Ramadan — Zeit der Heuchelei ?

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_____ Religiöse Werte _____


In vielen Religionen gibt es eine Fastenzeit, die der Besinnung auf religiöse Werte dienen soll. Allerdings sind wir Menschen nicht immer ganz perfekt, und so kann es vorkommen, dass Religionen manchmal ein wenig — menschlich, allzu menschlich — zweckentfremdet werden und von Heuchelei zu reden nicht ganz abwegig erscheint. Wir Menschen neigen nunmal dazu, unser Fehlverhalten zu rationalisieren, um uns wenigstens uns selbst gegenüber den Anschein von Lauterkeit zu verleihen.

In einem Beitrag zum Ramadan des Jahres 2017 in der FAZ schreibt Aylin Güler am 2. Juni 2017 im zweiten Absatz:

Aber auch moralische Sünden, wie Beleidigungen und Lügen dürfen in dieser Zeit nicht begangen werden.

Ah, nicht in dieser Zeit …
Aber wie schaut es außerhalb dieser Zeit aus?
Ist es dann erlaubt?
Wir erfahren es leider nicht.

Aylin Güler fährt fort:

Wann findet Ramadan statt?

2017 dauert der Ramadan vom 27. Mai bis zum Ramadanfest am 24. Juni. Muslime, die in Skandinavien am Polarkreis leben, wo im Sommer die Sonne praktisch nie untergeht, halten sich an die Zeiten im saudi-arabischen Mekka oder der Türkei.

Dass der Ramadan für Muslime in der Nähe des Polarkreises in manchen Jahren zu einem existenziellen Problem werden kann, haben wir bereits in einem Aufsatz erfahren, der im Jahr 2006 erschienen ist. Dort ist im Kapitel 3 [Die fünf (eigentlich sechs) Säulen des Islams] in Unterpunkt 4. [Das Fasten während des Ramadans — Saum] zu lesen:

Der Ramadan kann in jede Jahreszeit fallen, da der islamische Kalender nicht dem neuzeitlichen, logischen Sonnenjahr folgt, sondern dem Mondjahr.
Wie sich der Ramadan für einen Moslem gestaltet, der z.B. in Island oder auf Spitzbergen im Norden von Norwegen lebt, oder der z.B. als Wissenschaftler in der Antarktis tätig ist, sollte von islamischen Gelehrten erklärt werden; denn wenn der Ramadan in die Zeit des Sommers der Nordhalbkugel fällt, ist es dort mehrere Wochen lang „Tag“. Die Sonne geht dort dann nicht unter, und ein Moslem, ob Isländer, Norweger, Same, Türke, Araber oder Deutscher  … kann dort über diesen Zeitraum bei natürlichem Licht jederzeit „einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden“. Dann aber kann das Fasten während des Ramadans z.B. in Island oder auf Spitzbergen oder anderswo im Hohen Norden oder Süden für Muslime zu einem existenziellen Problem werden.

Warum sich Muslime, die „am Polarkreis“ leben, gemäß der Beschreibung von Aylin Güler (FAZ) während des Ramadans „an die Zeiten im saudi-arabischen Mekka oder der Türkei“ halten, wird leider nicht näher erläutert. Warum gilt dies nicht auch für Muslime, die z.B. nördlich oder südlich des 50sten Breitengrades leben? Ihnen könnte doch viel Ungemach erspart bleiben!

Müssen alle Muslime fasten?

Im Koran lesen wir zum Ramadan:

Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) – Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, daß Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein. [2:185]

Haben wir im FAZ-Beitrag von Aylin Güler oben erfahren, dass sich „die 29- oder 30-tägige Fastenzeit immer um zehn bis elf Tage pro Jahr“ [wegen des Jahreslaufs der Erde um die Sonne] verschiebt (siehe Screenshot 2: „Wann findet Ramadan statt?“), der Ramadan also über einen Zeitraum von mehr als einer Dekade durch das ganze Jahr wandert, so heißt es im Koran ([2:185]), dass der Koran im Ramadan — also während einer nur 29- oder 30-tägigen Periode — herabgesandt worden sei.
Die medinesische Sure 2 „Die Kuh“ (Al-Baqara) ist chronologisch die Nummer 91, also geraume Zeit vor Abschluss der 23-jährigen Entstehungszeit des Korans entstanden.
Stimmig erscheint uns dies nicht.

Nachdenklich macht uns, dass zur Teilnahme am Fasten während des Ramadans nur angehalten wird, wer „von euch in dem Monat zugegen ist“ [2:185].
„Zugegen“ wo? In Saudi-Arabien, in Mekka, in Medina, in oder auch außerhalb einer Moschee — oder auch woanders?
Und was ist zu erwarten, falls jemand — entgegen dem Schlusssatz aus [2:185] („Vielleicht werdet ihr dankbar sein.„) — nicht dankbar ist?

Alles in allem erweckt die Geschichte rund um den Ramadan bei uns den Eindruck, dass sie unausgegoren ist.

+ + +

P.S.:

Im Koran ist an 15 Stellen vom Nachdenken die Rede, recht eindringlich in der mekkanischen Sure „An-Nahl“ (Die Bienen) in diesem Vers …

(Wir entsandten sie) mit den deutlichen Zeichen und mit den Büchern; und zu dir haben Wir die Ermahnung herabgesandt, auf daß du den Menschen erklärest, was ihnen herabgesandt wurde, und auf daß sie nachdenken mögen. [16:44]

… sowie in der medinesischen Sure „Muhammad“ (Mohammed) in Vers 24:

Wollen sie also nicht über den Qur’an nachdenken, oder ist es (so), daß ihre Herzen verschlossen sind? [47:24]

Wir wollten es nicht unversucht lassen …

Den vollständigen Beitrag von Aylin Güler mit dem Titel „Wie erkläre ich’s meinem Kind? Was Muslime im Ramadan machen“ finden Sie hier.

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Den Beitrag habe ich von der Website von PI-München übernommen.
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