Die Langsamkeit des Fortschritts

Der Fortschritt sei eine Schnecke, oder vielleicht auch eine Schildkröte oder ein Faultier, jedenfalls etwas, das sich nur langsam bewegt. So wird manchmal argumentiert. Wir brauchen aber keine tierischen Sinnbilder oder Vergleiche, um die Langsamkeit des gesellschaftlichen Fortschritts aufzuzeigen. Insbesondere nicht jene Tiere, die vermutlich ein anderes Zeitgefühl haben als wir Menschen. Wir dürfen zur Beschreibung der Langsamkeit des Fortschritts getrost uns selbst heranziehen.

Im September 2017 wurde in Saudi-Arabien die Entscheidung gefällt, das dort seit Jahrzehnten geltende Autofahrverbot für Frauen aufzuheben. Die Entscheidung fällte der König des Landes, Salman; die Initiative ging auf seinen Sohn, Kronprinz Mohammed bin Salman zurück.
Angekündigt hatten sich gesellschaftliche Veränderungen in diesem Land bereits vor einigen Jahren unter König Salmans Vorgänger König Abdullah.

Dass gesellschaftlicher Wandel bisweilen auf sich warten lässt, liegt in der Natur von uns Menschen, in dem Wunsch, gesellschaftliche Verhältnisse und Machtstrukturen zu stabilisieren. Gesellschaftliche Stabilität weckt Vertrauen und ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit, kann aber auch lähmend und deprimierend sein, ja sogar destruktiv wirken. So können wir ein Beharrungsvermögen nicht nur in islamischen Gesellschaften beobachten, sondern z.B. auch bei Chassidim in New York oder im Umgang mit menstruierenden Mädchen und Frauen in Nepal. Die Amish People im US-Bundesstaat Pennsylvania haben ihren Lebensstil seit Generationen kaum oder gar nicht verändert.

Dort, wo Religion oder Ersatzreligion und Aberglaube mit schlechten Bildungschancen einhergehen, mit Unterdrückung und Einschüchterung, mit Vorurteilen und mangelndem Wissen, oder einfach mit dem Willen zur zynischen Macht ausschließlich um der Macht willen, dort ist es um den gesellschaftlichen Fortschritt schlecht bestellt.

Ich zitiere an dieser Stelle gern Immanuel Kant:

Daß der bei weitem größte Teil der Menschen […] den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben.

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Bild oben:
Eisberg in der Diskobucht, Westgrönland
Michael Haferkamp, Wikipedia

Weblinks:
Saudi-Arabien steuert um, Süddeutsche Zeitung
Das Islam-Prinzip – Warum es keine «Islamisten» gibt, (Bild zu einer Initiative der King-Khalid-Foundation)
Mehr Paranoia wagen ?, PI-Gruppe München
„Ich nenne meine Sprache Deutschmerisch“, Tagesspiegel
Du hast deine Tage? Dann wirst du verbannt, Der Spiegel
Amish, Wikipedia (English)

Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net

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