Archive for the ‘Marginalien’ Category

Interpretationsmöglichkeiten! — oder ein wenig Augenwischerei?

17 September 2016

_____ „Sehen Sie, das ist Islam.“ _____

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Ein paar einleitende kurze Worte zum Begriff „Interpretation“:

In dem Bild oben eine Gruppe Augen zu sehen, die einen anschauen oder anstarren, mag einer Sehgewohnheit, einer Täuschung oder einer Wunschvorstellung entsprechen, eine Interpretation ist es nicht, denn eine Auslegung, Übersetzung oder Erklärung seitens des Betrachters im Sinne des Begriffs „Interpretation“, oder auch eine Deutung, findet nicht statt.

In dem Bild die Schwanzfedern eines Pfaus wahrzunehmen, wäre ebenfalls keine Interpretation, sondern allenfalls eine Assoziation, oder einfach das Erkennen eines (bekannten) Musters.

* *

Frage [*]: Ist es zulässig, dass Frauen nur die Hälfte erben, wie es die Scharia vorsieht?

MR: Das sind Regelungen, die sich unmittelbar aus dem Koran ergeben. Bei deren Auslegung wird erläutert, dass die Männer mehr bekommen, weil nur sie eine Brautgabe finanzieren müssen und nur sie Familienunterhalt leisten. […] Ein Imam aus Bayern hat geschrieben, dass die islamische Lösung in Deutschland heißt: gleiche Erbteile. Sie sehen, was das islamische Recht an Interpretationsmöglichkeiten hergibt.

Nun ist das, was der „Imam aus Bayern“ in den Worten des Interviewten geschrieben hat („die islamische Lösung in Deutschland heißt: gleiche Erbteile“), nicht, wie von ihm behauptet, eine Interpretation oder Interpretationsmöglichkeit — denn es wird mit diesen Worten nicht erklärt, auf welche islamische oder sonstige Rechtsgrundlage oder islamische Überlieferung sich die Aussage des Imams stützt; es wird nur eine unbegründete Aussage gemacht. Der Interviewer (Journalist) stellt allerdings auch nicht die Frage nach dem Warum, er hakt nicht nach.

MR: Ich sprach einmal mit dem Vorsitzenden eines marokkanischen Moscheevereins, dem in Berlin als Erstes aufgefallen war, dass die Busse der Berliner Verkehrsbetriebe die Schwelle beim Halten senken, damit Leute, die schlecht zu Fuß sind, leichter einsteigen können. Er sagte: Sehen Sie, das ist Islam. […] das war das Verständnis des Imams vom Islam, ein Verständnis, das ganz viele teilen. Diese Menschen müssen wir unterstützen …

Wenn das Islamverständnis des „Vorsitzenden eines marokkanischen Moscheevereins“ in diesen wenigen Worten zum Ausdruck kommt („Sehen Sie, das ist Islam.“), die sich auf helfen, großzügig sein, hilfreich sein beziehen, dann ist das einerseits zu begrüßen. Allerdings klammert er dabei sehr vieles aus, von dem man durchaus behaupten kann, dass es ebenfalls „Islam“ ist (siehe z.B. Kein Zwang im Glauben ? sowie Assoziationen oder Islam beleidigt).

Ob es einer Religion bedarf, die in sich voller Widersprüche ist, deren „heiliges Buch“ ein Sammelsurium voller Widersprüche ist, um anderen Menschen zu helfen, großzügig zu sein, hilfreich zu sein …, oder ob es mit einer den meisten Menschen vertrauten und innewohnenden, natürlichen Empathie getan ist, die nicht durch eine Ideologie überprägt (oder deformiert) ist, sei dahingestellt.

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Weiterführende / ergänzende Textbeiträge:

Im Gespräch: Wie verhindern wir Radikalisierung?
Mouhanad Khorchide: Die Männerbilder des Korans
Abdel-Hakim Ourghi: Keine Angst vor Kritik!
Ufuk Özbe: Strengt euch an!
[*] Textauszug aus „An die Hausordnung halten“ (Der Spiegel im Interview mit Mathias Rohe, Universität Erlangen-Nürnberg)

Bildnachweis: Wikipedia (Blauer Pfau)

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Eckhardt Kiwitt
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Zirkelschluss

1 September 2016

Ich möchte mit einer ganz kleinen und vielleicht ein wenig provokanten Geschichte beginnen:
(Es muss nicht immer Gott sein)

Ich schreibe ein Buch.

