Archive for the ‘Basics’ Category

Wertschätzung, Unschuldsvermutung und Gerücht

2 April 2017

Wenn man andere von etwas überzeugen will

oder

Wie Kritik in eine Art Hexenjagd münden kann …

~ ~ ~

Eigene Wertschätzung

Die Werte und Vorzüge eines freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaats jemandem näherzubringen gelingt wahrscheinlich am ehesten, indem man diese Werte vorlebt, sie erklärt und erläutert.

Diese Werte braucht man dabei weder infrage zu stellen noch herunterzuspielen oder gar zur Disposition zu stellen oder zu verleugnen, sondern man kann zu ihnen stehen und sie ggf. auch gegen Angriffe oder Unterminierungsversuche aus Überzeugung und mit Sachargumenten verteidigen.

Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen oder Menschen mit einer anderen als der eigenen Meinung oder Weltanschauung pauschal mit Vorurteilen zu überziehen, gegen sie zu hetzen, sie zu beschimpfen und zu beleidigen, dabei vielleicht sogar die Unschuldsvermutung außer acht zu lassen oder zu negieren, dürfte hingegen kaum eine geeignete und überzeugende Methode sein.
Denn von was will man andere damit überzeugen?

Wer z.B. meint, vom Fehlverhalten einzelner Menschen einer bestimmten Gruppe oder Herkunft auf alle Menschen der gleichen Gruppe oder Herkunft schließen zu können und ihnen ebenfalls Fehlverhalten unterstellen zu müssen, der lässt die Unschuldsvermutung außer acht.

Das Gerücht

Unschuldsvermutung und Gerücht: „Sie haben erzählt, dass …“

Mit Sätzen wie

Eine Duisburger Rede,
3. August 2015

[…] abends um 20 Uhr ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt wurde. Und nachdem wir ja täglich von solchen Meldungen schockiert werden, kann man sich fast vorstellen, wer der Täter war. Es wurde, vor wenigen Tagen wurde jetzt einer aus einem Asylantenheim verhaftet […], und das ist das, was wir täglich in Deutschland erleben.

werden Menschen gewissermaßen in Sippenhaftung genommen und für Taten verantwortlich gemacht, die sie nicht begangen haben. Derlei gab es in Deutschland zuletzt während der Herrschaft der Nationalsozialisten von 1933 bis 1945, und danach teils noch in der DDR bis 1989.

Jemanden für etwas verantwortlich zu machen das er nicht getan hat, ist Ungerechtigkeit, erzeugt Wut und womöglich Hass, der sich später vielleicht ein Ventil sucht oder Trotzreaktionen provoziert.
Einen Vorteil hat davon niemand.

Gleiches Recht

In einem demokratischen Rechtsstaat gilt gleiches Recht für alle — auch für Minderheiten –, ungeachtet, was jemand glaubt oder nicht glaubt. In Deutschland ist dies z.B. aufgrund der Verfassung, u.a. des GG Art. 140 geregelt.
Wäre es anders, würden Menschen womöglich um die Wette glauben, um mehr Sonderrechte für sich einzuheimsen als der Nachbar.

Es braucht für einen demokratischen Rechtsstaat, der zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet ist, unseres Erachtens keinen Grund zu geben, seine Gesetze und seine Grundrechtsgarantien an Glaubensinhalte von Religionen oder sonstigen Weltanschauungen anzupassen. Im Gegenteil sind die Menschen in diesem Land gehalten, sich in ihrem Verhalten an der Verfassung und an den anderen geltenden Gesetzen zu orientieren.

~ ~ ~

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Den Beitrag habe ich von der Website von PI-München übernommen.
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wertschaetzung-unschuldsvermutung-geruecht

Grundannahme

2 Februar 2017

* * *

Grundannahme

Kritik an einer totalitären Ideologie und einem despotischen System sowie Kritik an der Todesstrafe[*] und an anderen Menschenrechtsverletzungen ist keine Phobie und ist kein Rassismus.

Es soll sachbezogene Kritik sein.

