Angst

Intro

Sechs allgemeine, kurze Kommentare
zu religiös intendierter
oder religiös legitimierter Gewalt

— nicht auf Islam beschränkt —

Gewalt wird nicht dadurch schön, dass man die Fahne, unter der sie verübt wird, austauscht oder anders anmalt.

~ ~

PDF zum Selberdrucken im text-collection_cover-0Download-Bereich

.

.

.

.

.

~ ~

Angst-3
Goethe / Voltaire: „Mahomet“,
fünfter Aufzug, vierter Auftritt
:

Mahomet:
Lernt, Ungläubige,
den Lohn des Aufruhrs gegen Gottgesandte, die Rache kennen, die der Himmel schickt. Natur und Tod vernehmen meine Stimme.
Der Tod, der mir gehorcht, beschützte mich und grub die Züge rächender Vernichtung auf diese bleiche Stirne plötzlich ein.
Er steht noch zwischen euch und mir der Tod, er zielt und wartet, was ich ihm gebiete.

.

Der Koran, das „heilige“ Buch
des Islams, Sure 5 Vers 33
:

Der Lohn derer, die gegen Allah und Seinen Gesandten Krieg führen und Verderben im Lande zu erregen trachten, soll sein, dass sie getötet oder gekreuzigt werden oder dass ihnen Hände und Füße wechselweise abgeschlagen werden

Ali bin Abu Taleb enthauptet Nasr bin al-Hareth nach der Schlacht bei Badr in Gegenwart von Mohammed. Illustration aus dem Siyer-i Nebi. Siehe „Mohammed in Bildern“, #26


  • 1 | «Dem Staate bringt die Furchtsamkeit Verderben» heißt es in Voltaires „Mahomet“, ein Trauerspiel, das in Goethes Übersetzung im deutschen Sprachraum seit Jahrzehnten nicht mehr aufgeführt wird.
  • » Aus Angst ?

    -::-

  • 2 | «Dem Staate bringt die Furchtsamkeit Verderben» gilt nicht nur in so manchen islamischen Staaten und Gesellschaften oder anderen totalitären Gemeinwesen. Auch Menschen, die in freiheitlichen, demokratischen Gesellschaften sozialisiert sind, lassen sich in ihren Entscheidungen bisweilen von Irrationalem leiten, wagen es nicht, öffentlich zu hinterfragen, wo z.B. die Ursachen der Islamkritik oder der Kritik an was und an wem auch immer liegen. Sie tun dies allenfalls hinter vorgehaltener Hand.
  • » Aus Angst ?

    -::-

  • 3 | Manche Politiker und Journalisten beklagen eine sogenannte „Islamfeindlichkeit“ und setzen diese – manchmal leider nicht ganz zu Unrecht, wie das Beispiel einiger Leute zeigt, denen es nur vordergründig um Islamkritik geht – mit Ablehnung von Muslimen gleich, nicht erkennend oder (bewusst?) verkennend, dass die «Islam»-Kritik der „ganzheitlichen“, also totalitären Ideologie gilt, aber nicht denjenigen Menschen, die aufgrund der Androhung der Todesstrafe bei Apostasie zu Geiseln dieser „Religion“ genommen sind.
  • » Aus Angst ?

    -::-

  • 4 | Im Jahr 2006 hatte die Intendantin der Deutschen Oper Berlin eine Inszenierung von Mozarts Oper „Idomeneo“ abgesetzt, weil darin u.a. der Kopf eines enthaupteten „Mohammed“ auf der Bühne zur Schau gestellt werden sollte.
  • » Aus Angst ?
    Um zu verhindern, dass Muslime sich beleidigt oder, schlimmer noch, derart angegriffen fühlen könnten wie einst nach dem Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen? Ist der Gott des Islams, Allah, der doch angeblich „größer“ sein soll, so klein; sind manche Muslime so persönlichkeitsschwach und mit Minderwertigkeitskomplexen beladen, dass sie mit Kritik nicht rational umzugehen verstehen, gar den Halt im Leben zu verlieren befürchten?