In das Buch schreibe ich hinein, dass alles, was in dem Buch geschrieben steht, das Wort von Göttin ist.

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«Göttin höchstselbst hat ein Fabelwesen beauftragt, diese Worte an mich zu überbringen, auf dass ich sie aufschreibe.» [*]

So behaupte ich es, und so schreibe ich es in das Buch hinein.

Dies nehme ich dann als Beweis dafür, dass alles, was in dem Buch geschrieben steht, das Wort von Göttin ist.

Und ich erkläre das Buch zu einem „heiligen“ Buch.

Zu guter Letzt lasse ich mir von ein paar Leuten aus meinem Bekanntenkreis bestätigen, dass es sich bei allem, was in dem Buch geschrieben steht, um das Wort von Göttin handelt und dass es deshalb ein heiliges Buch ist.

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[*] Ähnlichkeiten mit manch anderem „heiligen“ Buch sind kein Zufall.

* * *

Die Logik hinter dieser Vorgehensweise entspringt einem Zirkelschluss. Dabei wird der Beweis für die Existenz von etwas (hier „Göttin“) in der Behauptung der Existenz dieses Etwas gesehen bzw. ihm zuerkannt — was in sich logisch und schlüssig erscheinen mag, von außerhalb des Etwas / von außerhalb der Behauptung betrachtet einer Überprüfung jedoch nicht unbedingt standhält.

Siehe auch den Beitrag Nichtexistenz auf dieser Website.

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Anmerkung:

Gemäß der chronologisch ersten Sure des Korans (# 96 Al-’Alaq – Der Blutklumpen, Vers 1) hat der Gott des Islams, Allah, alles erschaffen (Read! In the Name of your Lord Who has created (all that exists).)* — also auch den Koran. Und gemäß diesem Koran-Vers sogar sich selbst. Denn der Koran geht davon aus, dass Allah existiert, bezeichnet ihn gar als Allmächtig, Allwissend, Allweise, als Herrn der Welten, …

Gemäß einer chronologisch recht späten Sure (# 2 Al-Baqarah – Die Kuh, Vers 2) gibt es daran keinen Zweifel (This is the Book (the Qur’ân), whereof there is no doubt, …).

Mit anderen Worten, behauptet und bestätigt der Koran in sich selbst / mit Bezug auf sich selbst, dass der Koran von Allah stammt und dass es daran keinen Zweifel gibt. Ein Zirkelschluss.

Beispiele:

Zirkulare, nonkausale Logik (Ursache und Wirkung sind eins)
1.: Im Koran steht geschrieben und ist nachzulesen, dass es Allah gibt (Herr der Welten, Allmächtig, …).
–> Allah gibt es, weil dies im Koran geschrieben steht [1] und man es dort nachlesen kann (impliziert, dass es Allah andernfalls nicht gibt).
2.: Man kann im Koran lesen, weil der Koran existiert.
–> Der Koran existiert, weil man im Koran lesen kann (impliziert, dass es den Koran andernfalls nicht gibt).

Lineare, kausale Logik (Ursache und Wirkung sind verschieden)
1.: Man kann im Koran lesen, weil der Koran existiert.
–> Der Koran existiert, weil er verfasst wurde.
2.: Im Koran steht geschrieben und ist nachzulesen, dass es Allah gibt (Herr der Welten, Allmächtig, …).
–> Die Existenz von Allah ist nicht beweisbar, weil etwas, das keine Wechselwirkungen zeigt, von etwas, das nicht existiert, nicht unterschieden werden kann.

Zirkelschluss-Skizze

In seinem Bild Wasserfall aus dem Jahr 1961 hat der niederländische Grafiker M. C. Escher den Zirkelschluss auf anschauliche Weise dargestellt.

Anmerkung:
In Gesprächen mit sehr religiösen Menschen habe ich mehrfach erlebt, dass diese nicht verstehen, warum ein Zirkelschluss unlogisch ist.