Diese Kritik soll nur in begründeten Ausnahmfällen personenbezogen sein ohne verletzend zu werden oder herabzuwürdigen.

Eine solche Kritik zu diffamieren entzieht der sachlichen Diskussion die Grundlage sowie den Gegenargumenten die Plausibilität.

+ + +

Zitat:

Wie wollen Sie mit Menschenrechtsverletzungen und mit Kritik an Menschenrechtsverletzungen umgehen?

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[*] vgl. Rache sowie Hass

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Eckhardt Kiwitt
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Abrahamitisch ?

25 Juli 2016

Wir Menschen neigen dazu, für uns bzw. für den Sozialverband (Familie, Clan, Volk, Staat), in dem wir leben, zum Zweck des Zusammenhalts der Gruppe, aber auch der Identitätsstiftung sowie der Selbstvergewisserung Gründungs- und Schöpfungsmythen zu ersinnen. Manche dieser Gründungs- oder Schöpfungsmythen ähneln sich über Kontinentgrenzen hinweg oder gleichen sich sogar in einigen Details (siehe z.B. den Schöpfungsmythos der Maori in Neuseeland). Andere erzählen eine eher außergewöhnliche Geschichte.

Wahrscheinlich in der Gegend des derzeitigen Iraq wurde vor weit über zweitausend Jahren eine symbolische Figur erdacht, die uns heute unter dem Namen Abraham bekannt ist. Hinweise oder Belege für seine tatsächliche Existenz gibt es keine; seine Aufgabe war es, einem Volk, das aus dieser Gegend stammte, als Gründungsfigur, als Urvater zu dienen, auf den sich noch nachfolgende Generationen würden berufen können.

Um diesen Abraham herum wurde eine umfangreiche „biographische“ Geschichte gesponnen, mittels derer das damalige Sozial- und Machtgefüge einen stabilen konstituierenden Rahmen erhalten sollte.

Insbesondere für die Macht-Frage wurde eine Begebenheit erdacht, die prägend für die damalige Gegenwart wie auch für die Zukunft werden sollte: Die „Bindung“ oder Opferung Isaaks, Abrahams zweitgeborenem Sohn aus dessen Ehe mit Sara (Sarai). Seinen erstgeborenen Sohn Ismael hatte er mit der jungen Sklavin Hagar gezeugt.

In der Geschichte der Opferung Isaaks wird u.a. zum Ausdruck gebracht, dass dieser ein sehr großes Vertrauen in seinen Vater Abraham hat — also eine positive Grundhaltung. „Gott“ spielt in dieser Geschichte eine rationalisierende Rolle.

In einer Religion, die lange Zeit später teils aus Bruchstücken, teils aus Versatzstücken der jüdischen Religion sowie aus Hinzudichtungen zusammengesetzt wurde, wird der Zweitgeborene Isaak in den Erstgeborenen Ismael umgedeutet (verfälscht), und aus dem Vertrauen, das Isaak seinem Vater Abraham entgegenbringt, wird eine masochistisch anmutende Unterwerfungsgeste Ismaels, wenn dieser laut Koran (Sure 37, Verse 99-109) sagt: „O mein Vater, tu, wie dir befohlen wird; du sollst mich – so Allah will – unter den Geduldigen finden.“ [37:102]

Resümee:

Sogenannte „göttliche“ Gesetze werden bisweilen von selbsternannten Gurus oder Scharlatanen aus egoistischen bzw. egozentrischen Motiven heraus erfunden und erlassen und können exclusiv gelten (vgl. Das Islam-Prinzip, Kapitel 6, Zitat nach Zülfü Livaneli am Kapitelende). Das unterscheidet sie von den Gesetzen der Verfassungsstaaten, die zwar, wie die „göttlichen“ Gesetze, ebenfalls von Menschen erdacht und erlassen werden. Dies geschieht jedoch nicht aus egoistischen Motiven, sondern aus Gründen der Rechtssicherheit für die Bürger eines Landes, inclusive Minderheiten, weshalb in Verfassungsstaaten die Grundsätze allgemeinen und gleichen Rechts gelten.

