugend war umsonst in meinem Herzen,
Ein groß Verbrechen ward mir aufgenötigt.
Doch wenn ein Gott den Irrtum so bestraft;
So zittre du, Verbrecher! Siehst du mich
Vom Stahl getroffen, mich das Werkzeug nur,
Sollt er nach dir, Verführer, nicht ihn schleudern?
Ich fühl es, mich umschwebt der Tod. Palmire!
Hinweg! dass er nicht dich mit mir ergreife.
Palmire: Nein, Bürger! Nicht ein Gott hat ihn getötet,
Gift wirkt in seinen Adern. —
Mahomet: Lernt, Ungläubige,
Den Lohn des Aufruhrs gegen Gottgesandte, [Sure 5:33]
Die Rache kennen, die der Himmel schickt.
Natur und Tod vernehmen meine Stimme.
Der Tod, der mir gehorcht, beschützte mich
Und grub die Züge rächender Vernichtung,
Auf diese bleiche Stirne plötzlich ein.
Er steht noch zwischen euch und mir der Tod,
Er zielt und wartet, was ich ihm gebiete.
So straf ich jedes Irrtums Eigensinn,
Der Herzen Meuterei, ja, der Gedanken
Unwill’gen Frevel; nur den Gläubigen
Verschont mein Bann, verschont des Todes Schrecken.
Wenn euch der Tag bescheint, wenn ihr noch lebt,
So dankt’s dem Hohenpriester, der für euch,
Verführte, seinen Gott um Schonung fleht.
Zum Tempel fort, den Ew’gen zu versöhnen!
(Das Volk entfernt sich.)
Palmire: O bleibt! nein, der Barbar vergiftete
Den holden Jüngling, meinen Bruder. Wie?
Und spräche dein Verbrechen selbst dich los?
Du scheinst ein Gott, nur weil du Laster häufest.
Verruchter Mörder meines ganzen Hauses,
Auch mir, der letzten, raube dieses Licht!
Du zauderst, blickest mich mit falscher Milde,
Die mir verhasst ist, an! Des Toten Züge,
Die viel geliebten, reißen mich dahin.
(Gegen den Leichnam.)
Ein grauenvoll Geheimnis lauerte
Der Unschuld uns’rer ersten Neigung auf.
Ich hatte mit Entsetzen dich geflohen;
Jetzt darf ich wieder jenem Zuge folgen.
Veredelt und verbunden sehen wir
Uns wieder.
(Sie ersticht sich.)
Mahomet: Wehret ihr!
Palmire: Ich sterbe. Fort!
Dich nicht zu sehen ist das größte Glück.
Die Welt ist für Tyrannen; lebe du!

– hier endet Goethes Übersetzung –

Mahomet:
Sie ist mir genommen … ach! Zu teures Opfer!
Entrissen der einz’ge Lohn meines Verbrechens.
Ich, siegreich und allmächtig, doch bestraft,
Abscheulicher Feind ihres reizvollen Lebens.
Nun plagt mich Reue! O Raserei! O Gerechtigkeit!
Meine Missetaten haben Marter mir ins Herz gepflanzt!
Gott, den ich dienen ließ zum Unglück der Menschen,
Anbetungswürdiges Werkzeug meiner schrecklichen Pläne,
Du, den ich lästert’, doch immer noch fürchte,
Ich fühl mich verdammt, obgleich die Welt mich verehrt.
Trotze vergebens den Neigungen, die mir zueigen.
Betrog die Sterblichen und kann doch mich nicht täuschen.
Vater, unglückliche Kinder, geopfert meiner Wut,
Rächt die Welt und euch, und den Himmel, den ich beleidige.
Entreißt mir diesen Tag und dies’ heimtück’sche Herz,
Dies Herz geboren zum Hass, das brennt vor Raserei.
(zu Omar)
Und du, tilg’ die Erinn’rung an so viel Schmach;
Verbirg meine Schwäche, und rette noch meinen Ruhm!
An mir ist’s, in Gott die gewarnte Welt zu regieren;
Mein Reich ist zerstört, sobald der Mensch erkennt —
sobald er aufgeklärt ist.

– Ende –
_____

— von Goethe nicht übersetzter Schlussteil im Original —

Mahomet.

Elle m’est enlevée… ah ! Trop chère victime !
Je me vois arracher le seul prix de mon crime.
De ses jours pleins d’appas détestable ennemi,
vainqueur et tout-puissant, c’est moi qui suis puni.
Il est donc des remords ! ô fureur ! ô justice !
Mes forfaits dans mon coeur ont donc mis mon supplice !
Dieu, que j’ai fait servir au malheur des humains,
adorable instrument de mes affreux desseins,
toi que j’ai blasphémé, mais que je crains encore,
je me sens condamné, quand l’univers m’adore.
Je brave en vain les traits dont je me sens frapper.
J’ai trompé les mortels, et ne puis me tromper.
Père, enfants malheureux, immolés à ma rage,
vengez la terre et vous, et le ciel que j’outrage.
Arrachez-moi ce jour, et ce perfide coeur,
ce coeur né pour haïr, qui brûle avec fureur.

(à Omar.)

et toi, de tant de honte étouffe la mémoire ;
cache au moins ma faiblesse, et sauve encor ma gloire :
je dois régir en dieu l’univers prévenu ;
mon empire est détruit si l’homme est reconnu.

_______

Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D – 85356 FREISING

qs72@gmx.net

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