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* King Fahd Complex for the printing of the holy Qur’an
[1] Einer solchen oder ähnlichen „Argumentation“ kann man hier und da begegnen.

Zirkelschluss

Eckhardt Kiwitt
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Abrahamitisch ?

25 Juli 2016

Wir Menschen neigen dazu, für uns bzw. für den Sozialverband (Familie, Clan, Volk, Staat), in dem wir leben, zum Zweck des Zusammenhalts der Gruppe, aber auch der Identitätsstiftung sowie der Selbstvergewisserung Gründungs- und Schöpfungsmythen zu ersinnen. Manche dieser Gründungs- oder Schöpfungsmythen ähneln sich über Kontinentgrenzen hinweg oder gleichen sich sogar in einigen Details (siehe z.B. den Schöpfungsmythos der Maori in Neuseeland). Andere erzählen eine eher außergewöhnliche Geschichte.

Wahrscheinlich in der Gegend des derzeitigen Iraq wurde vor weit über zweitausend Jahren eine symbolische Figur erdacht, die uns heute unter dem Namen Abraham bekannt ist. Hinweise oder Belege für seine tatsächliche Existenz gibt es keine; seine Aufgabe war es, einem Volk, das aus dieser Gegend stammte, als Gründungsfigur, als Urvater zu dienen, auf den sich noch nachfolgende Generationen würden berufen können.

Um diesen Abraham herum wurde eine umfangreiche „biographische“ Geschichte gesponnen, mittels derer das damalige Sozial- und Machtgefüge einen stabilen konstituierenden Rahmen erhalten sollte.

Insbesondere für die Macht-Frage wurde eine Begebenheit erdacht, die prägend für die damalige Gegenwart wie auch für die Zukunft werden sollte: Die „Bindung“ oder Opferung Isaaks, Abrahams zweitgeborenem Sohn aus dessen Ehe mit Sara (Sarai). Seinen erstgeborenen Sohn Ismael hatte er mit der jungen Sklavin Hagar gezeugt.

In der Geschichte der Opferung Isaaks wird u.a. zum Ausdruck gebracht, dass dieser ein sehr großes Vertrauen in seinen Vater Abraham hat — also eine positive Grundhaltung. „Gott“ spielt in dieser Geschichte eine rationalisierende Rolle.

In einer Religion, die lange Zeit später teils aus Bruchstücken, teils aus Versatzstücken der jüdischen Religion sowie aus Hinzudichtungen zusammengesetzt wurde, wird der Zweitgeborene Isaak in den Erstgeborenen Ismael umgedeutet (verfälscht), und aus dem Vertrauen, das Isaak seinem Vater Abraham entgegenbringt, wird eine masochistisch anmutende Unterwerfungsgeste Ismaels, wenn dieser laut Koran (Sure 37, Verse 99-109) sagt: „O mein Vater, tu, wie dir befohlen wird; du sollst mich – so Allah will – unter den Geduldigen finden.“ [37:102]

Resümee:

Sogenannte „göttliche“ Gesetze werden bisweilen von selbsternannten Gurus oder Scharlatanen aus egoistischen bzw. egozentrischen Motiven heraus erfunden und erlassen und können exclusiv gelten (vgl. Das Islam-Prinzip, Kapitel 6, Zitat nach Zülfü Livaneli am Kapitelende). Das unterscheidet sie von den Gesetzen der Verfassungsstaaten, die zwar, wie die „göttlichen“ Gesetze, ebenfalls von Menschen erdacht und erlassen werden. Dies geschieht jedoch nicht aus egoistischen Motiven, sondern aus Gründen der Rechtssicherheit für die Bürger eines Landes, inclusive Minderheiten, weshalb in Verfassungsstaaten die Grundsätze allgemeinen und gleichen Rechts gelten.

Sowohl Bibel als auch Koran wurden von Menschen verfasst; nichts deutet darauf hin, dass irgendwelche Götter, Erzengel oder sonstige imaginäre Wesen daran beteiligt gewesen sind (es sei denn, man wollte z.B. im Koran, in Sure 2 Vers 2 den Beweis für den göttlichen Ursprung des Korans erkennen, also in einem Zirkelschluss), es gibt keine nachgewiesenen oder nachweisbaren Wechselwirkungen oder dergleichen, die sich nicht als bloße Gedankenspielereien oder Geschichtenerzählereien entlarven ließen (siehe u.a. den Beitrag Nichtexistenz).