Sowohl Bibel als auch Koran wurden von Menschen verfasst; nichts deutet darauf hin, dass irgendwelche Götter, Erzengel oder sonstige imaginäre Wesen daran beteiligt gewesen sind (es sei denn, man wollte z.B. im Koran, in Sure 2 Vers 2 den Beweis für den göttlichen Ursprung des Korans erkennen, also in einem Zirkelschluss), es gibt keine nachgewiesenen oder nachweisbaren Wechselwirkungen oder dergleichen, die sich nicht als bloße Gedankenspielereien oder Geschichtenerzählereien entlarven ließen (siehe u.a. den Beitrag Nichtexistenz).

Die Bibel wird im Islam als „verfälscht“ bezeichnet.
Eine Textsammlung (Bibel, Tanach) als „verfälscht“ zu bezeichnen, die etliche Jahrhunderte, teils weit über tausend Jahre vor dem angeblichen Original (Koran) entstanden ist (vgl. Islam in drei Sätzen), das wirkliche Original also als Fälschung hinzustellen und die Fälschung als Original, ist eine gewagte These; man kann auch von Chuzpe — Anmaßung — sprechen (vgl. Der kleine Erpressungsversuch *), oder von Kaltschnäuzigkeit.

Islam ist, im Gegensatz zu Judentum und Christentum, m.E. keine abrahamitische Religion, da im Islam u.a. dieser Grundgedanke des Abrahamitischen — (siehe die Gegenüberstellung Isaak und Ismael; vgl. aber auch z.B. die praktische Ausführung des Beschneidungsrituals [siehe » Angst, Punkt 5]: im Judentum bei Säuglingen ohne Erinnerungsvermögen, im Islam bei Kindern, die dies mit Bewusstsein und als Demütigung erleben) — zum Zwecke der Etablierung und Verhärtung oder Verkrustung innerfamiliärer und gesellschaftlicher männlicher Macht, und der „Vorbild“funktion demonstrativer Unterwerfung – ähnlich einem masochistischen Verhalten – soweit verändert worden ist, dass ich darin eine Pervertierung sehe.

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Weiterführende Texte:
Tanach (Wikipedia)
Abraham (Wikipedia)
Opferung Isaaks (Wikipedia)
Opferung Isaaks, Rezeption im Islam (Wikipedia)
Necla Kelek: Die verlorenen Söhne
Islaminstitut: Warum Muslime die Bibel für verfälscht halten

Bildnachweis:
Rembrandt: „Der Engel verhindert die Opferung Isaaks“ (Wikipedia)

Abrahamitisch

Eckhardt Kiwitt
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Nichtexistenz

8 Juli 2016

Hier und da ist man mit einer Methode der Argumentation konfrontiert, bei der man zunächst keine passende Antwort findet: ich nenne sie Entrationalisierung. Es wird ein Argument vorgetragen, zu dem einem einfach nichts einfallen will, weil dem Argument etwas zu fehlen scheint: Logik bzw. Nachvollziehbarkeit. Das (eigene) Denken ist blockiert.

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Die Aufforderung zum Beweis der Nichtexistenz — von was auch immer — kann einen in eine solche Lage bringen.

Das Nichtexistente

Das Nichtexistierende

Die Existenz von etwas zu beweisen, erscheint uns ein leichtes Unterfangen zu sein: Dieses Etwas kann man sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen, oder mittels Messinstrumenten erfassen. Das ist allerdings nicht bei allem der Fall: Schwarze Löcher zum Beispiel können wir mittels unserer Sinnesorgane so einfach nicht nachweisen — dies gelingt jedoch indirekt.

Der Äther galt Wissenschaftlern eine geraume Zeit lang als ein geheimnisvoller Stoff, der das Weltall ausfüllt und in dem sich z.B. Lichtwellen ausbreiten und deren Träger er sein sollte. Ein Nachweis des Äthers ist nie gelungen; heute wissen wir, dass es ihn nicht gibt.

