Das Verhängnisvolle eines „letzten Propheten“

Vom Stillstand
gesellschaftlicher und rechtlicher
Entwicklung

Religionen sind nicht nur Glaubensgerüste für Metaphysisches oder Esoterisches, sie haben immer auch eine gesellschaftliche Funktion. Sie können das Zusammengehörigkeitsgefühl in sozialen Verbänden von der Familie über die Dorfgemeinschaft bis hin zum Staat stärken, sie setzen Regeln für das Zusammenleben — setzen also Recht — engen dabei jedoch die Freiheiten des einzelnen ein.

In einem freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat gibt es ebenfalls Gesetze, die Regeln für das Zusammenleben setzen. Dort werden jedoch auch Freiheitsrechte für jeden gewährleistet (garantiert), die Religionen nichtmal gewähren — von gewährleisten ganz zu schweigen.

In frühen Gesellschaften, die nicht über Organisationsstrukturen verfügten wie wir sie heute kennen, traten bisweilen einzelne Leute auf, die sich als Propheten ausgaben und damit eine gewisse Autorität entweder beanspruchten oder zuerkannt bekamen.

Vereinzelt gibt es dies zwar auch heutzutage noch, doch werden solche „Propheten“ nun meist schnell als Scharlatane entlarvt (siehe die Sekten-Checkliste) denen es vordringlich oder ausschließlich um persönliche Macht und um Geld geht; sie verschwinden in der Bedeutungslosigkeit, und ihre Anhängerschar verliert sich nach wenigen Jahren oder Jahrzehnten, löst sich auf.

Die Propheten konnten in frühen Gesellschaften z.B. Moral predigen, aus der sich gesellschaftliche Normen und Gesetze entwickelten, die auch nach Jahrhunderten oder Jahrtausenden noch Gültigkeit haben oder als Vorlage für spätere Gesetze dienten. Das „Auge für Auge“ (welches häufig leider als „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ fehlinterpretiert wird) ist ein bekanntes positives Beispiel hierfür, wendet es sich doch gegen die Todesstrafe und gegen Rache.

Allerdings entwickeln und verändern sich Gesellschaften, die wissenschaftlichen Erkenntnisse und technischen Geräte und sonstigen Grundlagen für das Zusammenleben von Menschen, entwickelt und verändert sich das Recht.

War es bis vor wenigen Jahrhunderten in Europa noch möglich, jemanden aufgrund bloßer Diffamierung — aufgrund konstruierter „Beweise“ — als „Hexe“ anzuklagen, zu verurteilen und auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen, so ist dies heute ausgeschlossen.

Ist es heute in manchen Ländern noch möglich, dass jemandem aufgrund eines „religiösen“ Gesetzes die Hand abgeschnitten wird (Koran Sure 5 Vers 38), dass Ehebrecher ausgepeitscht werden (Sure 24 Vers 2), oder dass Frauen gegenüber Männern nur eingschränkte bzw. verminderte Rechte haben (Sure 2 Vers 282, Sure 4 Vers 11, Sure 4 Vers 34) und dass Religionsfreiheit dort unter Androhung der Todesstrafe nicht gewährt wird, so hat sich dies andernorts — bisweilen nur sehr zögerlich — geändert.

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Vor ca. 1400 Jahren trat auf der Arabischen Halbinsel ein Mann auf, von dem behauptet wird, er sei „der letzte Prophet“, das „Siegel der Propheten“ und „der Gesandte Allahs“ gewesen.
Diesem wird nicht nur eine Macht zuerkannt die von anderen Menschen nicht übertroffen werden kann, ihm wird auch eine Rechtsetzungs- und Deutungshoheit zugebilligt, die endgültig sein soll.

Damit wäre jedoch jeglicher Weiterentwicklung ein unüberwindliches Hindernis in den Weg gestellt, an dem Gesellschaften und Staaten scheitern müssen. Denn die Welt um sie herum, die diesen „letzten Propheten“ nicht akzeptiert, entwickelt sich weiter, zieht weiter, beteiligt sich nicht am Stillstand.

Verlierer sind — entgegen dem, was der Koran den Gläubigen z.B. in Sure 23 Vers 1 und Vers 117, in Sure 28 Vers 67 und einigen weiteren an Erfolg verheißt (oder vorgaukelt) — jene, die an dem Glauben an ihren „letzten Propheten“ und „Gesandten Allahs“ unerbittlich festhalten, seine Macht, seine Rechtsetzungs- und seine Deutungshoheit nicht infrage zu stellen wagen. Sie tragen unfreiwillig dazu bei, dass jener Mann von der Arabischen Halbinsel vielleicht tatsächlich der „letzte Prophet“ gewesen sein wird, dass er als Scharlatan anerkannt und sein despotisches, rechtsreaktionäres System überwunden und durch einen freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat ersetzt wird, in dem nicht ein einzelner über das Schicksal ganzer Völker entscheidet, sondern in dem die Menschen ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen und Aufgaben aus Vernunft delegieren statt sich bevormunden oder entrechten zu lassen.

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Bild oben: Endlosschleife

das_verhaengnisvolle

Eckhardt Kiwitt
Pfalzgrafstr. 5
D-85356 FREISING
QS72@gmx.net

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