Von Ebenbildern und Ängsten

Nicht, was man erwarten könnte: Unsatirisch über’s Gottvertrauen

Es gilt manchen als unumstößliche Gewissheit, dass Gott uns Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Im 1. Buch Mose, der Genesis, 1,26 und 1,27 heißt es dazu:

Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

Warum Gott uns Menschen auserkoren hat, sein Ebenbild zu sein, und nicht eines seiner anderen Geschöpfe — oder gleichberechtigt auch alle anderen neben uns Menschen — ist sein Geheimnis, das er wohl mit ins Grab nehmen wird. Unverständlich erscheint mir auch, warum Frauen und Männer in manchen Sozialgefügen oder Vereinen nicht gleichberechtigt sind, obwohl Gott sie laut den zitierten Sätzen aus der Genesis doch beide als seine Ebenbilder erschaffen hat.

So manchen, die von unserer Ebenbildlichkeit überzeugt sind, reicht diese jedoch möglicherweise nicht, und so meinen sie, ein wenig nachhelfen und in die Resultate der Schöpfung eingreifen, aus religiösen Gründen ein wenig nachbessern zu müssen.

* * *

Im Mai 2012 fällte das Landgericht Köln ein vielbeachtetes Urteil zur Knabenbeschneidung, wie sie insbesondere im Judentum und im Islam üblich, aber auch z.B. in den Philippinen und den USA bei Christen weit verbreitet ist, und wertete dieses Ritual, das mich mehr an Voodoo denn an Religion (Gottes- / Göttinverehrung) erinnert, als strafbewehrte Körperverletzung (gemäß § 223 StGB). Im Verlauf der anschließenden öffentlichen Debatte wurde, soweit ich diese verfolgt habe, von keinem Politiker, keinem Journalisten und auch keinem Juristen die Frage aufgeworfen, was das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung mit dem im Artikel 4 Satz 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland zwar gewährleisteten, aber keineswegs uneingeschränkt garantierten Recht der „ungestörten Religionsausübung“ zu tun hat. Auch wurde m.W. nicht erörtert, inwieweit es das Erziehungsrecht der Eltern beinhaltet, kleine Kinder oder wehrlose Babies zu verstümmeln, Kinder dadurch „erzogen“ werden.

Aus Angst ?

Stattdessen wurde – m.E. mehr in Wort­hülsen und in Sprechblasen, die bei mir teils den Eindruck von Drohungen hinterließen statt mit Fakten unterlegt zu sein – „argumentiert“, die Religionsfreiheit würde eingeschränkt oder es würden Menschen deswegen gar ihrer Identität oder ihrer Lebensgrundlage beraubt.

Die Zirkumzision mag in Einzelfällen aus medizinischen Gründen geboten sein, aber: Wenn ich jemandem auf der Straße begegne, sehe ich ihm gar nicht an, ob er beschnitten ist oder nicht, kann seine mögliche Religionszugehörigkeit an diesem Merkmal folglich nicht erkennen — und habe auch nicht das Bedürfnis, dies näher zu untersuchen.

Falls das Zufügen einer irreversiblen Körperverletzung – entgegen der Aussage in unserem Strafgesetzbuch – keine Straftat sein sollte, was ist es dann? Oder ist Körperverletzung nur dann keine Straftat, wenn sie „religiös“ intendiert ist? Soll also das Begehen von Straftaten dann legitimiert sein, wenn dies als zur „ungestörten Religionsausübung“ gehörend deklariert wird? Das könnte einen beträchtlichen Interpretations- und Handlungsspielraum eröffnen. Siehe auch: BGB § 1631d, in Kraft getreten am 28.12.2012 sowie die Begründung dazu.

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Das Vertrauen in die Fähigkeiten Gottes sowie in die Überzeugung, dass er uns Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hätte, scheint mir bei jenen sehr gering zu sein, die meinen, seine Schöpfung z.B. durch ein Herumschnippeln an wehrlosen Babies oder an unmündigen Kindern verbessern zu müssen um damit möglicherweise einen Bund mit ebendiesem Gott herzustellen. Hat sich Gott dazu schon geäußert, ist er damit einverstanden? Vielleicht verhöhnen sie ihren Gott damit sogar als jemanden, der die Sache nicht perfekt auf die Reihe bekommen hat. Diesbezüglich von Hybris zu sprechen, erschiene mir jedoch unpassend, da diese voraussetzen würde, dass es besagten Gott tatsächlich und nachweislich geben müsste. Auch die Gleichberechtigung von Frau und Mann nicht anzuerkennen, spricht nicht davon, dass jemand von der Ebenbildlichkeit überzeugt wäre. Es ist wohl eher ein Ausdruck von der Angst davor, gesellschaftliche sowie politische Gestaltungsmöglichkeiten und Macht teilen zu müssen.

Siehe auch die Beiträge Herkunft, Abstammung, Religionszugehörigkeit und Fehlverhalten sowie Umkehrschluss auf dieser Website

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Beitragsbild:
Collage / Bearbeitung aus Michelangelo: Die Erschaffung Adams (Wikipedia) und Das Bärtierchen Milnesium tardigradum (Wikipedia)

Der mittlere Abschnitt dieses Beitrags ist der Seite Angst entnommen.


Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net


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