Wegen des angenommenen Alters des Universums sowie aufgrund der Ausbreitungsgeschwindigkeit elektromagnetischer Wellen (Licht) im Vakuum können wir von der Erde aus einen Bereich des Universums überblicken, der einen Radius von 13,798 Milliarden Lichtjahren hat; wegen des Rundumblicks befinden wir uns selbstverständlich immer genau im Mittelpunkt dieser gedachten Kugel.
Was jenseits dieser Sphäre ist, wissen wir nicht, da wir von dort keine Signale bekommen.

Universum -- sichtbare Teile und Mittelpunkt

Universum — von der Erde aus sichtbarer Teil und Mittelpunkt

Alles, was existiert und dessen Existenz wir nachweisen können, verbindet eine Gemeinsamkeit: Der Einfachheit halber nenne ich es Interaktion, Wechselwirkung oder auch nur Wirkung.
Alles, was existiert, interagiert auf irgendeine Weise mit seiner näheren oder weiteren Umgebung; aufgrund dieser Interaktionen können wir es nachweisen — es existiert für uns.

Etwas, das zwar existiert, aber mit seiner Umgebung nicht interagiert oder dessen Interaktionen wir nicht beobachten oder nachweisen können, können wir von etwas, das nicht existiert, nicht unterscheiden — es existiert für uns nicht.

Etwas, das nicht existiert, interagiert ohnehin nicht.

Götterbilder -- Götzenbilder

Götterbilder — Götzenbilder

Göttinnen und Göttern wird nachgesagt, dass sie mit uns Menschen auf mancherlei Weise interagieren. Diese Interaktionen sind jedoch nur Gedanken oder Empfindungen in unseren Gehirnen, Muster elektrischer und chemischer Aktivitäten. Göttinnen und Götter spielen dabei eine vergleichbare Rolle wie seinerzeit der Äther bei der Ausbreitung des Lichts (siehe oben). Da nützt es auch nichts, dass wir uns ein Bild von „Gott“ machen, und sei es nur ein gedankliches …

Das Bild von etwas ist nicht identisch mit diesem Etwas.

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Bildnachweis oben:
Die Erschaffung Adams — Ausschnitt aus dem Deckenfresko des Malers Michelangelo Buonarroti in der Sixtinischen Kapelle, Rom. Wikipedia

Bildnachweis unten:
Dies ist keine Pfeife (Ceci n’est pas une pipe), René Magritte (1898–1967). Wikipedia

Nichtexistenz

Eckhardt Kiwitt
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Ausformulierung

26 November 2015

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Ähnlichkeiten mit anderen Religionen oder Ideologien
sind kein Zufall

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Islam ist die Ausformulierung der Grundlagen für ein totalitäres System bis in kleinste Details.
Das Ergebnis zeigt sich überall dort, wo islamische Gesetze gelten / wo Islam Staatsreligion ist.

Diese islamischen Gesetze zielen nicht auf das Gewähren sowie die Gewährleistung individueller Rechte und Freiheiten, nicht auf das Einräumen von — auch geistigen — Freiräumen, sondern auf das Vorgeben und Vorschreiben von zur Norm erhobenen Denk- und Verhaltensweisen und Pflichten, auf die möglichst weitgehende Einengung und Begrenzung von persönlichen Freiräumen.
Daran scheitert die islamische Welt seit vielen Jahrhunderten.

Die Frustration über das Unvermögen, sich von dieser totalitären Ideologie zu befreien — was für Muslime schwierig ist, weil auf Apostasie im Islam die Todesstrafe steht (die manchmal als „Ehrenmord“ daherkommt und vollstreckt wird, also einem Racheakt [wegen „unislamischer Lebensweise“] gleichkommt) — kann ich nachvollziehen, ihre Folgen in Fällen von Gewalttaten aber weder gutheißen noch für gerechtfertigt erachten.

Eine eindeutige Aussage und ein Bekenntnis dazu, dass die weltlichen, von Menschen für Menschen gemachten Gesetze[*] der Staaten Europas und anderer Länder über jedem „göttlichen“ Gesetz, über dem Koran oder über sonstigen „heiligen“ Büchern sowie über den Worten des / der Propheten stehen, vermisse ich von mancher Seite.