    -::-

  • 5 | Im Mai 2012 fällte das Landgericht Köln ein vielbeachtetes Urteil zur Knabenbeschneidung, wie sie insbesondere im Judentum und im Islam üblich, aber auch z.B. in den Philippinen und den USA bei Christen weit verbreitet ist, und wertete dieses Ritual, das mich mehr an Voodoo denn an Religion (Gottes- / Göttinverehrung) erinnert, als strafbewehrte Körperverletzung (gemäß § 223 StGB). Im Verlauf der anschließenden öffentlichen Debatte wurde, soweit ich diese verfolgt habe, von keinem Politiker, keinem Journalisten und auch keinem Juristen die Frage aufgeworfen, was das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung mit dem im Artikel 4 Satz 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland zwar „gewährleisteten“, aber keineswegs uneingeschränkt garantierten Recht der „ungestörten Religionsausübung“ zu tun hat. Auch wurde m.W. nicht erörtert, inwieweit es das Erziehungsrecht der Eltern beinhaltet, kleine Kinder oder wehrlose Babys zu verstümmeln, Kinder dadurch „erzogen“ werden.
  • » Aus Angst ?
    Statt dessen wurde – m.E. mehr in Wort­hülsen und in Sprechblasen, die bei mir teils den Eindruck von Drohungen hinterließen statt mit Fakten unterlegt zu sein – „argumentiert“, die Religionsfreiheit würde eingeschränkt oder es würden Menschen deswegen gar ihrer Identität oder ihrer Lebensgrundlage beraubt.
    Die Zirkumzision mag in Einzelfällen aus medizinischen Gründen geboten sein, aber: Wenn ich jemandem auf der Straße begegne, sehe ich ihm gar nicht an, ob er beschnitten ist oder nicht, kann seine mögliche Religionszugehörigkeit an diesem Merkmal folglich nicht erkennen — und habe auch nicht das Bedürfnis, dies näher zu untersuchen.
    Falls das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung – entgegen der Aussage in unserem Strafgesetzbuch – keine Straftat sein sollte, was ist es dann? Oder ist Körperverletzung nur dann keine Straftat, wenn sie „religiös“ intendiert ist? Soll also das Begehen von Straftaten dann legitimiert sein, wenn dies als zur „ungestörten Religionsausübung“ gehörend deklariert wird? Das könnte einen beträchtlichen Interpretations- und Handlungsspielraum eröffnen.
    Zum Thema siehe auch: BGB § 1631d, in Kraft getreten am 28.12.2012 sowie die Begründung dazu.

    -::-

  • 6 | Im Oktober 2012 wurde die 15-jährige pakistanische Menschenrechts- und Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai
    Malala

    Malala

    in ihrem heimatlichen Swat-Tal von Taliban (Koranschülern) in Kopf und Hals geschossen, um sie zum Verstummen zu bringen. In westlichen Medien sowie in den öffentlichen Statements mancher Politiker wird nach derartigen Verbrechen bisweilen davon geredet, es würde die Religion „missbraucht“.
  • » Aus Angst ?
    Denn wie „missbraucht“ man eine Religion, in deren grundlegender Schrift – pikanterweise insbesondere in den späten, den endgültigen Texten – das Töten und Ermorden „Ungläubiger“ zu den religiösen Pflichten zu gehören scheint? Einem Buch, mit dessen klaren Handlungsanweisungen sich, wenn „nötig“, sogar Selbstmord-Attentate rechtfertigen lassen (Sure 9:111)!

    » Wo die Angst regiert, ist es um Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit schlecht bestellt – oder, wie es eine mir namentlich nicht bekannte Autorin formuliert hat:

    „Sobald Menschen anfangen, ihre außerhalb rationaler Erkenntnis befindlichen Glaubenssätze absolut zu setzen und auch noch mit Strafnormen zu versehen, wird es gefährlich.“

    Die Völker Europas, die über Jahrhunderte unter der – dank der Europäischen Aufklärung weitgehend überwundenen – Gängelung und Erpressung durch „christliche“ Kleriker und deren machtbesessene und machtvergessene weltliche Handlanger, später dann unter den Repressionen blutrünstiger Tyrannen und Despoten zu leiden hatten, sollten dies wissen.

    Gewalt wird nicht dadurch schön, dass man die Fahne, unter der sie verübt wird, austauscht oder anders anmalt.

    Wer sich von der Angst (nicht Furcht) beherrschen lässt, …
    Die Fortsetzung dieses Satzes möge jeder für sich selbst finden.

    _______

    Eckhardt Kiwitt
    Pfalzgrafstr. 5
    D – 85356 FREISING

    qs72@gmx.net

    Advertisements

    Eine Antwort to “Angst”

    1. Umgang mit Kritik an Menschenrechtsverletzungen | PI - München Says:

      […] also verstümmeln); Sure 24:2 (Ehebrecher auspeitschen, also foltern) — und aufgrund religiöser Gesetze (siehe Punkt 5 auf der verlinkten Seite) nicht gerecht werden. Andere könnten zwar, tun es aber […]

    Kommentare sind geschlossen.