Die Bibel wird im Islam als „verfälscht“ bezeichnet.
Ein Textsammlung (Bibel, Tanach) als „verfälscht“ zu bezeichnen, die etliche Jahrhunderte, teils weit über tausend Jahre vor dem angeblichen Original (Koran) entstanden ist (vgl. Islam in drei Sätzen), das wirkliche Original also als Fälschung hinzustellen und die Fälschung als Original, ist eine gewagte These; man kann auch von Chuzpe — Anmaßung — sprechen (vgl. Der kleine Erpressungsversuch *), oder von Kaltschnäuzigkeit.

Islam ist, im Gegensatz zu Judentum und Christentum, m.E. keine abrahamitische Religion, da im Islam u.a. dieser Grundgedanke des Abrahamitischen — (siehe die Gegenüberstellung Isaak und Ismael; vgl. aber auch z.B. die praktische Ausführung des Beschneidungsrituals [siehe » Angst, Punkt 5]: im Judentum bei Säuglingen ohne Erinnerungsvermögen, im Islam bei Kindern, die dies mit Bewusstsein und als Demütigung erleben) — zum Zwecke der Etablierung und Verhärtung oder Verkrustung innerfamiliärer und gesellschaftlicher männlicher Macht, und der „Vorbild“funktion demonstrativer Unterwerfung – ähnlich einem masochistischen Verhalten – soweit verändert worden ist, dass ich darin eine Pervertierung sehe.

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Weiterführende Texte:
Tanach (Wikipedia)
Abraham (Wikipedia)
Opferung Isaaks (Wikipedia)
Opferung Isaaks, Rezeption im Islam (Wikipedia)
Necla Kelek: Die verlorenen Söhne
Islaminstitut: Warum Muslime die Bibel für verfälscht halten

Bildnachweis:
Rembrandt: „Der Engel verhindert die Opferung Isaaks“ (Wikipedia)

Abrahamitisch

Eckhardt Kiwitt
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Nichtexistenz

8 Juli 2016

Hier und da ist man mit einer Methode der Argumentation konfrontiert, bei der man zunächst keine passende Antwort findet: ich nenne sie Entrationalisierung. Es wird ein Argument vorgetragen, zu dem einem einfach nichts einfallen will, weil dem Argument etwas zu fehlen scheint: Logik bzw. Nachvollziehbarkeit. Das (eigene) Denken ist blockiert.

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Die Aufforderung zum Beweis der Nichtexistenz — von was auch immer — kann einen in eine solche Lage bringen.

Das Nichtexistente

Das Nichtexistierende

Die Existenz von etwas zu beweisen, erscheint uns ein leichtes Unterfangen zu sein: Dieses Etwas kann man sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen, oder mittels Messinstrumenten erfassen. Das ist allerdings nicht bei allem der Fall: Schwarze Löcher zum Beispiel können wir mittels unserer Sinnesorgane so einfach nicht nachweisen — dies gelingt jedoch indirekt.

Der Äther galt Wissenschaftlern eine geraume Zeit lang als ein geheimnisvoller Stoff, der das Weltall ausfüllt und in dem sich z.B. Lichtwellen ausbreiten und deren Träger er sein sollte. Ein Nachweis des Äthers ist nie gelungen; heute wissen wir, dass es ihn nicht gibt.

Wegen des angenommenen Alters des Universums sowie aufgrund der Ausbreitungsgeschwindigkeit elektromagnetischer Wellen (Licht) im Vakuum können wir von der Erde aus einen Bereich des Universums überblicken, der einen Radius von 13,798 Milliarden Lichtjahren hat; wegen des Rundumblicks befinden wir uns selbstverständlich immer genau im Mittelpunkt dieser gedachten Kugel.
Was jenseits dieser Sphäre ist, wissen wir nicht, da wir von dort keine Signale bekommen.