Alles Distanzieren von Gewalt und Terror hinterlässt bei mir den Eindruck bloßer Lippenbekenntnisse. Denn womit ich nichts zu tun habe, worin ich in keiner Weise involviert war oder bin, was nicht meiner Weltanschauung entspricht und mit dieser nicht in Verbindung oder in Einklang gebracht werden kann, davon brauche ich mich nicht zu distanzieren.

Stattdessen kann man sich dafür einsetzen, dass am Islam genauso wie an jeder anderen Religion und Ideologie alles kritisiert und hinterfragt werden darf — ALLES.

Allahu asghar ? Allahu 'akbar

Allahu asghar ? Allahu ´akbar


Kritisieren und hinterfragen allerdings ohne in Hass zu verfallen oder sich in einen solchen hineinzusteigern, der die Wahrnehmung und das Urteilsvermögen beeinträchtigen und infolge dessen man leicht zu Fehlschlüssen und Fehlurteilen gelangen kann.

Hinterfragen und kritisieren muss nicht bedeuten, alles vollständig infrage zu stellen im Sinne von ‚für überholt zu erklären‘ oder ‚abschaffen zu wollen‘. Es steht aber für eine sachlich-inhaltliche Auseinandersetzung und für ein Vergleichen — an deren Ende man sehen wird, was die Menschen überzeugt ohne dass sie eingeschüchtert oder zu einer bestimmten Haltung erpresst werden, und was standhält.

Dort, wo ein Hinterfragen und Kritisieren tabu ist, möchte man etwas verbergen …
Das kann Misstrauen hervorrufen oder als ein Zeichen von Unduldsamkeit (Intoleranz) und Schwäche gedeutet werden.

Der freiheitliche, demokratische Rechtsstaat hingegen bezieht seine Stärke u.a. daraus, dass er dulden kann, wozu jede Diktatur zu schwach ist — Kontroversen. Aber auch aus dem sich selbst tragenden allgemeinen und gleichen Recht, das sich nicht auf das Unrecht einer Minderheit, aber auch nicht auf das mögliche nicht-allgemeine und nicht-gleiche oder auf ein die Minderheitenrechte missachtendes Recht (= Unrecht) der Mehrheit stützt.

Die europäischen Werte, das sind vermutlich nicht nur für mich, sondern für die absolute Mehrheit der Menschen in Europa die Werte des in der Renaissance aufgekommenen Humanismus und die der Europäischen Aufklärung sowie die daraus entstandenen Rechtsgrundsätze, die ihren Niederschlag u.a. im Grundrechtskatalog des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland (GG) gefunden haben.

Diese brauchen wir Europäer nach wie vor — auch wenn sie für uns inzwischen so selbstverständlich geworden zu sein scheinen, dass sich manch einer ihrer im Alltag kaum mehr bewusst ist, sie nicht täglich abgleicht mit dem, was in manchen anderen Ländern und Kulturkreisen an der Tagesordnung ist.

«Das Recht schützt die Religionsfreiheit,
die Religion muss das sie schützende Recht achten.»

Dieser Satz gilt für andere Rechte und Freiheiten in gleichem Maße.

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[*] Welche Rechte und Freiheiten gewährt und gewährleistet Islam – oder auch andere Religionen -, und welche Rechte und Freiheiten gewährt und gewährleistet im Vergleich dazu unsere Verfassung, das Grundgesetz ?
Inwieweit sehen Islam, aber auch andere Religionen, eine Gewaltenteilung vor, wie wir sie im modernen Verfassungsstaat kennen und mittels derer die Macht einzelner Personen und Institutionen eingeschränkt und deren möglicher Willkür Grenzen gesetzt werden ?

» Ergänzend [1]:
Deutschland muss religiöse Zumutungen ertragen.
Das gilt auch für Kränkungsfetischisten.

Von Horst Dreier (Staatsrechtler) in der SZ vom 27. November 2015

P.S.: Der Untertitel des Gastbeitrags von Horst Dreier in der SZ wurde gegenüber der Erstversion inzwischen abgeändert in „Zur Demokratie gehören Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit – inklusive Religionskritik. Das sollte so bleiben.

