Auf schwachem Fundament

Nachdenken im Islam

Im Oktober 2014 veröffentlichte das „Magazin für politische Kultur“, Cicero, unter der Überschrift „Kein Islam ohne Islamismus“ ein Streitgespräch, das die Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin Lamya Kaddor und der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad zum Thema „Ist der Islam friedlich oder stiftet er zur Gewalt an?“ geführt hatten.
An der Aktualität der getroffenen Aussagen hat sich bislang nach meiner Einschätzung nichts geändert. Ein Leserkommentar dazu:

„Es gibt ja auch keinerlei funktionierende Zivilgesellschaft.“ sagt Lamya Kaddor (im ersten Teil des Interviews) mit Bezug auf die islamischen Staaten des Nahen Ostens.

Stellt sich die Frage, warum sich Zivilgesellschaften unter der Herrschaft des Islams dort nicht entwickelt haben.
Sind daran „andere“ schuld ?

Im zweiten Teil (in der Printausgabe [und inzwischen auch online]) meint Kaddor: „Der Koran ist und bleibt eine Offenbarung, die den Menschen konsequent dazu auffordert, selbst nachzudenken.“
Das steht tatsächlich so im Koran, z.B. in Sure 2:219, in Sure 6:50, sehr eindrucksvoll in Sure 34:46, sowie in einigen weiteren Versen.

Warum aber dann der Propheten-Spruch „Wer die Religion verlässt, den tötet“ (siehe Wikipedia-Artikel zu „Ridda“ bzw. „Apostasie im Islam“).
Warum die Todesstrafe für Apostaten, wie sie gemäß islamischem Recht in einigen Ländern auch heute noch vollstreckt wird (und in Europa manchmal als „Ehrenmord“ daherkommt) ?

Darf im Islam – trotz seiner vielgepriesenen Toleranz und trotz „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ (Sure 2:256) – nicht jeder glauben, was er will ?

Ist das Fundament des Islams so schwach, dass die Gläubigen mittels einer so starken Repression wie dieser Todesdrohung (bei Abfall vom Glauben) „bei Laune“ gehalten werden müssen ?

Diktaturen und Despotien, die aus meiner Sicht allesamt rechtsreaktionär / rechtsextremistisch waren und sind (auch dann, wenn sie sich selbst das Etikett „Links“ angeklebt haben — vergleiche z.B. das „Dritte Reich“ einerseits und die DDR andererseits, die für mich institutionell und ideologisch weitgehend wie „Drittes Reich ohne Auschwitz“ war; in beiden Staaten haben die Machthaber z.B. das Wort „Lügenpresse“ verwendet, das heutzutage u.a. Pegida und die sogenannte „AfD“ ebenfalls gebrauchen und die damit, wie einst die Machthaber im „Dritten Reich“ und in der DDR, zum Ausdruck bringen, dass sie womöglich nur das in den Medien veröffentlicht wissen wollen, was sie selber für „die Wahrheit“ halten), müssen sich immer auf Machtmechanismen wie Unterdrückung, Einschüchterung und Erpressung stützen. Sobald diese Machtmechanismen zu erodieren beginnen, setzt der Machtverlust ein, fallen Diktaturen und Despotien zusammen, lösen sich auf.

Freiheit hingegen ist ein Ideal, das sich aus Vernunft selbst trägt und das den Machtverlust nicht fürchten braucht weil es nach Macht nicht strebt.

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Siehe auch die Beiträge
«Ω»,
«Religion und Zynismus, Tradition und Tabu»,
«Ramadan — Zeit der Heuchelei ?»,
sowie das Buch
«Islam und Verfassungsstaat — Theologische Versöhnung mit der politischen Moderne?» von Lukas Wick; Ergon Verlag

Das vollständige Interview zwischen Lamya Kaddor und Hamed Abdel-Samad steht auf der Website des Cicero zur Verfügung.

Eine kleine Sammlung von Leserkommentaren (als Screenshots) zu verschiedenen Themen aus dem Jahr 2014, die auf der Website des Cicero veröffentlicht wurden, finden Sie in diesem PDF.


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net


Alle Beiträge dieser Website finden Sie gesammelt als PDF in der Textsammlung im Download-Bereich.

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