Universum -- sichtbare Teile und Mittelpunkt

Universum — von der Erde aus sichtbarer Teil und Mittelpunkt

Alles, was existiert und dessen Existenz wir nachweisen können, verbindet eine Gemeinsamkeit: Der Einfachheit halber nenne ich es Interaktion, Wechselwirkung oder auch nur Wirkung.
Alles, was existiert, interagiert auf irgendeine Weise mit seiner näheren oder weiteren Umgebung; aufgrund dieser Interaktionen können wir es nachweisen — es existiert für uns.

Etwas, das zwar existiert, aber mit seiner Umgebung nicht interagiert oder dessen Interaktionen wir nicht beobachten oder nachweisen können, können wir von etwas, das nicht existiert, nicht unterscheiden — es existiert für uns nicht.

Etwas, das nicht existiert, interagiert ohnehin nicht.

Götterbilder -- Götzenbilder

Götterbilder — Götzenbilder

Göttinnen und Göttern wird nachgesagt, dass sie mit uns Menschen auf mancherlei Weise interagieren. Diese Interaktionen sind jedoch nur Gedanken oder Empfindungen in unseren Gehirnen, Muster elektrischer und chemischer Aktivitäten. Göttinnen und Götter spielen dabei eine vergleichbare Rolle wie seinerzeit der Äther bei der Ausbreitung des Lichts (siehe oben). Da nützt es auch nichts, dass wir uns ein Bild von „Gott“ machen, und sei es nur ein gedankliches …

Das Bild von etwas ist nicht identisch mit diesem Etwas.

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Bildnachweis oben:
Die Erschaffung Adams — Ausschnitt aus dem Deckenfresko des Malers Michelangelo Buonarroti in der Sixtinischen Kapelle, Rom. Wikipedia

Bildnachweis unten:
Dies ist keine Pfeife (Ceci n’est pas une pipe), René Magritte (1898–1967). Wikipedia

Nichtexistenz

Eckhardt Kiwitt
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Bevormundet

29 Januar 2016

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Bevormundung gehört vermutlich in den meisten Religionen zum Standardrepertoire der Machtausübung und des Machterhalts. Immanuel Kant hat dies in seiner „Aufklärung“ in einem wohl weniger beachteten Satz zum Ausdruck gebracht:

Daß der bei weitem größte Teil der Menschen […] den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.

So ist es denn nicht außergewöhnlich, dass es Leute gibt, die meinen, anderen Menschen religiös inspirierte bzw. legitimierte Vorgaben dahingehend machen zu müssen, was diese sich z.B. während eines Museumsbesuchs anschauen dürfen und was nicht.

Buste de femme - Musei Capitolini

Buste de femme – Musei Capitolini

Im Januar 2016 war der iranische Präsident Hassan Rouhani anlässlich eines Staatsbesuchs in der italienischen Hauptstadt Rom zu Gast. Die Medienberichterstattung darüber erging sich großenteils in einem Detail dieses Besuchs: jener Stipvisite im Kapitolinischen Museum, deren Ablauf entweder von iranischen oder von italienischen Offiziellen vorbereitet wurde (Medienberichte zu diesem Detail ließen Vermutungen bezüglich der Organisatoren zu).

Die Organisatoren des Besuchsprogramms hatten – möglicherweise ohne Wissen des iranischen Präsidenten – entschieden, dem Gast den Anblick mehrerer in diesem Museum zu besichtigenden Statuen vorzuenthalten.

Vénus de l'Esquilin - Musei Capitolini

Vénus de l’Esquilin – Musei Capitolini

Die umfangreiche Berichterstattung zu diesem Besuch lässt den Schluss zu, dass der Wunsch, derlei Statuen nicht sehen zu wollen, nicht von Rouhani kam, sondern man ihn mit religiöser Begründung dahingehend bevormundet hat, was er aufgrund seiner Religionszugehörigkeit nach Meinung der Organisatoren sehen darf und was nicht, was ihm zugemutet werden darf und was nicht — und er hat es sich gefallen lassen (müssen), konnte sich vermutlich aus diplomatischen, vielleicht auch aus innenpolitischen Gründen nicht dagegen wehren.