» Ergänzend [2]:
Terrorismus hat sehr wohl mit Religion zu tun
Von Alexander Grau im Cicero am 12. Dezember 2015

[…] Was in Europa und insbesondere hierzulande unter Religion verstanden wird, das ist Religion nach der Aufklärung, das ist die von außen gezähmte und zivilisierte Religion der Moderne, gebändigt und rationalisiert durch naturwissenschaftliche, historische und psychologische Religionskritik. Es ist eine Religion, die um ihre Relativität weiß, eine Religion, die verstanden hat (oder haben sollte), dass ihre zentralen Begriffe und Rituale Symbole sind, mit deren Hilfe Menschen Sinn konstruieren. […]

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Eckhardt Kiwitt
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Herausforderung

8 Januar 2015

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Intro

Zwei Aspekte von „Herausforderung“

1.:
Eine Religion oder sonstige Ideologie, die ihre Macht daraus schöpft, Menschen so zu prägen, dass sie sich mit einem übermächtigen „Vorbild“ völlig oder weitgehend identifizieren, dass sie also keine oder nur eine schwache eigenständige Persönlichkeit entwickeln, Menschen mithin so zu formen, dass sie den Herausforderungen durch Kritik, insbesondere Kritik am übermächtigen „Vorbild“, kaum oder gar nicht gewachsen sind, diese gar als existenzielle Bedrohung empfinden — eine solche Religion / Ideologie ist keine gute Grundlage für ein die Würde der Menschen achtendes Gemeinwesen.

Kaaba-stone+CaF

Siehe Mohammed in Bildern sowie Image Problem

~ ~ ~

2.:
Das Bekenntnis zum freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaat beinhaltet immer auch das Bekenntnis zu dem Recht, Karikaturen zeichnen und veröffentlichen zu dürfen.

Dieses Recht in Abrede stellen zu wollen darf als Herausforderung (Provokation) empfunden werden.

.

P.S.:
Eine Religion kann man nicht beleidigen, und der Islam-Begründer ist schon lange tot; den kann man also ebenfalls nicht beleidigen.

Eine Religion / Ideologie, die Angst und Schrecken verbreitet, verdient keinen Respekt, sondern Verachtung.

Betrachte die Gegebenheiten in Gesellschaften, in denen islamische Gesetze gelten, Länder, in denen Islam Staatsreligion ist — wofür man Menschen, die aus diesem ideologischen Gefängnis nicht auszubrechen vermögen, nicht in Sippenhaftung nehmen kann und darf; (siehe oben).

Aufrichtigkeit im Umgang auch mit den unangenehmen Aspekten des Islams (des Islams !) ist womöglich hilfreicher als ein ums andere Mal die These vom friedlichen und toleranten Islam herunterzubeten oder zu behaupten, dass «der Islam jede Gewalt anprangert».

Die unangenehmen Aspekte des Islams gilt es zu überwinden. Dies kann am ehesten gelingen, wenn man sie klar benennt und beschreibt statt sie totzuschweigen oder zu leugnen.

Mir geht es dabei nicht um Kulturkampf. Sehr wohl aber um das, was uns als Ergebnis der Europäischen Aufklärung erhaltenswert sein sollte.
Das wurde von den Menschen einst gegen die Macht „der Religionen“ bzw. ihrer Stellvertreter errungen.

Gesellschaften und Staaten mögen ihre Werte und Gesetze hochhalten, das ist legitim.
Anderen diese Gesetze und Werte aufzwingen zu wollen, und sei es mittels Terror, ist es nicht.

Die Grenzen des Rechts auf freie Meinungsäußerung mit Waffengewalt zu ziehen ist in freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaaten keine allgemein anerkannte Methode.

°:°

Herausforderung_011

Eckhardt Kiwitt
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Der kleine Erpressungsversuch *

7 September 2014

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Man hört es noch manchmal, dieses Satzpaar:

Wenn jemand einen Menschen tötet, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.

Das klingt moralisch sehr anspruchsvoll, und diejenigen, die diese Sätze zitieren, wissen zu sagen, dass es so im Koran geschrieben steht.
In diesem Buch gibt es das Kapitel „Der Tisch“ (Al-Ma’idah), ein allgemeiner Begriff, den man nicht leicht in irgendeinen Zusammenhang mit o.a. Zitat bringt.

Mohammed führt Hamza und die Muslime gegen Banu Qaynuqa’.

Mohammed führt Hamza und die Muslime gegen Banu Qaynuqa’.

Die ersten Absätze des Kapitels lesen sich wie ein Sammelsurium aus Verhaltensregeln zum alltäglichen Leben:
Reinheitsgebote, Essensvorschriften, Umgangsformen, Freiheitsrechte wie «Alle guten Dinge sind euch erlaubt» (Vers 4) und dergleichen mehr; aber auch einem kleinen Erpressungsversuch*, der zur Geldzahlung – zwecks Sündenvergebung und Paradiesversprechen – auffordert (Vers 12), was manch einem vielleicht gar zu plump erscheint, um sich darauf einzulassen, und dann dagegen rebelliert.

Insgesamt erwecken die Sätze den Eindruck einer letzten Rede oder Abschiedsrede an einen kleinen Kreis an einem Tisch sitzender enger Freunde oder Gefolgsleute von jemandem, der ahnt, dass es mit ihm zu Ende geht. Gegen Ende des Kapitels (Vers 112 ff) ist von diesem Möbelstück in einem anderen Zusammenhang die Rede.

Einige der Sätze könnten aus dem Alten Testament stammen [1], nehmen sie doch Bezug zu den „Kindern Israels“. So auch besagter Satz, der gern zitiert wird, um einen hohen moralischen Anspruch des Korans bzw. des Islams zu etablieren.

Tatsächlich beginnt o.a. Satz mit den Worten „Deshalb haben wir den Kindern Israels verordnet, dass …“, was beim Zitieren allerdings gern weggelassen wird. Denn diese Eingangsworte belegen, an wen [2] die Ermahnung gerichtet ist — und an wen nicht, wofür man heute lebende Menschen egal welcher Herkunft oder welcher Weltanschauung nicht verantwortlich machen kann, da sie den Text nicht verfasst haben.

Pikant liest sich der unmittelbar darauf folgende Vers, durch den das vorangegangene Gebot – allerdings nur scheinbar – aufgehoben wird, ist dort doch von Töten, von Kreuzigen sowie vom Abschlagen der Hände und Füße und von Vertreibung die Rede.

Danach geht es weiter mit dem oben bereits erwähnten, stellenweise in antijüdische Hetze ausartenden Sammelsurium, welches den Eindruck erwecken kann, den schon Voltaire bei der Lektüre des Korans hatte und in die Worte fasste, dass es sich um ein Buch handle, das „bei jeder Seite den gesunden Menschenverstand erbeben lässt“.

Abschließend die beiden vollständigen Verse aus dem Koran, Sure 5, die im Zusammenhang mit dem Erpessungsversuch aus Vers 12 (siehe oben) sowie einigen historischen Hintergründen in einem ganz anderen Licht erscheinen:

Deshalb haben Wir den Kindern Israels verordnet, daß, wenn jemand einen Menschen tötet, ohne daß dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne daß ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten. Und Unsere Gesandten kamen mit deutlichen Zeichen zu ihnen; dennoch, selbst danach begingen viele von ihnen Ausschreitungen im Land. [5:32]

Der Lohn derer, die gegen Allah und Seinen Gesandten Krieg führen und Verderben im Lande zu erregen trachten, soll sein, daß sie getötet oder gekreuzigt werden oder daß ihnen Hände und Füße wechselweise abgeschlagen werden oder daß sie aus dem Lande vertrieben werden. Das wird für sie eine Schmach in dieser Welt sein, und im Jenseits wird ihnen eine schwere Strafe zuteil. [5:33]