Aphrodite – Musei Capitolini

Aphrodite – Musei Capitolini

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Sollten die Gastgeber oder die Organisatoren geglaubt haben, Rouhani sei ein Idiot, der beim Anblick von etwas anderem als geometrischen Mustern, wie sie im islamischen Kulturkreis an und in Moscheen zu sehen sind, einer Nackten gar, die Selbstbeherrschung oder den Verstand verliert ?

Nasr-ol-Molk-Moschee - Deckenverzierungen

Nasr-ol-Molk-Moschee – Deckenverzierungen

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Anmerkung:

In den Leserkommentaren zur Berichterstattung über den Besuch des iranischen Präsidenten Rouhani in Rom im Januar 2016 war teils davon die Rede, dass die Verhüllung einiger Statuen im Kapitolinischen Museum in Rom ein Zeichen für die Islamisierung Europas sei.
Dieser Argumentation schließe ich mich nicht an — siehe oben.

Zudem liegt es an den Menschen, ob und inwieweit sie — ohne sich von Hass leiten zu lassen[*] oder in diesen abzugleiten — bereit sind, die Werte, Freiheiten und Rechtssicherheiten des freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaats gegen Bevormundung, Einschüchterung sowie gegen Wertvorstellungen und Rechtsnormen einzutauschen, die mit den Errungenschaften der Europäischen Aufklärung und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in erheblichem Umfang nicht vereinbar sind.

Freiheit ist ein Ideal, das sich aus Vernunft selbst trägt ohne Menschen einzuschüchtern oder zu bevormunden, und das den Machtverlust nicht fürchten muss[*] weil es nach Macht nicht strebt.

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[*] Hass sowie die Angst vor Machtverlust stehen der Freiheit entgegen; wer darin gefangen ist, ist nicht frei.

Bildnachweise:
wikimedia.org

bevormundet

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Ausformulierung

26 November 2015

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Ähnlichkeiten mit anderen Religionen oder Ideologien
sind kein Zufall

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Islam ist die Ausformulierung der Grundlagen für ein totalitäres System bis in kleinste Details.
Das Ergebnis zeigt sich überall dort, wo islamische Gesetze gelten / wo Islam Staatsreligion ist.

Diese islamischen Gesetze zielen nicht auf das Gewähren sowie die Gewährleistung individueller Rechte und Freiheiten, nicht auf das Einräumen von — auch geistigen — Freiräumen, sondern auf das Vorgeben und Vorschreiben von zur Norm erhobenen Denk- und Verhaltensweisen und Pflichten, auf die möglichst weitgehende Einengung und Begrenzung von persönlichen Freiräumen.
Daran scheitert die islamische Welt seit vielen Jahrhunderten.

Die Frustration über das Unvermögen, sich von dieser totalitären Ideologie zu befreien — was für Muslime schwierig ist, weil auf Apostasie im Islam die Todesstrafe steht (die manchmal als „Ehrenmord“ daherkommt und vollstreckt wird, also einem Racheakt [wegen „unislamischer Lebensweise“] gleichkommt) — kann ich nachvollziehen, ihre Folgen in Fällen von Gewalttaten aber weder gutheißen noch für gerechtfertigt erachten.

Eine eindeutige Aussage und ein Bekenntnis dazu, dass die weltlichen, von Menschen für Menschen gemachten Gesetze[*] der Staaten Europas und anderer Länder über jedem „göttlichen“ Gesetz, über dem Koran oder über sonstigen „heiligen“ Büchern sowie über den Worten des / der Propheten stehen, vermisse ich von mancher Seite.

Alles Distanzieren von Gewalt und Terror hinterlässt bei mir den Eindruck bloßer Lippenbekenntnisse. Denn womit ich nichts zu tun habe, worin ich in keiner Weise involviert war oder bin, was nicht meiner Weltanschauung entspricht und mit dieser nicht in Verbindung oder in Einklang gebracht werden kann, davon brauche ich mich nicht zu distanzieren.

Stattdessen kann man sich dafür einsetzen, dass am Islam genauso wie an jeder anderen Religion und Ideologie alles kritisiert und hinterfragt werden darf — ALLES.