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[1] Quellenangabe: http://www.regina-berlinghof.de/faz77-Koran+Mischna.htm

In der mündlich überlieferten Bibelauslegung, die im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in der „Mischna“ schriftlich niedergelegt wurde, findet sich im Kapitel Sanhedrin folgende Stelle:

„Denn jeder, der eine Seele Israels tötet, der gelte nach der Schrift wie einer, der eine ganze Welt getötet hat. Und jeder, der das Leben einer Seele Israels rettet, der gelte nach der Schrift wie einer, der eine ganze Welt gerettet hat.“

Mit dem Gewicht dieser Sätze sollten Zeugen im Strafprozeß eindringlich zur Wahrheit angehalten werden.

[2] Artikel zum Verständnis historischer Zusammenhänge, die im Koran nicht aufgezeigt werden.

* Die große Erpressung im Islam ist die Androhung der Todesstrafe bei Apostasie — siehe Das Islam-Prinzip, Kapitel 3, 6. Todesstrafe bei Abfall vom Glauben (bei Apostasie), sowie das Stichwort „Ehrenmord“ in Marginalien & Zitate

°:°

Als-hätte-er-die-ganze-Menschheit

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Kein Zwang im Glauben ?

5 September 2014

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„Es gibt keinen Zwang im Glauben“ ist ein gern zitierter Satz, um die vermeintliche Toleranz des Islams in Glaubensfragen darzustellen oder zu untermauern. Auf eine genaue Quellenangabe wird dabei oft verzichtet, und auch der Zusammenhang des Satzes wird meist nicht näher erläutert.
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In einer anderen Übersetzung lautet dieser Satz „Es soll kein Zwang sein im Glauben“ (Ahmadiyya, PDF-Seite 47, dort Vers 257).
„Es soll nicht“ bedeutet allerdings längst nicht „es darf nicht“ oder „es gibt nicht“.

Obendrein wird beim gedanklichen wie auch beim lautlichen Sprechen des Satzes die Betonung intuitiv eher auf die Wörter «kein Zwang» gelegt:
„Es gibt keinen Zwang im Glauben“.

Wenn man jedoch die Betonung auf das Wort «im» legt, assoziiert man mit dem Satz evtl. etwas ganz anderes:
„Es gibt keinen Zwang im Glauben“.
Außerhalb des Glaubens aber womöglich durchaus.

Sofern man in diesem Glauben, in dieser Religion lebt, damit aufgewachsen ist und nie Vergleiche angestellt hat, oder sich freiwillig dort hineinbegeben hat, dann empfindet man manches vermutlich gar nicht als Zwang — was von einem Außenstehenden jedoch ganz anders, vielleicht sogar gegenteilig wahrgenommen oder empfunden wird.

In der Wikipedia gibt es zu diesem Koran-Vers (Sure 2:256) einen ausführlichen Artikel, in dem mehrere Beispiele aufgeführt sind, wie dieser Satz im historischen Kontext zu verstehen sei.

Den Zwang außerhalb bzw. jenseits des Glaubens kennen z.B. Apostaten des Islams – denn auf Apostasie (Abfall vom Glauben, arab. Ridda) steht nach islamischem Recht auch heutzutage die Todesstrafe, wie sie in mehreren Ländern, in denen Islam Staatsreligion ist bzw. in denen islamische Gesetze gelten, an Glaubensabtrünnigen vollstreckt wird.

Die Absicht, mit diesem einen Satz aus Sure 2 Vers 256 des Korans eine Toleranz des Islams allgemein oder in Glaubensfragen herzuleiten oder zu belegen, gerät angesichts der drohenden Todesstrafe für Apostaten gemäß islamischem Recht zu blankem Hohn.

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Kein-Zwang-im-Glauben_02

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Der Grund

27 August 2014

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Start-Zitate_01

* * *

Jeder soll glauben, wozu er lustig ist.

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Sobald Menschen anfangen,
ihre außerhalb rationaler Erkenntnis befindlichen Glaubenssätze
absolut zu setzen und auch noch mit Strafnormen zu versehen,
wird es gefährlich.

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