Allahu asghar ? Allahu 'akbar

Allahu asghar ? Allahu ´akbar


Kritisieren und hinterfragen allerdings ohne in Hass zu verfallen oder sich in einen solchen hineinzusteigern, der die Wahrnehmung und das Urteilsvermögen beeinträchtigen und infolge dessen man leicht zu Fehlschlüssen und Fehlurteilen gelangen kann.

Hinterfragen und kritisieren muss nicht bedeuten, alles vollständig infrage zu stellen im Sinne von ‚für überholt zu erklären‘ oder ‚abschaffen zu wollen‘. Es steht aber für eine sachlich-inhaltliche Auseinandersetzung und für ein Vergleichen — an deren Ende man sehen wird, was die Menschen überzeugt ohne dass sie eingeschüchtert oder zu einer bestimmten Haltung erpresst werden, und was standhält.

Dort, wo ein Hinterfragen und Kritisieren tabu ist, möchte man etwas verbergen …
Das kann Misstrauen hervorrufen oder als ein Zeichen von Unduldsamkeit (Intoleranz) und Schwäche gedeutet werden.

Der freiheitliche, demokratische Rechtsstaat hingegen bezieht seine Stärke u.a. daraus, dass er dulden kann, wozu jede Diktatur zu schwach ist — Kontroversen. Aber auch aus dem sich selbst tragenden allgemeinen und gleichen Recht, das sich nicht auf das Unrecht einer Minderheit, aber auch nicht auf das mögliche nicht-allgemeine und nicht-gleiche oder auf ein die Minderheitenrechte missachtendes Recht (= Unrecht) der Mehrheit stützt.

Die europäischen Werte, das sind vermutlich nicht nur für mich, sondern für die absolute Mehrheit der Menschen in Europa die Werte des in der Renaissance aufgekommenen Humanismus und die der Europäischen Aufklärung sowie die daraus entstandenen Rechtsgrundsätze, die ihren Niederschlag u.a. im Grundrechtskatalog des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland (GG) gefunden haben.

Diese brauchen wir Europäer nach wie vor — auch wenn sie für uns inzwischen so selbstverständlich geworden zu sein scheinen, dass sich manch einer ihrer im Alltag kaum mehr bewusst ist, sie nicht täglich abgleicht mit dem, was in manchen anderen Ländern und Kulturkreisen an der Tagesordnung ist.

«Das Recht schützt die Religionsfreiheit,
die Religion muss das sie schützende Recht achten.»

Dieser Satz gilt für andere Rechte und Freiheiten in gleichem Maße.

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[*] Welche Rechte und Freiheiten gewährt und gewährleistet Islam – oder auch andere Religionen -, und welche Rechte und Freiheiten gewährt und gewährleistet im Vergleich dazu unsere Verfassung, das Grundgesetz ?
Inwieweit sehen Islam, aber auch andere Religionen, eine Gewaltenteilung vor, wie wir sie im modernen Verfassungsstaat kennen und mittels derer die Macht einzelner Personen und Institutionen eingeschränkt und deren möglicher Willkür Grenzen gesetzt werden ?

» Ergänzend [1]:
Deutschland muss religiöse Zumutungen ertragen.
Das gilt auch für Kränkungsfetischisten.

Von Horst Dreier (Staatsrechtler) in der SZ vom 27. November 2015

P.S.: Der Untertitel des Gastbeitrags von Horst Dreier in der SZ wurde gegenüber der Erstversion inzwischen abgeändert in „Zur Demokratie gehören Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit – inklusive Religionskritik. Das sollte so bleiben.

» Ergänzend [2]:
Terrorismus hat sehr wohl mit Religion zu tun
Von Alexander Grau im Cicero am 12. Dezember 2015

[…] Was in Europa und insbesondere hierzulande unter Religion verstanden wird, das ist Religion nach der Aufklärung, das ist die von außen gezähmte und zivilisierte Religion der Moderne, gebändigt und rationalisiert durch naturwissenschaftliche, historische und psychologische Religionskritik. Es ist eine Religion, die um ihre Relativität weiß, eine Religion, die verstanden hat (oder haben sollte), dass ihre zentralen Begriffe und Rituale Symbole sind, mit deren Hilfe Menschen Sinn konstruieren. […]

Ausformulierung_296

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